Digitalität und Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand | Meine Tweets der Woche 36/2021

Die Digitalisierung und der Klimawandel verändern gleichermaßen unser aller Leben massiv. Es liegt nahe, könnte man annehmen, zu fragen: Wie hängen die beiden Treiber der Entwicklung menschlichen Lebens im Erdsystem zusammen? Wenn Digitalisierung und Klimawandel zusammengedacht werden, dann geht es häufig allein um den Energieverbrauch des Internets, nur selten um den Beitrag der Digitalisierung zu einer Kreislaufwirtschaft oder nachhaltigen Welt im Sinne der UN-SDG.

So erleben wir eine eigenartige Situation. Für die Bewältigung der Klimakrise gibt es eine Fülle an Studien und konkreten Konzepten, die mögliche Wege in eine dekarbonisierte Welt beschreiben. Politik und Wirtschaft scheinen jedoch nicht in der Lage zu sein, die Weichen entsprechend zu stellen. Wir erleben einen Umsetzungsstau. Bei der Digitalisierung scheint es genau umgekehrt zu sein. Es gibt wenige Studien, die eine schlüssige und attraktive Vision beschreiben, wie ein gutes Leben in der Digitalität aussehen könnte. Zugleich schreitet die Digitalisierung in einem rasanten Tempo voran, durchdringt die Arbeitswelt, die Welt der Bildung und unsere Privatwelt, ohne dass dies ausreichend reflektiert und reguliert wird. Bei der Digitalisierung haben wir es gewissermaßen mit einem Visionsstau zu tun.

Die Folge: Gefahren des „Dual Use“, also der Möglichkeit, digitale Technologie zum Guten oder Schlechten für die Menschheit in ihrem Lebensraum zu nutzen, werden wenig verstanden. Demokratische Grundrechte und Menschenrechte werden durch die technologischen Möglichkeiten der Überwachung bedroht. Die ungesteuerte Entwicklung der Digitaltechnologie führt zu gefährlicher Machtanhäufung in den Händen von übermächtigen Technologiekonzernen, die ihr fragwürdiges Geschäftsmodell nach Belieben durchsetzen können, und von Autokraten, die sich der Technologie hemmungslos bedienen, um das Denken und Verhalten der Menschen für ihren Machterhalt zu manipulieren.

Vielleicht liegt hier der Schlüssel. Gerd Leonhard gelingt zwar es auch nur bedingt, aufzuzeigen, wie Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demokratisierung miteinander vernetzt sind oder vernetzt werden könnte. Er verweist auf exponentielle Entwicklungen, etwa beim erleichterten Zugang zur Bildung für alle oder bei der Umschichtung von Finanzmitteln in nachhaltige Produktion von Gütern und Dienstleistungen durch den CO2-Preis. Er stellt jedoch ausdrücklich klar, dass der Einsatz von Technologie die Probleme allein nicht lösen kann. Technologie ist ein Werkzeug. Mehr nicht. Computer kennen keine Gefühle. Nur 0 und 1. Wir müssen entscheiden, wie wir leben wollen, und dann die Werkzeuge entsprechend nutzen. Dies kann uns kein Computer und keine künstliche „Intelligenz“ abnehmen. Er schlägt vor, dass jeder Mensch sich täglich eine Stunde Zeit nimmt, um sich über mögliche Lösungen für eine gute Zukunft zu informieren und mit anderen darüber zu sprechen. Die gute Zukunft, so Leonhard, ist nur gemeinsam zu erreichen – oder gar nicht. Deshalb ist die Demokratisierung so wichtig.


Mehr dazu?

Sensoren (23): Vom „homo oeconomicus“ zum „homo socialis“
Sensoren (5): The Automation of Society is next
Manifeste (1): Das digitale Manifest

Nachhaltig leben lernen | Meine Tweets der Woche 35/2021

Wir stecken alle in einem herausfordernden Lernprozess. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als einen nachhaltigen Lebensstil einzuüben. Es braucht dazu die politischen Rahmenbedingungen und einen praktischen Alltag, in dem wir alle darauf achten, Ressourcen zu schonen und Umweltbelastungen zu vermeiden. Unglücklicherweise empfinden wir das oft als Verzicht, was uns manchmal auch eine Entlastung sein könnte.

Wie ein angeleitetes Lernprogramm aussehen könnte, das helfen kann, momentane Impulse für ein nachhaltiges Leben zu verstetigen, zeigt diese Radio-Reportage über ein Forschungsprojekt des Wuppertalinstituts, das von 2018 bis 2021 lief.

Was die politischen Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Lebensstil betrifft, sieht es mindestens so schlecht aus, wie beim alltäglichen Lebensstil. Diese bittere Entkenntnis lässt sich aus dem Bundestagswahlkampf ziehen, wie er bisher verlief. Keine der demokratischen Parteien traut sich, ein politischen Programm vorzustellen, das dem 1,5°-Ziel der Pariser Klimaschutzabkommens entspricht. Stattdessen versuchen Politiker allzu oft und allzu gerne, den Eindruck zu erwecken, als gäbe es Patentlösungen für die Klimakrise, die ohne Umstellung des Lebensstils zu erreichen seien. Die Wasserstoffstrategie ist dafür ein Beispiel.

Dabei gibt es viele kluge und fundierte Initiativen, die Szenarien für tiefgreifende Weichenstellungen aufzeigen.

Wie verstehen Medien die Klimakrise? | Meine Tweets der Woche 34/2021

Die Klimakrise verstehen – so könnte man meine Tweets in dieser Woche in ein Stichwort packen. Es geht um die Einstellung zur Klimakrise und um Handlungsmöglichkeiten.

In den traditionellen Medien zeigt sich seit langem und immer drängender ein massives Problem mit der Klima-, Arten- und Umweltkrise. Sie stellen das Thema fälschlicherweise neben die anderen Themenfelder, obwohl es doch deren Kontext ist. Der fehlende Kontextbezug führt zu falschem Framing, „False Balance“ und lädt dazu ein, die Klimakrise zu beschwichtigen oder zu verdrängen. Sarah Schurmann und Lea Dohm haben die von vielen Journalisten missverstandene Wechselbeziehung zwischen den Krisen unserer Zeit und der Zerstörung unseres Lebensraums als Metakrise in einem Beitrag für Übermedien verständlich beschrieben. Sie sprechen mir aus dem Herzen, wenn sie für entsprechende Weiterbildungen in den Medien plädieren.

Das Problem der Medien mit der Klimakrise ist gleichwohl nicht nur dort sichtbar. Die Mehrheit der Unternehmen und der Bürger sind in derselben Verdrängungsblase gefangen, wie Journalistinnen und Journalisten. Man will es nicht wahrhaben und sieht die Chance (noch) nicht, die mit der anstehenden Transformation verbunden ist. Die „Große Transformation“ – solche Begriffe schrecken natürlich ab. Kapitalismuskritik ist angebracht, aber auf dieser abstrakten Ebene letztlich wohl wirkungslos.

Nach dem IPCC-Report | Meine Tweets der Woche 33/2021

Der IPCC-Bericht hat auch in dieser Woche für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Obwohl die Nachrichten von den dramatischen Ereignissen in Afghanistan geprägt waren, haben sich auch viele Stimmen mit den beunruhigenden Erkenntnissen des Weltklimarats auseinandergesetzt.


