Östermanns Blog

Organisation und Unternehmensführung im Wandel, Handeln unter den Bedingungen des Klimawandels, Strategie, Medienwandel, Digitale Transformation, Arbeit der Zukunft, Komplexität, nächste Gesellschaft

Posts Tagged ‘Internet der Dinge

Manifeste (14): Contract for the Web

leave a comment »

Internet-Zugang für alle und ein offenes Netz – das sind zwei von neun Grundsätzen des Contract for the Web. Damit ist ein weiteres Dokument in der Welt, das sich in die lange Liste der „Manifeste“ einreiht, die einen Impuls für die Transformation der Gesellschaft setzen wollen. Der „Contract“ stammt von prominenter Seite. Initiator und Autor ist Tim Berners-Lee, der seit seiner Erfindung des World Wide Web vor 30 Jahren als einer der Urväter des Internets, wie wir es heute kennen und täglich nutzen, gilt. Den 2018 angekündigten Vertrag hat er nach einem Jahr der Aushandlung im November 2019 veröffentlicht.

Berners-Lee hat ganze Arbeit geleistet, so scheint es auf den ersten Blick. Er hat nicht einfach ein Manifest oder eine Charta veröffentlicht, sondern mit Regierungen, Technologiekonzernen und zivilgesellschaftlichen Organisationen einen „Gesellschaftsvertrag“ geschlossen. 160 Organisationen haben daran mitgearbeitet. Alle sollen dazu beitragen, ein freies und offenes Web zu verwirklichen. Auch die Bundesregierung hat sich früh dazu bekannt, den „Vertrag für das Web“ zu unterstützen. Sie hat sich verpflichtet, die Grundsätze einzuhalten.

Der Vertrag versammelt neun Grundsätze, drei für Regierungen, drei für Unternehmen und drei für Bürger und zivilgesellschaftliche Gruppen.

Regierungen haben sich mit ihrer Unterzeichnung verpflichtet,

  • allen einen Zugang zum Internet zu ermöglichen,
  • den Internetzugang jederzeit für alle zu gewährleisten,
  • für einen wirksamen Schutz der Privatsphäre und der persönlichen Daten zu sorgen.

Das erste Prinzip soll eine schnellere und flächendeckende Versorgung mit der technischen Infrastruktur fördern. Die beiden anderen Prinzipien zielen besonders darauf ab, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und durchzusetzen, zum einen für einen Netzzugang, der die Menschenrechte wahrt und den freien Wettbewerb sichert, zum anderen für eine Beschränkung des Zugriffs auf persönliche Daten nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit.

Unternehmen verpflichten sich im wesentlichen den gleichen Regeln. Auch sie sollen ihren Teil aktiv dazu beisteuern, das Internet allen zugänglich zu machen und die Privatsphäre zu respektieren. Sie sollen Technologien entwickeln, die das Netz als öffentliches Gut stärken, das humanen Zwecken dient. Bei Entwicklung und Betrieb sollen sich alle gesellschaftlichen Gruppen einbringen können. Sie sollen sich dem Open Web verpflichten und in digitale Gemeingüter („digital Commons“) investieren, so Prinzip 6.3. Wörtlich heisst es dort:

Upholding and further developing open Web standards.

Promoting interoperability, open-source technologies, open access, open knowledge, and open data practices and values.

Ensuring that the terms of service, interfaces and channels of redress are accessible and available in local languages and properly localized, use formats that allow, encourage, and empower a diverse set of users to actively participate in and contribute to the commons, including open and free culture, science, and knowledge.

Interessant ist, wie der Vertrag bürgerschaftliches Engagement für ein offenes Web mobilisieren will. Wer als Bürger unterzeichnet, verpflichtet sich, für das offene Web zu kämpfen, sich kreativ und aktiv in das Netz einzubringen, so dass es für alle weltweit und auf Dauer eine öffentliche Ressource bleibt. Sie verpflichten sich, für die Nutzung offener Standards einzutreten und Praxiserfahrungen mit anderen zu teilen. Der Vertrag ruft zur aktiven Bürgerschaft im Netz auf.

Die Veröffentlichung soll nur ein erster Schritt sein auf dem Weg zu einer sicheren Online-Welt für alle, die zu gemeinsamem Lernen und zur Zusammenarbeit einlädt. Im nächsten Schritt sollen nun Experten an Lösungen der erkannten Probleme arbeiten.

Hier ist der Contract for the Web im Wortlaut.

II

Bei aller Ambition der Prinzipien bleibt der Vertrag seltsam unverbindlich. Mögliche weitere Schritte werden nur angedeutet. Wie die Prinzipien des Vertrags den weiteren Prozess tragen oder tragen könnten, bleibt unbeantwortet.

Die Begeisterung, die Tim Berners-Lee 2009 in diesem TED-Vortrag noch ausgestrahlt hat, ist heute kaum mehr zu spüren.

Berners-Lee hatte damals eine Vision, die sich aus dem riesigen Potenzial und der Vielfalt der Daten schöpfte.

