Östermanns Blog

Medienwandel, Strategie, Unternehmensführung im Wandel, Komplexität, nächste Gesellschaft

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Manifeste (5): The Onlife Manifesto

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This Manifesto is only a beginning …

Mit dem Onlife Manifesto haben 15 Wissenschaftlerinnen und Experten unter dem Vorsitz von Luciano Floridi, Professor für Philosophie und Informationsethik in Oxford,  im Auftrag der EU-Kommission von 2012 bis 2014 versucht, die Anforderungen an einen Umgang mit der Technologie (ICT) in Einklang mit dem Menschen auf den Punkt zu bringen.

Sie behalten dabei die hohe Dynamik der technologischen Entwicklung im Blick. Ihnen geht es um gemeinsame Reflexion auf dem Weg in die hypervernetzte Welt. Ähnlich wie andere Manifeste will auch dieses Manifest aufrütteln und einen Auftakt setzen. Das Besondere an diesem Manifest ist jedoch, dass es wissenschaftlich fundiert und strukturiert an die Aufgabe herangeht und damit zu einer schlüssigen Argumentation kommt. Dem Onlife Manifest geht es um die Auseinandersetzung mit den Bezugsrahmen der Gesellschaft, in denen Politik bestimmt wird.

Die Autoren nehmen an, dass ICT nicht mehr nur als Werkzeuge zu sehen sind, sondern als Umweltfaktoren auf unser Selbstbild (who we are), unsere Interaktionen (how we socialise), unsere Wirklichkeitsvorstellung (our metaphysics) und unsere Interaktionen mit der Wirklichkeit (our agency) einwirken.

Der Begriff „Onlife“ soll andeuten, dass es in der Erfahrung der hypervernetzten Welt nicht mehr sinnvoll ist, sich zu fragen, ob man online oder offline ist.

Im Fokus des Manifests steht die Moderne mit ihrer Haltung, die seit langer Zeit und bis heute durch Phantasien der Allmacht und Allwissens geprägt ist. Diese Haltung hat die technischen Errungenschaften ermöglicht, die jetzt einen Stand erreicht haben, in der sich die Verhältnisse in ihr Gegenteil verkehren.

In the onlife-world, artefacts have ceased to be mere machines simply operating according to human instructions. They can change states in autonomous ways and can do so by digging into the exponentially growing wealth of data, made increasingly available, accessible and processable by fast-developing and ever more pervasive ICTs. Data are recorded, stored, computed and fed back in all forms of machines, applications, and devices in novel ways, creating endless opportunities for adaptive and personalised environments. Filters of many kinds continue to erode the illusion of an objective, unbiased perception of reality, while at the same time they open new spaces for human interactions and new knowledge practices.
Die hohe Komplexität dieser Verhältnisse verlangt nach einer Neubewertung der individuellen und gemeinschaftlichen Verantwortung. Die Autoren zeigen das an den Begriffspaaren von Kontrolle und Komplexität sowie von privat und öffentlich.
Wer die sozialen und technischen Verhältnisse gestalten will, muss lernen, zwischen evolutionären und konstruierten Anteilen der Entwicklung – mit Rückgriff auf Hayek zwischen spontaner (Kosmos) und geplanter Ordnung (Taxis) – zu unterscheiden.
Therefore, interventions from different agents in these emerging socio-technical systems require learning to distinguish what is to be considered as kosmos-like, i.e., as a given environment following its evolutional pattern, and what is to be considered as taxis-like, i.e., within reach of a construction responding effectively to human intentions and/or purposes.
Das Internet erweitert den öffentlichen Raum immens, auch da, wo es von privaten Unternehmen betrieben wird. Neue Formen der Gemeinschaft zwischen privatem und öffentlichem Raum bilden sich heraus.
The notions of fragmented publics, of third spaces, and of commons, and the increased focus on use at the expense of ownership all challenge our current understanding of the public-private distinction.
Gleichwohl sei die Unterscheidung von privat und öffentlich wichtiger denn je. Auch wenn dem Öffentlichen gerne Pflicht und Kontrolle, dem Privaten dagegen Freiheit zugeschrieben werde, sei das Private mit Schwächen verbunden, während das Öffentliche wesentlich zu einem guten Leben beitrage.
We believe that everybody needs both shelter from the public gaze and exposure. The public sphere should foster a range of interactions and engagements that incorporate an empowering opacity of the self, the need for self-expression, the performance of identity, the chance to reinvent oneself, as well as the generosity of deliberate forgetfulness.