Die knappe Zeit, die unzureichenden Ideen der Politik und das Zögern weiter Teile der Wirtschaft sind geeignet, die Ängste zu schüren. Dennoch bleiben viele Stimmen hoffnungsvoll. Es entsteht der Eindruck, dass sich das Bewusstsein zu ändern beginnt. Besonders erfreulich sind die Ergebnisse einer Umfrage der Global Commons Alliance, die zeigt, dass mittlerweile Mehrheiten in den G20-Ländern die Bedrohung der Klimakrise erkannt haben. Ist das ein Anzeichen, dass wir uns in der „Großen Transformation“ befinden? Oder ist das erst ein Vorbote?

Der Sachstandsbericht des Weltklimarats | Meine Tweets der Woche 32/2021

Diese Woche standen meine Tweets ganz im Zeichen des IPCC-Reports, des neuen Sachstandsberichts des Weltklimarats. Der Bericht ist vielleicht das eindringlichste Dokument zur Klimakrise, das gerade in seiner wissenschaftlich-nüchternen Sachlichkeit wirken könnte. Ein Weckruf? Vielleicht erleben wir ja gerade das Jahr der Weckrufe.


Ergänzend zum Thema hier eine visualisierte Darstellung unserer Situation, die in ihrer Tragweite von vielen Mitbürgern und von vielen Verantwortlichen in den Institutionen und Organisationen, egal ob in Politik, Wirtschaft oder Medien, noch immer nicht verstanden zu werden scheint.

Quelle: Will Steffen, Johan Rockström, Katherine Richardson, Timothy M. Lenton, Carl Folke, Diana Liverman, Colin P. Summerhayes, Anthony D. Barnosky, Sarah E. Cornell, Michel Crucifix, Jonathan F. Donges, Ingo Fetzer, Steven J. Lade, Marten Scheffer, Ricarda Winkelmann, and Hans Joachim Schellnhuber: Trajectories of the Earth System in the Anthropocene, 2018 (https://www.pnas.org/content/115/33/8252)

Die Darstellung zeigt, bezogen auf Temperatur und Meeresspiegel den erdgeschichtlichen Zyklus der Eiszeit, aus dem das Erdsystem durch die Einwirkung des Menschen ausgebrochen ist. Das Erdsystem befindet sich im Moment an dem Punkt, der durch die kleine Erdkugel markiert ist. Deutlich erkennbar ist die Weichenstellung, vor der wir uns unmittelbar befinden. Wenn wir unser klimaschädliches Verhalten stoppen, stabilisiert sich das Klima und das Erdsystem. Dieser Pfad ist durch die kleine Schleife dargestellt. Wenn wir zu wenig für den Klimaschutz tun, wird sich das Erdsystem auf Kipppunkte zubewegen, die in eine Heisszeit führen, zu einer Erhitzung der Erdatmosphäre und zu einem Anstieg des Meeresspiegels, in denen ein Leben für Menschen und Säugetiere kaum noch möglich sein wird.

Manifeste (16): Digitalität und Künstliche Intelligenz

I

Ein Thesenpapier der Katholischen Kirche befasst sich mit der Bedeutung der Digitalisierung für die Kirchen und setzt sich grundsätzlich mit den gesellschaftlichen Herausforderungen und Umwälzungen, die der „unaufhaltsame“ technologische Wandel mit sich bringt, auseinander sowie mit den Kompetenzen und Fähigkeiten, die diese Umwälzung kirchlichen Akteuren abverlangt.

II

Obwohl nicht als Manifest deklariert, passt das Dokument in meine Sammlung grundlegender Texte zum gesellschaftlichen Umbruch. Verfasst wurde es von einer Expertengruppe Social Media im Auftrag der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. Die Redaktion lag bei Karsten Henning und Andreas Büsch.

Das Papier will die Digitalisierung umfassend verstanden wissen und greift deshalb auf den vom Schweizer Kulturwissenschaftler Felix Stalder verwendeten Begriff der Digitalität zurück. Digitalität ist bei ihm „nicht auf digitale Medien begrenzt, sondern taucht als relationales Muster überall auf und verändert den Raum der Möglichkeiten vieler Materalien und Akteure.“ Stalder rücke seine Konzeption der Digitalität damit in die Nähes des Begriffs des ,Post-Digitalen‘, wie er in kritischen Medienkulturen seit einigen Jahren vermehrt verwendet wird.

Zur Rolle des Menschen greift das Thesenpapier auf Sigmund Freud zurück. Auch unter den  Bedingungen des Digitalen handelten Menschen, deren Möglichkeiten ebenso potenziert würden wie ihre Abgründe. Dies werde an vielen Problemfeldern, vor allem an der Kommunikation in den Social Media deutlich: Fake News, Hate Speech, Extremismus, Verschwörungsmythen, Cybermobbing etc. Hinzu komme die Bequemlichkeit des Menschen, vielfach gepaart mit fehlendem Wissen, mangelndem Problembewusstsein oder ungenügender Medienkompetenz, dessen Bedürfnisse z.B. nach Komfort dem Datenschutz bisweilen diametral gegenüberstünden. Bei Freud klingt das so: „Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht  großartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt, aber sie sind nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen.“

Das Papier geht von der Unumkehrbarkeit der Digitalisierung aus und greift zur Begründung unbeirrt auf den biblischen Schöpfungsmythos und Gen 1,28 zurück: Macht Euch die Erde untertan.

Wechselbeziehung zwischen Mensch und Technik gestalten

Es gilt daher, eine technische und kulturelle Ökologie zu pflegen, die die Wechselbeziehung  zwischen dem Lebendigen und den informationsverarbeitenden Technologien bzw. deren  Potenzialen zum Wohl von Mensch und Natur zu gestalten. Dies gilt auch für den Umgang des Menschen mit sich selbst: Gott hat den Menschen unvollkommen geschaffen. So wichtig daher  medizinische Entwicklungen sind, bei denen Robotik Menschen unterstützt, so sehr ist Selbstoptimierung ohne medizinische Indikation (Transhumanismus) kritisch zu hinterfragen.

Die Schöpfungsidee wird gedeutet als Freiheit in Verantwortung. Versuchen die Autoren mit dem Festhalten am Bild vom Menschen als dem Herrscher über die Schöpfung, die menschliche Erhabenheit zu retten? Der Philosoph und Historiker Philipp Blom hat sich im Rahmen der Wiener Vorlesungen 2021 mit dieser Frage befasst.

Er sieht einen Kampf zwischen unterschiedlichen Menschenbildern wachsen. Wer hat eine wirkmächtige Erklärung für das, was geschieht, parat? Zugrunde geht die Idee der Beherrschbarkeit der Natur. Aber die Idee ist uns, so Blom, kulturell so normal geworden, dass wir sie gar nicht mehr erkennen. Es sei, wie einem Fisch zu erklären, was Wasser ist. Wir schwimmen in der Idee, dass wir erhaben sind über die Natur. Aber auch die neue Idee, dass wir Teil der Natur sind, könne genau so zum selbstverständlichen Paradigma werden.

