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Der Junge aus Myanmar – Storytelling im Journalismus

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Wen die Kontextvergessenheit im Journalismus beschäftigt, möge dieses Video anschauen. Natalia Antelava erzählt von ihrer Begegnung mit Zio Zu, einem Jungen aus Myanmar, und was sie daraus für den Journalismus gelernt hat.

 

The thing is, give it a few years and there won’t be any distinction between digital journalism an non-digital journalism. There will be just journalism. And I’m convinced it will be better than anything that we had before. Already, the new measure of success for websites is not the number of clicks that you get on them, but the amount of time people stay on them. We want our audiences to be engaged. … We need to engage with stories that we cover better. We need to stay on stories.*

*Zitat im Video ab 14’40“.

Written by Östermann

2. April 2017 at 15:25

Veröffentlicht in Medien

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Von der digitalen zur „redaktionellen“ Gesellschaft – Bernhard Pörksen

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Hass-Tiraden im Netz haben eine extremes Ausmaß amgenommen. In einem Interview von Deutschlandradio Kultur mit dem Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen geht es um mögliche Antworten auf diese Herausforderung für die Gesellschaft.

Solche Aufschaukelungseffekte sind neue Phänomene im Netz, auf die viele Bürger und die traditionellen Medien zunächst ratlos reagieren. Wir haben hier ein gravierendes Beispiel für die Herausforderung, die uns das Netz beschert. Peter Kruse hatte es immer wieder auf den Punkt gebracht:

Wir sind am Anfang eines kulturell-subversiven Prozesses, der uns die nächsten Jahrzehnte beschäftigen wird.

Das Interview mit Bernhard Pörksen bietet einen kleinen Einblick, wie die Gesellschaft anfängt zu lernen, mit solchen Phänomenen umzugehen.

Es sei festzuhalten, so Pörksen, dass nach Umfragen 77% der Menschen im Netz einen starken Anstieg der Hass-Beiträge und -Kommentare festgestellt haben. Das Problem werde wahrgenommen. Die Sensibilisierung in der Gesellschaft sei positiv zu werten. Es gebe erste Gegenbewegungen, wie z.B. die No-Hatespeech-Bewegung. Die Task Force des BMJV gegen Hasskommentare habe hingegen relativ wenig Wirkung gezeigt.

Gesetze könnten wohl helfen, weil sie Anzeigen gegen Facebook-Manager ermöglichten. Rassistische Hetze auf Facebook kann strafrechtliche Folgen haben.

Aber wichtig ist ganz gewiss auch eine Sensibilität, eine Counterspeech, ein Stellung-Beziehen, ein Dagegen-Argumentieren. Da sind die ganz unterschiedlichsten Akteure gefordert.

Auch die Bild-Aktion, Hass-Kommentare mit vollem Namen zu veröffentlichen, sei keine akzeptable Möglichkeit, meint Pörksen. Der Pranger sei ein Ausdruck der Resignation und trage eher zur Eskalation bei.

Wie aber könnte eine wirksame Counterspeech aussehen? Deutschlandradio Kultur hütet sich vor der illusionären Hoffnung auf schnelle gesellschaftliche Lernerfolge und lädt den Interviewpartner und die Hörer ein, sich in das Jahr 2030 zu versetzen. Jenseits konkreter Sofortmaßnahmen kann Pörksen eine Vision anbieten:  die „redaktionelle Gesellschaft“, in der jedermann Journalist ist. Der Begriff geht auf den Journalismus-Forscher John Hartley zurück, der ihn schon im Jahr 2000 geprägt hat.

Dahinter steckt ein noch unverstandener Bildungsauftrag. Wie kommt man von einer digitalen Gesellschaft zu einer redaktionellen Gesellschaft, in der sich jeder Fragen stellt, die früher nur Journalistinnen und Journalisten vorbehalten war. Was ist relevante glaubwürdige Information? Was verdient es, öffentlich gemacht zu werden? Was sollte lieber nicht öffentlich werden? Heute sollte sich diese Fragen jeder stellen.