Aus diesen Unterscheidungen leiten die Autoren des Manifests drei Anforderungen an die politische Gestaltung der digital vernetzten Welt ab.

Der Schutz des verbundenen, freien Selbst

Vor dem Hintergrund der entfesselten technologischen Entwicklung und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen fällt den öffentlichen Dienstleistungen eine neue Aufgabe zu: der Schutz des relationalen Selbst in seiner Interaktion mit anderen, mit technologischen Gegenständen und der Natur. Dieses Manifest geht damit – so mein Eindruck – über das informationelle Selbstbestimmungsrecht deutlich hinaus. Hier scheint eine neuartige Infrastrukturleistung der öffentlichen Hand auf.
We believe that it is time to affirm, in political terms, that our selves are both free and social, i.e., that freedom does not occur in a vacuum, but in a space of affordances and constraints: together with freedom, our selves derive from and aspire to relationships and interactions with other selves, technological artefacts, and the rest of nature.
Die Interaktion zwischen freien Individuen ist nach diesem Verständnis grundlegend für ein gutes „Onlife“. Öffentliche Dienstleistungen dienen dazu, die Relationalität und die Interaktion mit anderen zu ermöglichen und aufrecht zu erhalten. Die Offenheit und Unvorhersagbarkeit menschlichen Verhaltens sind in ihrem Kern zu bewahren. Notwendig ist dazu ein politisches Konzept, wie das von Natur aus verbundene, freie Selbst zu schützen und zu fördern ist.

Die digital gebildete Gesellschaft

Das Manifest sucht Wege, wie öffentliche Räume plural gestaltet werden können,
where others cannot be reduced to instruments, and where self-restraint and respect are required.
Andauernde Verantwortung setzt voraus zu erkennen, wie unsere Handlungen, unsere Wahrnehmung, unsere Absichten, unsere Moral und unsere körperliche Beschaffenheit mit der Technik verwoben sind.
The development of a critical relation to technologies should not aim at finding a transcendental place outside these mediations, but rather at an immanent understanding of how technologies shape us as humans, while we humans critically shape technologies.
Für die Herausforderung des reflektierten Handelns im Geiste einer solchen kritischen Betrachtung des Verhältnisses von Technologie und Menschlichkeit hält das Manifest eine Metapher bereit:
Building the raft while swimming.

Der Schutz der knappen Ressource Aufmerksamkeit

Es herrscht immer noch ein enzyklopädischer Bildungsbegriff vor, auch wenn seine Grenzen täglich zu spüren sind. Menschen versuchen, durch erhöhte Anstrengungen weiterhin über die Ansammlung von Wissen auf Vorrat die Kontrolle zu behalten. Die Anstrengungen erweisen sich im Alltag zunehmend als vergeblich. Das manifest setzt deshalb beim Haushalten der individuellen und gemeinschaftlichen Aufmerksamkeit an.
We believe that societies must protect, cherish and nurture humans’ attentional capabilities.
Denn die Aufmerksamkeit ist knapp und kostbar. Die digitale Wirtschaft, so beklagt das Manifest, versucht, Aufmerksamkeit zur Ware, die auf Marktplätzen gehandelt wird, zu machen oder in Arbeitsabläufen zu kanalisieren.
But this instrumental approach to attention neglects the social and political dimensions of it, i.e., the fact that the ability and the right to focus our own attention is a critical and necessary condition for autonomy, responsibility, reflexivity, plurality, engaged presence, and a sense of meaning. Respect for attention should be linked to fundamental rights such as privacy and bodily integrity, as attentional capability is an inherent element of the relational self for the role it plays in the development of language, empathy, and collaboration. We believe that, in addition to offering informed choices, the default settings and other designed aspects of our technologies should respect and protect attentional capabilities.
Mit diesem Recht, über die eigene Aufmerksamkeit jederzeit unabhängig und eigenverantwortlich zu entscheiden, beschreibt das Manifest in gewissem Sinne ein neues Grundrecht für die digitale Welt.
Übrigens war kürzlich in DIE ZEIT ein Beitrag zu lesen über die Utopie einer Gesellschaft, die die Spaltung überwindet. Die Idee: Eine Karte, die die freie Benutzung von Zügen, Bussen und Straßenbahnen, Schulen und Universitäten, Bibliotheken und Theatern erlaubt. Dieses Beispiel zeigt, was gemeint mit öffentlichen Dienstleistungen gemeint sein könnte, die die Interaktion und Relationalität zwischen freien Mitmenschen fördern. Die freie Nutzung öffentlicher Güter könnte – so die These des Autors Mark Schieritz – dazu beitragen, den gesellschaftlichen Dialog und die Kreativität wiederzubeleben.
Die Möglichkeit zur kostenfreien Nutzung der Infrastruktur würde die Republik verändern. Die Deutschen würden experimentierfreudiger, neugieriger – in jeglicher Hinsicht mobiler. Sie würden ihr Land erkunden, Freunde und Verwandte besuchen. Es entstünden Orte, an denen Menschen unterschiedlichster Schichten sich treffen würden: in der Bahn, im Schwimmbad, in den Universitäten. Die Gesellschaft käme wieder mit sich ins Gespräch.
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Vom rastlosen Schwirren zum Verweilen, zur vita contemplativa und zur Muße