Steckt also hinter dem Festhalten an Gen 1,28 der Versuch, die Idee von der Beherrschbarkeit der Natur in die Zukunft zu retten? Wie sieht die Idee aus, mit der die Autoren des Thesenpapiers das Vakuum füllen wollen, das die sterbende Idee hinterlässt?

Begegnung ist Selbstreflexion – auch im Digitalen

Das Thesenpapier geht davon aus, dass Kommunikation auch in der digitalen Form von existenzieller Bedeutung ist. Die grundlegenden Gedanken von Martin Buber gelten auch für die digitale Begegnung.

Kommunikation ist für Menschen immer auch Mittel der Selbstreflexion im Austausch mit dem und am Gegenüber: „Der Mensch wird am Du zum Ich!“ Da Kommunikation im Zeitalter der Digitalität grundsätzlich in weltweiten Kommunikationsräumen gedacht werden muss, fordert Digitalität uns  heraus, das jeweils andere in Kultur, Religion etc. wahrzunehmen und uns damit auseinander zu setzen. Die zwangsläufigen Folgen von Digitalität sind gesellschaftliche Vielfalt und Diversität.

Vielleicht ist das allzu optimistisch gedacht. Wenn die Menschen als „Prosumer“ in wechselseitigen, vernetzten Interaktions- und Kommunikationsstrukturen agieren, ist damit keineswegs gesichert, ob die dadurch entstehenden neuen Handlungs- und Kommunikationsräume mehr Vielfalt bewirken. Am Beispiel China zeigt sich, dass digitale Technologien unter autokratischem Regime dazu benutzt werden können, allumfassende Kontrolle auszuüben. Für die schöpferische Begegnung bleibt dann nur noch begrenzter Spielraum. Vielfalt wird eingeschränkt. Digitalität wird benutzt, um eine Monokultur durchzusetzen.

Das Thesenpapier erkennt dabei sehr wohl, dass diese Idealvorstellung der Digitalität bedroht ist.

Gerade mit Blick auf manche sozialen Netzwerke müssen Daten, die einzelne Menschen  identifizierbar machen, aus der Kontrolle der Tech-Konzerne befreit werden. Anders lässt sich ein  Recht auf Privatheit und Intimität nicht leben, das wesentlich zur Würde des Menschen gehört. Im Schutz von Privatheit und Intimität liegt eine Chance für Unternehmen, beim Datenschutz  entsprechende Standards als Alleinstellungsmerkmal zu setzen. Dies wäre ebenso wie z.B. Maßnahmen der Regulierung eine wirksame Antwort auf Probleme, die durch internationale  Internetkonzerne in der Vergangenheit verursacht wurden. Daher sind europäische Entwicklungen  von Plattformen und Diensten zu begrüßen, die diskriminierungsfrei sind und eine Umsetzung    der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) leisten.

Europäische Plattformen, die eine ethisch vertretbare Form der Interaktion ohne Manipulation und in einem offenen Wettbewerb anbieten, sind bisher nicht in Sicht. Der Kulturwissenschaftler Michael Seemann hat kürzlich im Interview mit dem Philosophie-Magazin auf das Missverständnis hingewiesen, dass die Macht der Plattform-Oligopole mit klassischen Machtformen, wie wir sie von Staaten kennen, verwechselt würde.

Ein Teil der Missverständnisse im Diskurs über Plattformen rührt daher, dass dieses Machtverständnis eins zu eins auf die Plattformen übertragen wird. […] Natürlich haben Plattformen Macht, aber diese Macht ist nicht eine der individuellen Manipulation, sondern der aggregierten Steuerung. Die Werbestrategien von Plattformen basieren schließlich darauf, statistische Effekte zu erzielen. […] Plattformen schauen nicht auf das Individuum, sondern auf Target Groups, entlang von Interessen, Geschlechtern, Aufenthaltsorten usw. Bewertet man bestimmte Handlungen im klassischen Disziplinarregime des Staates, ist jede Form der Abweichung ein potentielles Problem, dem man versucht entgegenzuwirken, um das Individuum wieder einzureihen. Bei den Kontrollregimes der Plattformen kann man jedoch abweichen, wie man will, das ist den Plattformen völlig egal. Niemand versucht dich zu disziplinieren, denn es geht allein um statistische Effekte. Wenn Du Dein Facebook-Konto löschst, ist das Mark Zuckerberg gleichgültig. Erst wenn es eine Menge Leute tun und sich darin Muster zeigen, fängt Zuckerberg an, schlecht zu schlafen.

Seemann möchte eine gesellschaftliche Debatte darüber anstoßen, wie eine wirksame staatliche Regulierung dieser neuartigen, vielfach missverstandenen Macht der Plattformen möglich wird. In diesem Punkt trifft er sich mit der Intention des Thesenpapiers. Die Autoren sehen jedoch eher die Gefahr eines Rückzugs ins Private. Öffentlichkeit sei wichtig, weil der von möglichst allen mitgestaltete gesellschaftliche Diskurs demokratische Gesellschaften elementar präge. Hier sieht das Thesenpapier die schöpferische Chance für die Kirchen. Es gelte, das Menschliche neu zu entdecken. Kirchen können hier zeigen, wie unter den neuen Bedingungen der Digitalität Gemeinschaft entstehen kann. Als notwendig betrachten die Autoren, so etwas wie VUKA-Kompetenz und Agilität zu entwickeln.

Digitalisierung sei der Schlüssel zu mehr Dialog und das Werkzeug für mehr Konnektivität. Die Autoren bauen darauf, dass die Kirche eine Kultur der Vielheit entfalte. Sie fragen sich, ob religiöse Kommunikation wieder „agil” werden könne, „so wie es z.B. die Missionsreisen des Paulus waren?“ Das bedeutet für die kirchlichen Akteure nicht weniger, als sich auf herrschaftsfreie und dialogische Prozesse anstelle hierarchischer Deutungshoheiten einlassen zu müssen. Notwendig sei dazu, die Kompetenzen für den Umgang mit Unsicherheit, Pluralität, Mehrdeutigkeit, Kontingenz und Kontrollverlust zu erwerben.

Ethics by Design

Eine solche Ethik durch Design setzt einen gestalterischen Zugang zur digitalen Technik voraus. Das Thesenpapier sieht deshalb ein wesentliches Lernfeld in einem kritischen Umgang mit Algorithmen. In der Digitalität, wie sie sich derzeit abzeichnet, liegt die Macht, über ethische Standards zu entscheiden, bei den Plattformen und anderen Unternehmen, die kommerzielle Interessen verfolgen. Ethics by Design ist die Antwort des Thesenpapiers auf diese Herausforderung.

Algorithmen […] haben keinesfalls Sinn an sich; Sinn wird durch den Menschen hergestellt. […] sie ersetzen kein ethisches Urteilen und Unterscheiden. Es braucht eine kritische Reflexion von zugrunde gelegten Daten, deren Verarbeitungsregeln und den daraus resultierenden Ergebnissen. 