Pörksen plädiert für eine Ausweitung der Verantwortungszone.
In einer idealtypischen Gesellschaft findet vor jedem Posting ein Nachdenken darüber statt: Stimmt es, was hier gesagt wird? Ist es sinnvoll, was hier gesagt wird? Und sollte man es veröffentlichen oder sollte man es eher weglassen? Diese Form des Nachdenkens: Wie steuere ich Informationsflüsse? Wie beteilige ich mich an Informationsflüssen? Die ist in einer idealen Gesellschaft jedem aufgegeben.
Zu diesen Akteuren gehörten nicht nur die Einzelnen, sondern auch die Plattformen, die wie das Beispiel Facebook zeige, sich ihrer redaktionellen Verantwortung entziehen.
Deutschlandradio Kultur und Pörksen haben sich für 2030 verabredet, um dann zu schauen, was aus der Idee geworden ist.

Written by Östermann

5. März 2016 at 16:35

Was gute Führung ausmacht (11): Von Journalisten lernen | Constructive News

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Mehr Nachrichten, die Lösungen aufzeigen. Das ist – kurz gefasst – die Botschaft, mit der Ulrik Haagerup, News-Chef beim Dänischen Rundfunk (DR), seit einiger Zeit für Aufmerksamkeit in der Medienwelt sorgt.

Klar, dass ein solcher Ansatz leicht missverstanden werden kann. Sollen Journalisten schlechte Nachrichten durch Schön-Wetter-Nachrichten ersetzen? Ist es nicht geradezu die Aufgabe von Journalisten, die Probleme der Welt aufzuzeigen? Redet hier jemand gar der Trivialisierung und Boulevardisierung das Wort?

Stefan Niggemeier, Journalist und renommierter Medienbeobachter, hat sich in der FAS, nachzulesen bei bei FAZ.net, ausführlich mit dieser Form des Positiv-Journalismus auseinandersetzt.

Das ist natürlich eine Berufskrankheit von Journalisten: immer nach dem Fehler im Bild zu suchen, nach der schlechten Nachricht, die die euphorische Pressemitteilung verschweigt, nach dem Krach hinter den Kulissen, vor denen Harmonie gespielt wird.

Haagerup setzt genau hier an und möchte die Journalisten von ihrer Berufskrankheit kurieren.

Dazu blickt er nicht nur auf Themenpläne, Ressorts und Schlagzeilen, sondern betrachtet auch die Organisation, die Kultur und den Führungsstil in den Redaktionen. Vor allem dann wird es interessant, wenn der Journalist und Selfmade-Führungsexperte zusammenfasst, welche Erkenntnisse und Schlüsse er aus der Lektüre bekannter Motivationspsychologen wie Daniel Goleman („Emotionale Intelligenz“), Frank J. Barrett („Appreciative Inquiry“) und Barbara Frederickson („Positivity“) gewonnen hat. Mit einfachen Worten beschreibt er, wie eine Führungskraft die „Griesgrämigkeit als Selbstzweck“, die er in vielen Redaktionen ausgemacht hat, bekämpfen kann. Gefragt sind „konstruktive Chefinnen und Chefs“, die authentisch, offen und begeisterungsfähig sind, eine positive Einstellung haben und auch mit Personen gut zusammenarbeiten, die ganz anders sind als sie. Und das gilt beileibe nicht nur für die Medienbranche.

Das hält Lars-Peter Linke, Unternehmensberater und früher selber Journalist, in dem Beitrag Gute Nachrichten: Wie Führungskräfte von Journalisten lernen können für den Blog des Hernstein-Instituts fest. Er erkennt Lernchancen auch für Führungskräfte in ganz anderen Branchen. Besonders hervorzuheben:

Etablieren Sie eine Kommunikationskultur, die in Präsentationen, Statusberichten etc. nichts beschönt und nichts verschweigt – und dennoch immer auch einen bestimmten Anteil an Zeit und Aufmerksamkeit für Ideen und Lösungsansätze reserviert.