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Han Duft der Zeit

Die Zeit duftet nicht mehr, meint Byung-Chul Han in seinem Essay „Duft der Zeit“. Er unterscheidet darin die mythische Zeit, die ruhe, wie ein Bild. Die geschichtliche Zeit habe dagegen die Form einer Linie, die auf ein Ziel zuläuft oder zurast.

Entschwindet der Linie die narrative oder teleologische Spannung, so zerfällt sie zu Punkten, die richtungslos schwirren. … Der Mythos wich ehemals der Geschichte. … Geschichte weicht nun Informationen. Diese … stürzen gleichsam auf uns ein. … Die Informationen duften nicht. (S. 23)

Die Zeit beginnt zu duften, wenn sie eine Dauer gewinnt, wenn sie … an Tiefe und Weite, ja an Raum gewinnt.  Die Zeit verliert den Duft, wenn sie jeder Sinn- oder Tiefenstruktur entkleidet wird, … Die Beschleunigung … ist … eine Folge der haltlos gewordenen, atomisierten Zeit … (S. 24)

Der postmoderne Mensch als animal laborans kenne nur die Pause, aber keine kontemplative Ruhe. In einem Interview mit dem Online-Journal IDLE plädiert Byung-Chul Han für eine andere Zeitpraxis, für eine Revitalisierung der vita contemplativa.

In neoliberalen Systemen wird alles gänzlich ökonomisiert – so auch die Zeit. Im Neoliberalismus wird alles ausgebeutet und zu eigen gemacht. Und natürlich gibt es da nur noch ein Pausieren, jedoch kein Verweilen! Um dies zu können, müsste man die Zeit unterbrechen und verlassen, wodurch erkenntlich wird, dass Verweilen eine andere Zeitpraxis erfordert. Beim Verweilen verfliegt die Zeit nicht, sie wird vielmehr zu einer dehnenden Erfahrung der Dauer.

Er bleibt jedoch skeptisch, ob wir das Verweilen wieder erlernen können.

Das erscheint schwierig. Alles was dem perfiden Produktionsimperativ des Neoliberalismus im Wege steht, wird abgeschafft. Auch die Suchprozesse nach Schwachstellen werden eingebunden – es gibt keine Möglichkeit, sich dem System zu entziehen, da alles vereinnahmt wird. Ich würde sogar weiter gehen in meinen Thesen und behaupten, dass wir nicht einmal mehr Pausieren können. Auch die Freizeit wird totalisierend erfasst. Es herrscht ein allumfassendes, perfides Diktat der Leistung.

Joachim Bauer und Stefan Schmidt sind da optimistischer. Braucht es Muße für Entwicklung, für Kreativität, für Lernen? Mit dieser Frage befassen sich die beiden Wissenschaftler an der Universität Freiburg im Sonderforschungsbereich „Muße. Konzepte, Räume, Figuren“. In einem Interview mit SWR2 Aula erzählen sie, wie sie mit Achtsamkeitstrainings eine neue Zeitpraxis an Schulen ausprobieren. Auch sie gehen von einem Leistungsdruck aus, den wir selbst durch unser Verhalten erzeugen und dem wir uns selbst unterwerfen.