Ethische Fragen müssten schon bei der Entwicklung und Programmierung von KI gestellt, diskutiert und berücksichtigt werden, etwa dadurch, dass Technikfolgenabschätzung selbstverständlicher Bestandteil der technischen Studiengänge sein sollte. Das gilt auch für die sozialen Folgen. Es ist die alte soziale Frage, die sich mit der Digitalität neu stellt.

Bedingungen dafür, dass Digitalisierung zu gerechteren Lebensverhältnissen führt, sind Zugangs-und Teilhabegerechtigkeit sowie Medienbildung bzw. Medienkompetenz. Schließlich sind Bildung  mit dem Ziel der Mündigkeit und Verantwortung sowie Partizipation aller wichtige Schlüssel für eine konstruktive Entwicklung von Kirche und Gesellschaft.

Wider die Anthropomorphisierung

Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Technik stellt sich in der Digitalität zudem auf der individuellen Ebene. Wie problematisch aktuelle Entwicklungen sind, wird besonders anschaulich in der weit verbreiteten Anthropomorphisierung.

Digitalität stellt Menschen in ein Spannungsverhältnis zu Maschinen: Einerseits nutzen wir digitale Technik und neigen dazu, sie bzw. die Artefakte, mit denen wir interagieren, zu anthropomorphisieren.

Dies zeige sich im alltäglichen Sprachgebrauch  („Google weiß …”, „das Navi sagt …”) bis hin zu neuen Formen von Beziehungen. Wir neigen dazu, uns den Strukturen des digitalen anzupassen und zu einer Art „Computer auf zwei Beinen“ zu werden. Technik zu einem Subjekt und der Mensch tendenziell zum Objekt zu machen.

[…] – die Kehrseite der Anthropomorphisierung digitaler Technik ist die Technisierung des Menschen.

Gegen diese Entmenschlichung führt das Papier die radikale Transzendenz des Menschen, die es in seiner Gottesebenbildlichkeit und Würde erkennt. Es führt die humanistischen Grundwerte Menschenwürde, Freiheit und Verantwortung ins Feld und verbindet diese mit den Prinzipien der Katholischen Soziallehre – Personalität, Solidaritäts- und Subsidiaritätsprinzip, Gemeinwohlprinzip und Nachhaltigkeit.

Digitalisierung heisst, sich darauf einzulassen, sich dem Gefühl eines Kontrollverlusts auszusetzen. Eine Praxis der Neugier setzt deshalb Kompetenzen voraus:

Neben der Notwendigkeit politischer und ethischer Regulierung bedarf es weiterer Kompetenzen  der Nutzer*innen. Die kommunikative Wahrung von Anstand und Respekt (Papst Franziskus), Um-gangsformen und die Kultur der Werte müssen geübt werden. Voraussetzungen einer ethischen  Verantwortung der Nutzer*innen sind u.a. die Fähigkeit zur persönlich-inneren Unterbrechung der  äußeren Schnelligkeit (z.B. Achtsamkeit, Meditation und Liturgie), Medienkompetenz und Quellen-prüfung, der Zwang des besseren Arguments, also Rationalismus, und nicht zuletzt: (transzenden-tes) Vertrauen und Selbst-Bewusstsein. So können auch weiterhin neue Entwicklungen in der Digitalität im Dienst des geistbegabten und selbstbewussten Menschen stehen.

III

Das Thesenpapier ist ein Beispiel für die Suche nach dem angemessenen Umgang mit der Technologie und den daraus folgenden Umwälzungen. Es erkennt die grundlegenden Herausforderungen der Digitalisierung und plädiert – in einer traditionell hierarchischen Institution nicht gerade selbstverständlich – für die offene Haltung und die kommunikativen Freiräume, die zur Bewältigung der Komplexität erforderlich sind. Es springt nach meinem Eindruck letztlich aus zwei Gründen zu kurz. Zum einen blendet das Papier das Verhältnis des Menschen zur Natur, zu allem Leben in der Kritischen Zone, zur Klima- und Umweltkrise, zum Artensterben weitgehend aus. Es wird nicht reichen, die Prinzipien der Katholischen Soziallehre allein auf die Digitalität zu beziehen. Spannend wird es, wenn die ökologische Frage und die soziale Frage aufeinander und auf die technologische Frage bezogen werden. Der zweite Grund: Das Papier bleibt diffus, wenn es die Anforderungen an eine Digitalität zu greifen versucht. Die Akteure werden nur wenig greifbar. Vor allem die Machtverschiebungen zwischen demokratischen Institutionen und den kommerziellen Plattformen sind es, die in dem geforderten breiten gesellschaftlichen Diskurs oder in der kritischen Reflexion der Daten und ihrer Verwendung die volle Aufmerksamkeit erhalten sollten.

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Mehr dazu

Einflussreiche Nischen. Felix Stalder über die traditionellen Medien in der Kultur der Digitalität

Manifeste (10): Lebendigkeit sei! oder die beseelte Natur

Sensoren (25): In der Klimakrise – verzichten oder loslassen?

Sollen oder müssen wir wegen der Klimakrise Verzicht üben? Immer wieder werden Bedenken angemeldet. Nicht wegen des Verzichtens. Allen, die sich mit der Klimakrise beschäftigen, ist klar, dass sie ohne Verzicht unmöglich zu bewältigen ist. Die Bedenken richten sich gegen die Verwendung des Begriffs. „Verzicht“ klinge so negativ und raube die Motivation. Gerade Politiker versuchen, den Eindruck zu erwecken, die Klimakrise sei ohne Verzicht zu bewältigen, indem sie das Wort vermeiden.

Kürzlich ist diese Frage auch an den Historiker Philipp Blom gerichtet worden. Er hielt ein Impulsreferat bei einer sehenswerten Online-Veranstaltung der Katholischen Kirche Vorarlberg. Eine Zuschauerfrage im Anschluss des Vortrags befasste sich mit dem Verzicht (s. ab Min. 44). Das Wort wirke in Diskussionen wie ein Totschlagargument. Blom fand, so scheint mir, eine überzeugende Antwort. Er finde das „atemberaubend kindisch“. Jede Entscheidung sei mit einem Verzicht verbunden.

Wenn man sich für etwas entscheidet, entscheidet man sich gegen ganz viele andere Möglichkeiten. … Es zeigt, wie sehr wir zu Konsumenten infantilisiert worden sind.

Wenn man sich entscheide, in einer bestimmten Stadt zu leben, könne man nicht gleichzeitig in allen anderen leben. Wenn man mit einer Frau verheiratet sei, könne man dies nicht zugleich mit allen anderen sein. Das seien erwachsene Entscheidungen, „intelligenter Verzicht“.

Aber was ist mit dem Verlust an Identität, den Menschen erleiden, die sich stark über Konsum definieren? In der Zeit bis etwa 1850 sei die Identität geprägt gewesen durch die Verhältnisse, in die man hineingeboren wurde. Mit dem Entstehen der Konsumwelt, so Blom, haben wir diese Ketten abgeschüttelt. Heute müsse man seine Identität zusammensuchen. Das sei anstrengend. Da biete der Konsum eine Krücke zur symbolischen Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die man einfach kaufen könne. „Was kommt danach?“, fragt Blom. Das hänge davon ab, was „cool“ sei.