Bei Haagerup selbst klingen die Grundsätze guter Führung vermeintlich ganz einfach:

Man solle zum einen die Menschen mögen und brauche zum anderen das Geschick, zwei Dinge zu kommunizieren: Was ist am Neuen besser als am Alten? Die Vision. Wie kommen wir gemeinsam von A nach B? Die Strategie.

Nach einer differenzierten Kritik an Beispielen aus der Praxis des konstruktiven Journalismus – sie reichen von der ZEIT über die taz bis zur Huffington Post, und natürlich kann DR selbst mit gelungenen Beispielen aufwarten –  kommt übrigens auch Niggemeier zu einem positiven Schluss. Haagerups Ansatz des „Constructive Journalism“ sei ein guter Anlass,

die täglichen Nachrichtenroutinen zu hinterfragen, blinde Flecken zu erkennen und neue Perspektiven zu suchen. Es geht darum, destruktive Mechanismen der Inszenierung und Dramatisierung von Ereignissen und Entwicklungen zu bekämpfen. Mechanismen, die nicht nur der öffentlichen Debatte schaden, sondern womöglich auch den Medien selbst.

Written by Östermann

16. Dezember 2015 at 19:00

Algorithmen gefährden die gemeinsame Agenda der Gesellschaft – Interview mit Christoph Neuberger

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In einem Interview der 3sat-Sendung Kulturzeit wies der Medienwissenschaftler Christoph Neuberger kürzlich auf die Gefahren hin, die durch die personalisierte Vorauswahl der Informationen auf Facebook und anderen Social Media entstehen.

Für den Journalismus bedeutet dies, dass er

eine ganz breite Palette an Informationen bereitstellen muss, damit wirklich zielgenau und passgenau Informationen zusammengestellt werden können.

Redaktionen, die selbständig eine Auswahl nach Nachrichtenwert treffen, seien deshalb unverzichtbar. Eine Auswahl, die uns

auf eine gemeinsame Agenda hin orientiert. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe, damit die Gesellschaft nicht zerfällt, wir nicht viele Informationsblasen haben, sich kleine Zirkel absondern, isolieren. Das ist eine Sorge, die schon länger diskutiert wird, dass es gar nicht zum politischen Streit kommt, weil sich alle Meinungslager abschotten, weil man sich natürlich lieber bestätigen lässt von anderen, als sich mit anderen auseinander zu setzen. Da hat der Journalismus nach wir vor eine ganz wichtige Aufgabe für die Integration der Gesellschaft. Man hat früher vom Lagerfeuer gesprochen, das das Fernsehen dargestellt hat. Als sich die Nation vor dem Fernseher versammelt hat. Da hat man nicht nur politische Informationen bekommen, sondern gemeinsamen Gesprächsstoff gehabt, hat eine gemeinsame Wissensgrundlage gehabt. Und das sollte auch in der digitalen Welt nicht verloren gehen.

Anlass für das Interview am 22. September 2015 war das neue  Nachrichtenportal Upday von Axel Springer und Samsung, das als wegweisend eingeschätzt wird. Upday kombiniert redaktionell aufbereitete und personalisiert gefilterte Inhalte.

Zum Thema Filterblase siehe auch Internet: Personalisierung – die neuen Gate-Keeper erzeugen gefährliche #Filter-Blasen

 

Written by Östermann

5. Dezember 2015 at 14:21

Content vs. Channel: Aufhören, vom Kanal her zu denken – Story Circle – #socialmedia

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In der Social-Media-Welt wächst die Einsicht, dass nicht mehr der Kanal Ausgangspunkt einer medialen Inszenierung sein kann. Das passgenaue Zusammenspiel der Elemente einer Botschaft bestimmt letztlich ihre Wirkung. An dessen Anfang steht die Story. Darauf weist der Social-Media-Berater Mirko Lange in einem interessanten Blog-Beitrag hin.