Schmidt: Das Problem mit der Funktionalisierung ist, dass sie zunimmt. […] Die vielen elektronischen Medien machen es möglich, klassische Freiräume, zum Beispiel Wartezeiten an der Supermarktkasse oder auf den Bus oder auch das Reisen, Stück für Stück zu funktionalisieren und zu irgendetwas zu benutzen. Als Konsequenz haben wir eine sich ständig verändernde Welt, die uns dazu verleitet, jede freie Minute zu benutzen, etwas zu erledigen. Ich glaube, das ist nicht gut und das merken auch viele Menschen an zu viel Stress, am Burnout. Man hat die Idee, man könnte immer noch mehr erledigen, aber in Wirklichkeit setzt man seinen Geist in eine erhöhte Eile und bleibt letztendlich Opfer dieser Taktung. Da braucht es ein Innehalten und ein Gewöhnen an Ent-Funktionalisierung, langsameres Tun, eventuell Nichtstun.

Damit sind nicht etwa mehr Unterrichtspausen gemeint. Es geht um ein anderes Zeiterleben. Ent-Funktionalisierung, Entschleunigung, Verlangsamung sind, so Schmidt,

Phänomene, die miteinander zu tun haben, ich würde sie aber nicht gleichsetzen. Wir stehen ja in der Schule erst mal vor der Frage: Wie machen wir das, wie können wir Freiräume zurückerobern? Einfach zu sagen, jetzt tun wir mal nichts, geht nicht. Was wir uns gemeinsam überlegt haben, war: Es gibt das Verfahren der Achtsamkeitspraktik, bei dem die Menschen Meditation und Innehalten und auch Dinge bewusst und mit der Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment zu tun lernen. Und das erzeugt Momente der Ruhe, der Verlangsamung, der Bezogenheit auf die Gegenwart. Stress wird oft davon ausgelöst, dass ich mit meinen Gedanken immer in der Zukunft bin: Was muss ich noch alles tun, was steht alles vor mir? Das ist das, was mich in Unruhe bringt. Und wenn ich hier einfach sitze und mit meinen Gedanken in der Gegenwart bin, entziehe ich mich der Zeitlichkeit schon ein Stück weit. Diese Haltung kann man sehr schön einüben, am besten zunächst in einem stillen Rückzugsraum, das wäre die Meditation. Aber die Idee ist, diese bezogene ruhige Haltung in den Alltag zu übertragen und sie zum Beispiel auf Gegenstände anzuwenden, wenn ich z. B. einen Stift in die Hand nehme, dass ich das genauso fokussiert und aufmerksam tue. Und das ist etwas, was eine Ent-Funktionalisierung bewirkt.

Erste Erfahrungen scheinen in die gewünschte Richtung zu weisen, lassen aber auch die Missverständnisse ahnen, die zu erwarten sind, wenn eine neue Zeitpraxis auf das Leistungsdenken der Schule trifft.

Schmidt: Wir werten gerade Interviews von Schülerinnen des ersten Kurses aus, den wir an einer Schule durchgeführt haben. Eine Schülerin sagte, nachdem sie die Achtsamkeitsübung gemacht hatte, seien ihr die Hausaufgaben nicht mehr so wichtig erschienen.

Das Manuskript des Interviews steht bei SWR2 direkt zum Download bereit.

Written by Östermann

3. Januar 2015 at 16:40

Veröffentlicht in Bildung, Spiritualität

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Unternehmensmodelle im Wandel (4): Netflix, die Freiheit und die Verantwortung

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„Netflix revolutioniert das TV-Geschäft.“ So oder so ähnlich texten die Medien zum Start von Netflix in Deutschland. Aber nicht nur mit ihrem geschäftlichen Erfolg macht Netflix von sich reden. Der Video-Streaming-Dienst glänzt auch mit einer ambitionierten Führungsphilosophie. Bereits 2009 hat Netflix seine Grundsätze unter dem Titel „Freedom & Responsibility“ veröffentlicht. Es geht um Kreativität und Selbstdisziplin, Freiheit und Verantwortung.

 

Beispiel: Team

Netflix vergleicht sich mit einem professionellen Sportteam – und stellt postwendend fest, dass die Metapher gut, aber nicht perfekt passe. Denn Sportteams haben eine feste Zahl an Positionen. Deshalb entsteht Wettbewerb um die freien Positionen. Netflix ist hingegen ein „Corporate Team“.