Ist es cool, über das Wochenende auf die Philippinen zu fliegen oder ist es cool, mit der Bahn eine Reise durch Europa zu machen. Wofür bewundern Sie die Nachbarn?

Blom berichtet von einer Begegnung mit Richard Sennett, dem amerikanischen Soziologen. Er habe ihm erzählt, dass sein Großvater nur zwei Anzüge besessen habe. Das sei aber kein Problem gewesen. Es habe ja nicht so viel zu kaufen gegeben.

Der Konsumdruck ist … nicht da, wenn man nicht dauernd damit bombardiert wird.

Verzicht nützt nichts – und hilft doch

Verzicht nütze nichts, wenn ihn Einzelne übten. Das zeige die „Tragödie der Gemeingüter“. Das ist das Phänomen, dass gemeinsame Güter aufgezehrt werden, weil jeder auf seinen eigenen Nutzen achtet. Mit diesem Einwand gegen das Verzichten hat sich der Philosoph Philipp Hübl kürzlich in einem Beitrag für Der Standard auseinandergesetzt. Darin zeige sich der Unterschied zum erzwungenen Verzicht in der Corona-Pandemie. Der Verzicht auf Begegnungen mit anderen helfe, sich und andere vor Ansteckung zu schützen. Konsumverzicht lohne sich hingegen nicht, wenn man davon ausgehen müsse, dass sich andere unkooperativ verhalten.

Hübl zeigt die vermeintliche Widersprüchlichkeit des Konsumverzichts auf. Der private Konsum habe den technologischen Fortschritt, z.B. in der Medizin, erst möglich gemacht, der heute gerade auch den Ärmsten zugute komme. Wenn Österreich den CO2-Ausstoß auf Null reduzierte, würde das die weltweiten Emissionen um weniger als 1 % verringern. Auch die Einstellung des weltweiten Flugverkehrs würde nur etwa 2 % CO2-Reduzierung bringen.

Solche einseitigen und statischen Rechenspiele können, so mein Eindruck, Menschen, die sich gegen den Konsumverzicht sperren, die Begründung liefern. Wenn es nichts nützt, kann man es auch lassen und weiter Ressourcen im großen Stil verbrauchen. Hübl dreht letztlich bei und findet, dass es dennoch Idealisten brauche, die als Vorbilder dienen und andere zum Nachahmen anstiften.

Verzicht mit Humor

Von einer anderen Seite aus betrachtet der Philosoph Robert Pfaller das Phänomen in einem anderen Beitrag für Der Standard. Er geht dem Verzichten und der Lust daran als postmodernem Trend nach, der sich etwa in Verzichtsseminaren zeigt. Zwei gegensätzliche Beweggründe können den Verzicht beflügeln, stellt Pfaller mit Rückgriff auf Ludwig Marcuse fest. Bei einem Abendessen verzichtet der eine auf den Wein, weil er die Pointen der Konversation nicht verpassen will, der andere, weil er glaubt, dass Alkoholkonsum Sünde sei. Beiden Abstinenzlern ist eines gemeinsam. Sie halten sich für etwas Besseres. So sieht Pfaller in der Postmoderne die Gefahr, dass wir vom exzessiven Konsum in den exzessiven Verzicht abgleiten. Er erinnert an Epikur und dessen Postulat, dass auch das Maßhalten maßvoll geschehen solle. Um aus der Spirale des Verzichtens – ebenso wie aus jener des endlosen Konsumierens – herauszukommen, brauche man vielleicht ein wenig Humor, so Pfaller.

Wenn man in der Lage ist, ein wenig über sich selbst zu lächeln, dann kann man einsehen, dass man keinen ganzen Ozean zum Schwimmen und keine zehn Wohnungen zum Wohnen braucht. Und mit ein wenig Humor kann man andererseits auch zur Kenntnis nehmen – und diese ertragen –, dass jeder von uns, auch der Achtsamste, wohl immer mehr Schaden anrichtet als Nutzen: weil Leben insgesamt, wie der Philosoph Whitehead bemerkte, ein „Raubüberfall“ ist.

Loslassen statt verzichten

Verzicht kann auch für den Einzelnen mit einem Gewinn verbunden sein. Das maßvolle Leben ist jedoch ein radikal anderes Leben. Wir sind eingebunden in ein Netz lebender Organismen, von denen wir und die von uns wechselseitig abhängig sind. Wenn wir dies erkennen, wächst die Neuausrichtung unseres inneren Kompass. Wir können wechseln von einer Haltung, die uns ein mühsames „Weg-Von“ einer überzogenen Konsumhaltung auferlegt, zu einer Haltung, die uns ein „Hin-Zu“ einem Miteinander mit allem Lebendigen spüren lässt. Nochmal Philipp Blom (ab ca. Min. 18).

Wir begreifen mit der Klimakatastrophe, wir begreifen mit Covid, dass wir nicht außerhalb, sondern mitten in der Natur stehen, dass wir unser Bild von der Natur und unserem Verhältnis zu ihr radikal ändern müssen.

Wir brauchen die Kritische Zone, wie alle Lebewesen, zum Überleben. Wenn wir uns darauf besinnen können, uns darauf auszurichten, was dem Leben und dem Erhalt der Bedingungen für das Leben dient, verliert sich langsam das Gefühl, verzichten zu müssen. Wir können loslassen, was nicht mehr wichtig ist. Wir können andere Entscheidungen treffen. Wir werden lernen, uns für lebensfähige Verhältnisse zu entscheiden und nicht gegen die Verlockungen einer Konsumwelt. Dieses Loslassen setzt voraus, dass wir uns dem Neuen zuwenden, das Neue kommen lassen, uns einem nachhaltigen Lebensstil annähern, eine Idee dafür reifen lassen, uns ausprobieren.

Verzicht auf „Verzicht“ als Maßstab für die Transformation?

Es spricht also manches dafür, dass wir das Appellative dieses Begriffes hinter uns lassen. Je mehr wir Zufriedenheit, Glück, Freude, „Flow“ mit Situationen erleben, in denen wir die Krücke des Konsums wegwerfen und auf eigenen Beinen stehen, desto mehr wird der Konsumdruck nachlassen und desto weniger werden wir das Wort „Verzicht“ verwenden.


Mehr dazu?

Was gute Führung ausmacht (20): Transformatives Unternehmertum als Zukunftskunst

Sensoren (21): Philipp Blom über die Macht unserer Vorstellungskraft

Sensoren (14): Der Klimawandel und die Hoffnung

Sensoren (24): In Hoffnung leben

Es lassen sich zwei Arten der Hoffnung unterscheiden. Darauf macht der Philosoph und Theologe Hartmut von Sass in der SRF-Sendung „Sternstunde Religion“ aufmerksam. Umgangssprachlich verwenden wir den Begriff vorzugsweise für das Hoffen, dass ein konkretes Ereignis eintreten möge. Es gibt aber auch, so von Sass, eine Hoffnung als Lebensmodus.

Ohne Moderne keine Hoffnung?

In einem Aufsatz mit dem Titel „Hoffnung mit Optimismus“ setzt sich von Sass ausführlicher mit der Frage auseinander, wie Hoffnung in vermeintlich hoffnungslosen Zeiten möglich ist. Er geht von der Moderne aus, die wir durch unsere Lebensweise erzeugen. Die moderne Lebensweise lässt uns von der Zukunft stets etwas Neues erwarten, lässt uns auf etwas Neues hoffen.