Der Story Circle, den er vorstellt, zeigt anschaulich, aus welcher Vielfalt an Variablen mediale Inszenierungen heute schöpfen können.

Mit diesem Vorgehen können Sie auch die schöne (aber völlig widersinnige) Idee von der “Reduktion der Kanäle” auf den Müll schmeißen. Das höre ich immer wieder. Das ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall! Sie müssen nicht über weniger, sie müssen über mehr Kanäle kommunizieren. Zumindest dann, wenn es die Formate hergeben. Das Problem an der Kanaldenke ist, dass man für jeden einzelnen Kanal eigenen Content entwickeln will. Und muss – natürlich, wenn man vom Kanal her denkt. Wenn Sie aber vom Content her denken, dann entwickeln sie zuerst den Content – und wenn sie ihn schon mal haben, was spricht denn dagegen, wenn sie ihn über jeden möglichen Kanal verteilen. Ihnen muss doch geradezu daran gelegen sein.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Oder vielleicht doch, um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass jeder Content 1:1 zu allen Kanälen passt. Die Social-Media-Plattformen bilden ihre eigenen Kulturen heraus. Facebook tickt nunmal anders als Twitter oder Google+. Die Eigenheiten der Kanäle sollte man schon kennen, auch wenn die Story im Mittelpunkt steht.

via wyrschpartner.wordpress.com

Written by Östermann

21. Dezember 2013 at 10:49

Internet: Personalisierung – die neuen Gate-Keeper erzeugen gefährliche #Filter-Blasen

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Wir stecken alle in unserer persönlichen Filterblase fest, meint Eli Pariser. Er weist bei TED eindrucksvoll auf die fatalen Folgen der Personalisierung  hin. Facebook, Google & Co. bestimmen unsere Informationsfilter. In der Sendergesellschaft gab es Gatekeeper. Menschen, die Informationen für uns ausgewählt hatten. Das Versprechen des Internets war, dass wir diese Begrenzung überwinden könnten und unsere Filter selber bestimmen können. Jetzt stellen wir fest, so Eli Pariser, dass die Maschinen mit ihren undurchsichtigen Algorithmen Informationen für uns kuratieren und jeden in seine persönliche Filterblase einlullen. Der Traum vom offenen Informationszugang sei gefährdet.

Written by Östermann

15. Dezember 2013 at 14:13

Wo Menschen auf Informationen treffen, ist Journalismus – NetzLloyd als Beispiel einer zeitgemäßen Selbstbeschreibung

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Eine junge „Agentur für modernen Journalismus“ mit dem Namen NetzLloyd hat ihr Selbstverständnis in Worte gefasst:

Moderner Journalismus findet immer dort statt, wo Menschen auf Informationen treffen – sowohl in seiner Entstehung als auch in seiner Wahrnehmung.

Er ist frei in seiner Form und in seinen Darstellungsmitteln.
Er trägt der Tatsache Rechnung, dass sich Menschen über Themen (spontan) vernetzten.
Er initiiert und unterstützt diese sich immer neue bildenden Netzwerke durch das Hervorbringen neuer Informationen, durch Darstellen und Kuratieren von Daten und Wissen und durch Interaktion.
Moderner Journalismus nutzt alle vorhandenen technischen Möglichkeiten, alle Mittel zur Automatisierung und Datenverarbeitung und ist zugleich den traditionellen Regeln des Journalismus verpflichtet.
Aufgrund seiner Vielfältigkeit kann moderner Journalismus nur in Netzwerk basierten Organisationen entstehen.

Anspruchsvoll und zukunftsweisend. Spannend!

Written by Östermann

2. Februar 2013 at 12:17

Veröffentlicht in Innovation, Medien, Web 2.0

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