The more talent we have, the more we can accomplish, so our people assist each other all the time. (Folie 30)

Also kein Platz für „Krabbenkörbe“. Sie erinnern sich: Peter Kruse verwendet die Metapher für ruinösen internen Wettbewerb. Krabbenkörbe brauchen keinen Deckel. Die Krabben ziehen sich beim Versuch, aus dem Korb zu klettern, gegenseitig von der Korbwand.

Beispiel: Freiheit und Verantwortung

Netflix setzt auf verantwortungsbewusste Mitarbeitende, die Freiheit – vielleicht sollte man besser „Freiraum“ oder „Spielraum“ sagen – schätzen. Der Grund: Netflix wendet sich ab von durchkomponierten Prozessen. Denn Prozesse bringen verlockend starke Kurzfrist-Ergebnisse. Doch wenn der Markt sich plötzlich ändert, ist die Organisation unfähig, sich anzupassen. Verantwortungsvolle Mitarbeitende statt klare Prozesse sind die beste Gewähr gegen drohende Pfadabhängigkeit. Gegen das drohende Chaos setzt Netflix auf eine „Talentdichte“, die schneller wächst als die Komplexität (S. 54f).

Klar, es handelt sich um eine relative Freiheit (S. 60). Wer sich auf Netflix und seine Ziele voll und ganz einlässt, kommt in den Genuss der „Freiheit“ in den Grenzen des Systems Netflix. „Act in Netflix’s best interest“. Dieser Satz macht jede Menge Bürokratie überflüssig.

Beispiel: Zusammenarbeit

Netflix setzt auf Kooperation. Ein „straff gekoppelter Monolith“ (S. 90) eignet sich genauso wenig wie „unabhängige Silos“ (S. 91). „Hochgradig abgestimmt, lose gekoppelt“ (S. 92), das ist das Kommunikationsmodell, auf das Netflix setzt.

Weil’s so schön klingt, hier als Zitat, was hinter diesem Modell steckt:

Highly Aligned
– Strategy and goals are clear, specific, broadly understood
– Team interactions focused on strategy and goals, rather than tactics
– Requires large investment in management time to be transparent and articulate and perspective

Loosely Coupled
– Minimal cross-functional meetings except to get aligned on strategy and goals
– Trust between groups on tactics without previewing/aproving each one – so groups can move fast
– Leaders reaching out proactively for ad-hoc coordination and perspective as appropriate
– Occasional post-mortems on tactics necessary to increase alignment

Die Leitsätze klingen attraktiv, durchdacht und ausgewogen. Vielleicht gelingt es den Mitarbeitenden bei Netflix tatsächlich, die anspruchsvollen Grundsätze im Alltag zu leben.

Written by Östermann

3. Oktober 2014 at 12:33

#Freiheit, Haltung und die Vielzahl der Möglichkeiten

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Zur Feier des Tages ein paar unbequeme Gedanken von Heinz von Foerster:

Die Haltung ist eine Wahl (…) und nicht eine Konsequenz. Denn wenn es eine Konsequenz wäre, wäre es eine Notwendigkeit. Ich behaupte aber: Es ist keine Notwendigkeit. Es ist eine Haltung, die wir aus allen möglichen anderen Haltungen auswählen können. Und das ist meine persönliche Haltung, die ich jetzt vorschlage zu akzeptieren. Ist diese Haltung akzeptiert, werde ich sie nicht von etwas anderem ableiten, sondern verwenden, um andere Dinge so zu beleuchten, dass sie auf diese Haltung zurückführbar sind.

Heinz von Foerster/Monika Bröcker: Teil der Welt. Fraktale der Ethik. Heidelberg 2002

Meine Auffassung ist, kurz gesagt, dass die Freiheit immer existiert. In jedem Augenblick kann ich entscheiden, wer ich bin. Und damit dies auch gesehen wird, plädiere ich für eine Form der Erziehung und des Miteinander, die die Sichtbarkeit der Freiheit und die Vielzahl der Möglichkeiten nicht behindert oder verkleinert, sondern unterstützt. „Handle stets so“, lautet mein ethischer Imperativ, „dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“

Heinz von Foerster: In jedem Augenblick kann ich entscheiden, wer ich bin. In: Bernhard Pörksen (Hg.): Abschied vom Absoluten. Heidelberg 2001, S. 40

Beide Zitate zitiert aus der Zeitschrift Lernende Organisation Nr. 11/2003, S. 34ff.