Nur wo die Zukunft noch aussteht und als unausgeschöpft angenommen wird, bewegen wir uns in jenem Möglichkeitraum, zu dem sich der hoffende Mensch verhalten kann und in bestimmter Weise, nämlich hoffend, tatsächlich verhält. Wo hingegen alles „entleert“ ist und zum Vakuum degradiert, kann es offensichtlich keine Hoffnung geben.

Hartmut von Sass: Hoffnung mit Optimismus. S. 2

Umgekehrt leben wir, wenn wir modern leben, nicht zwingend in Hoffnung. Wenn wir den Möglichkeitsraum eröffnen, sehen wir uns vor eine Wahl gestellt: Welches Leben wollen wir? Und: Wie können wir in dem Möglichkeitsraum auch die Möglichkeit des Guten vermuten, bewahren, schützen und pflegen? Die Hoffnung ist vielen abhanden gekommen, weil sie genau diesen Möglichkeitsraum nicht mehr erkennen. Die Dynamik der Ökonomie scheint keine Alternativen zuzulassen. Angesichts der Unsicherheiten, Bedrohungen und Gefahren, die uns die Wissenschaft in nüchternen Zahlen aufzeigt, erscheint Pessimismus vielen als die einzig angemessene Haltung.

Doch Hoffnung, so zeigt von Sass, ist weder Gegenstand einer persönlichen Wahl, noch primär mit unserer Ausrichtung auf die Zukunft verknüpft, noch realitätsfern. Dies betrifft auch den Optimismus, der sich ähnlich wie die Hoffnung, diese vorschnelle Kritik eingehandelt habe. Diese beiden Begriffe – Hoffnung und Optimismus – und ihr Verhältnis zueinander unterzieht von Sass einer ausführlichen Betrachtung.

Hoffnung als Modus, zu leben

Er unterscheidet einen propositionalen von einem modalen Begriff der Hoffnung. Der erstere bezeichnet das Hoffen, dass etwas der Fall sei. Beim zweiten Begriff geht es hingegen darum, dass ein Mensch in Hoffnung lebt. Es gehe, so von Sass,

nicht darum, dass wir uns in einem konkreten Zustand auf ein Ereignis ausrichten, sondern darum, dass wir mit Blick auf die Gesamtheit der Ereignisse in unserem Lebensvollzug hoffnungsvoll leben.

a.a.O., S. 8

Hoffnung, so verstanden, ordne sich nicht in das Spektrum zwischen Unsicherheit und Gewissheit ein, sondern, so von Sass, es handle sich um eine Qualifikation unserer gesamten Existenzweise. Hoffnung ist dann die Einstellung, die all unser Denken, Fühlen und Handeln begleitet und einstimmt.

Wie verbinden sich die beiden Spielarten der Hoffnung im praktischen Lebensvollzug? Auch zu dieser Frage begibt sich von Sass auf eine Erkundung. Er schlägt den Weg über den Optimismus ein. Ähnlich wie bei der Hoffnung können auch hier zwei Arten des Optimismus unterschieden werden: ein Optimismus der Tatsachen und ein Optimismus der Haltung. Von Sass wendet sich jedoch gegen eine einfache Gleichsetzung des Tatsachenoptimismus mit der propositionalen Hoffnung und des Haltungsoptimismus mit der modalen Hoffnung. Denn der Optimismus als Haltung zeige sich in seiner Betrachtung als grundlegend für alle Weisen, optimistisch zu sein. Wer im Optimismus der Tatsachen Fakten einbezieht und bewertet, tut dies aus einer optimistischen Haltung heraus.

Auf welche konkreten Fakten für eine bestimmte Haltung Bezug genommen wird und wie diese Fakten bewertet werden, ist bereits von jener optimistischen Haltung abhängig, die von diesen Fakten gestützt werden soll.

a.a.O., S. 16

Der Optimismus der Haltung konkretisiert, so von Sass, die modal verstandene Hoffnung. Was es meinen kann, das Leben in Hoffnung zu vollziehen, wird von einer optimistischen Haltung erläutert.

Wenn Hoffnung als Qualifizierung des Lebensvollzugs verstanden wird, wobei Optimismus eine ihrer Konkretionen ist, und wenn der Optimismus dafür sorgt, Werte und Kriterien einfließen zu lassen, um zu einer positiven Einschätzung zu gelangen, die sich aus den künftigen Umständen, auf die sich diese optimistische Hoffnung richtet, nicht einfach ergeben – wenn also beides gilt, dann geht die modal verstandene Hoffnung dem einzelnen Akt des Hoffens, dass x der Fall sei, logisch voran.

a.a.O., S. 18

Der Optimist setzt die Werte, die seine Haltung begründen, erst seinerseits in die Welt.

In diesem Sinne hoffnungsvoll zu leben, das scheint mir die Haltung zu sein, die angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen die letzte Gelegenheit verpassen, die Erderwärmung aufzuhalten, angemessen ist. Mich erinnert die modale Hoffnung an Jonathan Franzen, der in seinem umstrittenen Aufsatz für den New Yorker – ich hatte in einem früheren Blog-Beitrag darüber geschrieben – für eine andere Hoffnung plädiert hat. Bei ihm ist der Zweifel an der Lösung der Klimakrise die treibende Kraft für eine ethische Entscheidung, die jeder Mensch zu treffen habe. Wir können den Planeten respektieren und uns um die Menschen kümmern, mit denen wir ihn teilen, ohne daran zu glauben, dass uns diese Haltung retten werde.

Bei von Sass sind diese Annahmen über die Zukunft Kontrafakten. Wir können sie noch nicht kennen. Die Klimakatastrophe ist noch kein Faktum. Wir kennen aber die erdrückenden Fakten, die eine hohe Wahrscheinlichkeit der Klimakatastrophe nahelegen. Wir kennen aber auch die Fakten, die dafür sprechen, dass das 1,5°-Ziel noch erreicht werden könnte. Aus einer optimistischen Haltung heraus kommen wir zu einer anderen Abwägung der Tatsachen und der zukünftig möglichen Fakten, weil wir andere Werte und Kriterien zugrundelegen, die die Kluft zwischen Fakten und Kontrafakten füllen. „Der Optimist ist hier nicht weniger realistisch, als es die Vertreter der Gegenposition sind“, betont von Sass. Wenn wir aus einer optimistischen Haltung heraus hoffnungsvoll leben, dann stelle ich mir das so vor, wie es Franzen beschrieben hat. Auch bei ihm ist es ein hoffnungsvolles Leben, das die Werte, die Hoffnung begründen könnten, erst erzeugt. Mehr im Lokalen handeln. Erhalten, was uns wichtig ist, eine Gemeinschaft, eine Institution, ein Stück Natur, eine bedrohte Tier- oder Pflanzenart. Wichtig sind solche Handlungen nicht, um sich vor einer heissen Zukunft schützen, sondern weil sie heute gut sind.

Manifeste (15): Fork in the Road – The Manifesto [Febr. 2021]

Drei „Futuristen“, David Houle, Gerd Leonhard und Glen Hiemstra, suchen den Weg über ein Manifest, um ihrer Sorge über die Zukunftsfähigkeit der Menschheit Nachdruck zu verleihen. Sie sehen die Menschheit an einem kritischen Punkt ihrer Geschichte angekommen.

… die Entscheidungen, die die Menschheit in den nächsten10 Jahren kollektiv treffen wird, werden bestimmen, ob sich unsere Zukunft brilliant und wohlhabend gestalten wird, oder ob sie zu Elend und vielleicht letztendlich sogar zu unserem Untergang als Spezies führen wird.

Buckminster Fuller ist ihnen der Stichwortgeber. „Fork in the Road“ hat er schon 1969 diesen historischen Moment genannt, an dem sich erweisen wird, ob sich „die Menschheit für den Fortbestand im Universum qualifiziert oder nicht.“ Und so nennen sie ihr gemeinsames Projekt.

R. Buckminster Fuller (Quelle: Wikipedia – CC BY 3.0)

Vier übergreifende Themen identifizieren die drei Autoren.

  • Bewältigung der Klimakrise, damit die Menschen sowie alles Leben auf der Erde weiterhin gedeihen können
  • Die Gestaltung neuer wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen, die auf nachhaltigen Prinzipien wie „People, Planet, Purpose & Prosperity“ basieren
  • Die Steuerung des exponentiellen wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts
  • Die Regulierung von Human Enhancement, Langlebigkeit und Human-Genom-Editierung, damit nicht nur der Fortschritt weitergeht, sondern auch die Konsequenzen sorgfältig bedacht werden

Als größtes Hindernis auf dem Weg in eine gute Zukunft erkennen die Autoren die verbreitete Vermeidungshaltung, mit der Menschen gewohnt sind, auf Krisen, wie auch jetzt in der Corona-Pandemie, zu reagieren. Neben dem Klimawandel sehen sie auch die Bedrohung durch die Künstliche Intelligenz, die nur aus einer Annäherungshaltung und einem Gestaltungswillen heraus zu bewältigen sein wird.

Anstatt stillschweigend unserer scheinbar unausweichlichen Zukunft zuzustimmen, müssen wir aktiv unsere bevorzugte Zukunft gestalten.

Die Autoren wollen ihren Zugang zu Entscheidungsträgern nutzen, um diese zu beeinflussen. Sie verpflichten sich wechselseitig, in diesem Sinne zu agieren.

Das Manifest betont die Dringlichkeit der Situation. In den Konsequenzen bleibt es jedoch oberflächlich. Es verlässt sich auf Schlagwörter, wie z.B. die 4P, die vielleicht interessant klingen, aber auch leicht zu konsumieren sind, ohne in eine Aktion zu wechseln. Ob das dazu beiträgt, Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik vom Umsteuern zu überzeugen?

Man muss schon genau hineinlesen, um die Relevanz zu erkennen. Schauen wir uns dazu die beiden ersten Kernsätze genauer an.

Im ersten ihrer vier Kernsätze, der Bewältigung der Klimakrise, beziehen sie sich nicht mehr auf den Menschen im Universum, wie es Fuller noch getan hat, sondern auf den Menschen und alles Leben auf der Erde. Damit ist ein wichitger Blickwechsel hin zur „Kritischen Zone“ verbunden, die allein Leben durch Leben ermöglicht.

Die plakativen 4 P im zweiten Kernsatz – People, Planet, Purpose, Prosperity – werden häufig im Rahmen der von den UN beschlossenen Nachhaltigkeitsziele (SDG) verwendet. Die drei ursprünglichen P – People, Planet, Prosperity – wurden hier um zwei weitere Themen ergänzt: Peace und Partnerships. Sie dienen der Fokussierung auf die Sphären, in denen sich die Wirkung zeigen soll, um den Fortschritt bei der Realisierung der 17 SDG zu messen. Wie sensibel der Umgang mit solchen Schlagwörtern ist, zeigt ein Kommentar von John Elkington, der die 3P vor einem Vierteljahrhundert proklamiert hatte. Er versteht seinen Kommentar als „Rückrufaktion“, weil die drei Begriffe nur als Messwerkzeug verstanden wurden. Sie sollten jedoch Organisationen ermuntern, ökonomische (nicht nur finanzielle), soziale und ökologische Wertsteigerung oder -vernichtung nachzuverfolgen und zu steuern. Stattdessen sei es nur als Werkzeug zur Rechnungslegung verstanden worden. Elkington wörtlich:

But the TBL wasn’t designed to be just an accounting tool. It was supposed to provoke deeper thinking about capitalism and its future, but many early adopters understood the concept as a balancing act, adopting a trade-off mentality.

Die Triple Bottom Line (TBL), wie das Dreier-Modell auch genannt wird, habe eine solche Flut an Abrechnungssystemen ausgelöst, dass die Vielfalt leicht als Alibi für Untätigkeit herhalten könne. Noch schlimmer,

…, we have conspicuously failed to benchmark progress across these options, on the basis of their real-world impact and performance.

Jährlich würden solche Berichte zu Tausenden produziert, obwohl völlig unklar sei, wie die Daten ausgewertet werden müssen, damit sie Entscheidungsträgern helfen, die Wirkungen des Unternehmens zu verfolgen und zu gestalten. Der Paradigmenwechsel von der Single Bottom Line zur Triple Bottom Line ist gescheitert, meint Elkington. Der Impuls in Richtung einer Transformation des Kapitalismus ist ausgeblieben.

Soviel zum Hintergrund des zweiten Kernsatzes des Manifests. Es kann als Aufruf verstanden werden, einen neuen Anlauf zu nehmen, die einseitige Rechnungslegung in der Wirtschaft zu überwinden und einen Kapitalismus anzustreben, der der Regeneration von Wirtschaft, Gesellschaft und Biosphäre dient.


Mehr dazu

Was gute Führung ausmacht (20): Transformatives Unternehmertum als Zukunftskunst

Sensoren (20): Critical Zones


Sensoren (23): Vom „homo oeconomicus“ zum „homo socialis“

Klimawandel, Artensterben, Umweltzerstörung, Populismus, Digitalisierung und nun die Coronakrise – angesichts der Ballung sich überlagernder und wechselseitig verstärkender Krisenerscheinungen wird die Frage drängend, wie ein grundlegender Wandel unseres Zusammenlebens möglich ist. Und wie können digitale Werkzeuge dabei helfen, ein grundlegend anderes Miteinander zu finden?

Vor einiger Zeit habe ich hier über die Neuerfindung der digitalen Gesellschaft geschrieben. Der Physiker und Soziologe Dirk Helbing ist für meine Beschäftigung mit der Frage, wie man die demokratische Verfassung des Gemeinwesens in einer digitalen und zugleich nachhaltigen Welt neu denken kann, gewissermaßen ein Leitstern. Nun hat er seine Überlegungen zu einem Konzept für Wirtschaft und Finanzen der nächsten Gesellschaft ausgearbeitet.

Finance 4.0 enables the emergence of self-organizing, multi-dimensional, community-driven and token-based incentive systems for any positive sustainable action a community wants to promote – in a democratic way.