Written by Östermann

18. April 2014 at 15:19

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#Freiheit verborgen – Bea Stachs Remix von Urteilen des Bundesverfassungsgerichts

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Der Bauzaun am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist seit einiger Zeit Ausstellungsort für Werke, die sich mit dem höchsten deutschen Gericht befassen. Bea Stach hat sechs Urteile aus sechs Jahrzehnten dekonstruiert. Sie hat alle Wörter und Satzzeichen dieser Urteile alphabetisch sortiert. Der Zufall wollte es, dass die „Freiheit“ unter einem Baum ganz an den unteren Rand des Bauzauns gerutscht ist. Regen und Spritzwasser haben sie mit der Zeit bis zur Unkenntlichkeit verdeckt. Ein Passant ist auf Spurensuche gegangen.

Written by Östermann

28. Februar 2014 at 18:55

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Serendipity, Zufallsrauschen, Freiheit und Verantwortung

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Wird unser Leben von einem höheren Schicksal gelenkt? Oder vom Zufall? Wie können wir überhaupt verantwortlich sein für das, was uns widerfährt? Detlef Kühn sortiert die Gedanken dazu in einem Radiobeitrag für SWR2 Glauben, auch zum Nachlesen als Sendungsmanuskript verfügbar. 

In dem Film „Serendipity“ ist es die zufällige Begegnung von Jonathan und Sara, die die beiden mit dem Schicksal ringen lässt, sobald sie dem Zufälligen eine Bedeutung geben. Sie sind verliebt.

Der Münchner Psychologe Ernst Pöppel weist auf unsere beschränkte Wahrnehmung hin.

Es gibt keine Sinnessysteme für das Zufällige; ich kann den Zufall nicht erkennen, ich kann nur aufnehmen, was Bedeutung hat. Dies heißt, dass das Unvorhergesehene, das Zufällige, sofort aus der Welt des Beliebigen herausgenommen wird.

Der Philosoph Odo Marquard bringt es auf den Punkt:

Des Menschen Wirklichkeit ist überwiegend das Zufällige. Zufällig ist das, was auch anders sein kann. Aber wenn es anders sein kann, dann ist es häufig auch anders. Die zufällige Wirklichkeit umfasst Verschiedenes: Sie ist vielgestaltig, bunt. Diese Buntheit ist die menschliche Freiheitschance.

Wie wir in diesem „Zufallsrauschen“, wie der Wissenschaftsphilosoph Klaus Mainzer es nennt, aus den Möglichkeiten wählen, wie wir Kairos beim Schopfe packen, darin zeigt sich unsere Verantwortung.

Da fällt mir ein Text von Humberto Maturana und Pille Bunnell ein, in dem sich die beiden mit der Freiheit auseinandersetzen. Sie sehen die Freiheit und die Selbstverantwortung als zwei Seiten einer Medaille.

Wir sprechen von Freiheit, als ob es etwas mit momentanen Möglichkeiten zu tun hätte, aber Möglichkeiten sind nur insoweit Möglichkeiten, als sie von jemandem als solche erkannt werden. Sie sind nicht Möglichkeiten an sich. … Freiheit hat nichts mit Möglichkeiten zu tun, sondern damit, wie wir unsere Möglichkeiten in unserem Bewusstsein ausleben. Deshalb ist Freiheit eine Erfahrung, und es ist eine fundamentale Erfahrung.

Und weiter:

Freiheit ist die Erfahrung, für die eigene Verantwortung verantwortlich zu sein.

Wenn wir uns in unseren Situationen sehen lernen, können wir lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das ist Freiheit!

Zitiert aus: Maturana, Humberto/Bunnell, Pille: Reflexion, Selbstverantwortung und Freiheit. Zeitschrift Lernende Organisation (LO) 63, Sept/Okt. 2011,  S. 23 ff.

Written by Östermann

16. Februar 2014 at 17:40

Freiheit und Respekt – Nelson Mandela

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Written by Östermann

7. Dezember 2013 at 18:40

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