In einem Beitrag für Deutschlandfunk Kultur hat Helbing die Idee des sozialen Finanzsystems bereits 2017 vorgestellt.

Die Grundidee

„Sie können Geld verdienen, indem Sie Umwelt und Gesellschaft etwas Gutes tun. Sie bekämen Guthaben auf diverse digitale Konten ausbezahlt, wenn Sie eine Mitfahrgelegenheit mit dem Auto anbieten oder wenn Sie sich um Hilfsbedürftige kümmern.“

Das ist die Grundidee des sozialen Finanzsystems. Das System belohnt umweltfreundliches Verhalten, sozial verantwortliche Produktion, Recycling von Ressourcen, Sharing u.a. Geld dient nicht mehr allein dazu, Gewinne zu maximieren. Es dient als Informationsträger, um positive Wirkungen unseres Verhaltens in ganz unterschiedlichen Bereichen zu maximieren. Das Projekt versucht, den Mangel an Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftssystems durch eine Kombination von Blockchain, Internet of Things (IoT) und Komplexitätswissenschaft zu beheben. Positive Externalitäten (z.B. Infrastrukturen) fördern, negative (z.B. Umweltschäden) unterbinden – so die Vision. Ein verteiltes Anreizsystem belohnt, was der lokalen Community etwas Wert ist, z.B. Bäume pflanzen oder Rad statt Auto fahren. Belohnungen können symbolisch sein, Zugang zu einer Dienstleistung ermöglichen oder monetär sein.

„Wichtigste Grundlage sind präzise Daten über unsere Umwelt, die durch Sensoren gesammelt werden. Ob in Smartphones oder anderswo: Die Messtechnik der Zukunft wird negative Auswirkungen des Wirtschaftens wie Lärm, Stress, Emissionen oder Abfall genauso registrieren wie positive, etwa Kooperation, Fortbildung oder das Recycling von Abfällen.“

Eine Kreislaufwirtschaft entstehen lassen

Fin4 wäre so etwas wie das demokratische Gegenstück zum „Citizen Score“, dem Überwachungssystem in China und auch zur automatisierten Gesellschaft, wie sie z.B. Google vorschwebt.

„… seit 1972 ist bekannt, dass die Ressourcen der Welt nicht mehr lange reichen werden, um die Bedürfnisse der Weltbevölkerung zu befriedigen. Um die erwartbare Versorgungskrise zu managen, wird die Überwachung von Menschen und Ressourcen schon seit geraumer Zeit immer mehr ausgebaut. Big Data – also die massenhafte Datensammlung – soll Grundlage für das zentralisierte Management knapper Ressourcen werden. De facto wäre dies jedoch eine Art digitaler Planwirtschaft.“

Positiven und negariven Auswirkungen unseres Wirtschaftens ließe sich ein Preis zuordnen. Damit würde ein grundlegender Mangel der bisher praktizierten Marktlogik unseres Wirtschaftssystems behoben. Zugleich könnten sich die Bürger in die kollektiven Entscheidungsprozessen unmittelbar einbringen. Fin4 setzt vorrangig auf positive Aktion, weniger auf Sanktion. Gutscheine für positives Verhalten erhalten die Motivation leichter aufrecht als Sanktionen für negatives Verhalten, so die Annahme hinter dem Konzept. Unsere Werte sind oft abgeschnitten von unseren Alltagsentscheidungen. Mit einem verteilten Anreizsystem können Gemeinschaften belohnen, was ihnen wertvoll ist. In der Kombination der Erlöse für positive Auswirkungen und der Kosten für negative Auswirkungen entstünde eine Kreislaufwirtschaft quasi wie von selbst.

Wie kann Missbrauch unterbunden werden?

Mit der Blockchain-Technologie lassen sich die Daten dezentral verwalten. Durch Kombination mehrerer Nachweise kann Missbrauch, z.B. durch Fälschungen, unterbunden werden. Es gibt drei Wege, positives Verhalten nachzuweisen: Sensornachweis, sozialer Nachweis oder Nachweis durch Daten von Dritten. Diese Prüfinstanzen (Sensor, Community, Dritte) lassen sich kombinieren, so dass Fälschungen erkannt und vermieden werden können, bevor honoriertes Verhalten in der Blockchain dokumentiert wird.

Für Sensornachweise sind Sicherheitsvorkehrungen in Hard- oder Software nötig, für soziale Nachweise ist ein zusätzlicher Anreiz nötig, um andere zum Bewerten zu motivieren. Ein Problem ist die Zeitverzögerung zwischen Aktion und Konsequenz. Ein Beispiel: Menschen haben 2 Jahrhunderte geheizt und 1 Jahrhundert Autos gefahren, bis sie erkannt haben, dass das CO2 Schäden verursacht. Die Zeitverzögerung erzeugt eine kognitive Dissonanz. Zwischen Aktion und Konsequenz sollte deshalb der kürzestmögliche Zeitraum liegen.

Ein weiterer wesentlicher Baustein des neuen Finanzsystems ist ein mehrdimensionales System von Kryptowährungen auf verschiedenen Ebenen, mit verschiedenen Merkmalen, für verschiedene Zwecke. Diese leiten sich aus den Werten der Nachhaltigkeitsagenda ab. Die Gutschein- oder Token-Ökonomie entsteht langsam, so wie Gemeinschaften Gutscheine schöpfen und einsetzen. Eine Governance-Schicht stellt den Rahmen bereit, der dafür sorgt, dass sich diese Form der Ökonomie gedeihlich entwickelt. Spam-Nachweise werden dadurch verhindert, dass jeder einen Nachweis kreieren kann, dieser aber erst nach Zustimmung einer Mehrheit der Gemeinschaft ein offizieller Fin4-Nachweis wird.

Reputationsnachweise schaffen Vertrauen in der Gemeinschaft. Die Reputation sollte die Aktivität und nicht den Besitz von Nachweisen spiegeln. Solche Nachweise könnte es z.B. für alle Aktionen geben, die das Fin4-System insgesamt stärken. Nutzer können Reputationsnachweise auch verlieren. Eine Identität wird nur benötigt, wenn jemand an der Governance von Fin4 mitarbeiten will. Die Identität im Sinne einer persönlichen Souveränität wächst mit der Zeit durch die Ansammlung von Reputationsnachweisen. Token können auch getauscht und zu anderen Blockchains mitgenommen werden.

Auf dem Weg zum homo socialis

Die Hoffnung, die aus diesem Konzept erwächst, kommt nicht daher, dass sich der Mensch plötzlich vom homo oeconomicus zum homo socialis, also vom Egoisten zum Altruisten, wandelt. Mit der digitalen Technologie, die uns heute zur Verfügung steht, können wir aber Bedingungen schaffen, die soziale Kooperation fördern und Egoismus eindämmen. Die Corona-Krise fordert uns diesbezüglich täglich heraus. Es gelingt uns bisher nur mäßig, die Digialisierung für den guten Zweck zu nutzen. Zur Bewältigung der Klimakrise wird uns nichts anderes übrig bleiben, als Strukturen zu entwerfen und aufzubauen, die Anreize schaffen, egoistisches durch soziales Verhalten zu ersetzen.

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