Es ist absolut wichtig, dass es das Web erlaubt, alle Arten von Daten einzustellen. … Wir könnten über Regierungsdaten sprechen. Unternehmensdaten sind wirklich wichtig. Es gibt wissenschaftliche Daten und persönliche Daten. Es gibt Wetterdaten, Daten über Ereignisse, über Vorträge, über Nachrichten und all diese Dinge. Ich werde nur ein paar davon erwähnen, so dass Sie eine Vorstellung von der Vielfalt und dem vorhandenen Potenzial erhalten.

Die Begeisterung für das Daten-Web und Open Data war nach fünf Jahren verflogen. 2014 setzte sich Tim Berners-Lee in einem weiteren TED-Vortrag nicht mehr mit den Chancen, sondern mit den Bedrohungen auseinander, denen sich das offene Netzes ausgesetzt sieht, mit Social Media als Silos, mit der Überwachung im Netz, mit der Zensur und mit dem Aufspalten des Internet in nationale Intranets auseinander. Damals kündigte er eine Magna Charta für das Web an. Vermutlich ist der Contract nun nach Jahren das Ergebnis.

Der Contract bleibt an der Oberfläche. Er hinterfragt die wirkende Logik des Netzes nicht, sondern begnügt sich mit Korrekturen der ursprünglichen Idee des WWW. Aktuelle Krisenerscheinungen, allen voran die Klimakrise, spielen überhaupt keine Rolle. Die Bedrohung der demokratischen Grundordnung durch Überwachung, unautorisierter Auswertung unserer persönlichen Daten und Manipulation unseres Verhaltens scheint nur indirekt auf. Es dürfte den beteiligten Unternehmen leicht gefallen sein, sich zu den Grundsätzen zu bekennen. Facebook und Co. müssten – wenn sie den „Vertrag“ ernst nähmen – ihr Geschäftsmodell aufgeben. Sie konnten die Aktion als willkommene Image-Förderung mitzunehmen.

Die NZZ fragt sich in einem Kommentar, ob Berners-Lee das Handtuch geworfen hat. Jedenfalls haben seine Prominenz und die Qualität des „Vertrags“ nicht ausgereicht, um ihm eine anhaltende Aufmerksamkeit zu bescheren und nachvollziehbare Aktionen auszulösen. Es ist auffällig ruhig um sein ehrgeiziges Projekt Solid geworden, mit dem er vor Jahren einen Gegenentwurf zu den Datensilos entwickeln wollte.

III

Wie der Verhaltenssteuerung entgegenwirken? Wie das Potenzial eines offenen Netzes entfalten? Technikregulierung? Oder hoffen auf den aufgeklärten Bürger, der auf offene Plattformen setzt, oder, wie Maximilian Becker in einem Blog-Beitrag auf iSights vorschlägt, an Verbraucher appellieren, die technische Herrschaft über das eigene Leben und die Übersetzung analoger Freiheiten in die digitale Welt zu verlangen. Fragt sich, von wem, wenn sowohl die großen Internet-Konzerne und Betreiber von digitalen Plattformen, als auch die Gesetzgeber den Begehrlichkeiten der Verhaltenssteuerung von Nutzern und Bürgern erliegen.

Kürzlich hat Brittany Kaiser, die Whistleblowerin der Manipulationspraktiken von Cambridge Analytica, für die Initiative #OwnYourData geworben. Datenrechte müssten rechtlich durchsetzbar sein, ähnlich wie es für Eigentumsrechte üblich sei. Aber wie kann man die Akteure im Internet zu ethischem Verhalten verpflichten? Sie setzt ihre ganze Hoffnung auf Blockchain-Technologie, um den Bürgern die Hoheit über ihre Daten zurückzugeben. Die Erlaubnis, persönliche Daten zu verwenden, müsse ähnlich funktionieren, wie eine Wohnung über AirBnB zu vermieten. Der Mieter müsse sich ausweisen, sagen, wie lang der die Wohnung mieten wolle und entsprechend dafür bezahlen.

Einen wesentlichen Schritt weiter geht Dirk Helbing mit seinem Projekt FuturICT. Ihm geht es darum, die Demokratie in der digitalisierten Welt grundlegend neu zu denken. Die Vision einer digitalen Demokratie, wie er sie mit anderen vor einigen Jahren im Digitalen Manifest und im Papier Build Digital Democracy beschrieben hat, wird nun konkreter. Seit kurzem liegt das Konzept FuturICT 2.0 vor. Es beschreibt, wie eine nachhaltige digitale Gesellschaft mit einem sozioökologischen Finanzsystem verbunden werden kann. In einem Interview mit Sibylle Berg hat er kürzlich sein Bild eines demokratischen Kapitalismus kürzlich.

Wirkungsvolle Massnahmen gegen das drohende Systemversagen wären: 1. Ein Grundeinkommen zur Existenzsicherung. 2. Crowdfunding für alle, Wettbewerb und Breiteninnovation. 3. Ein multidimensionales Koordinationssystem zur Lösung des Nachhaltigkeitsproblems. 4. Digitale Demokratie zur Förderung kollektiver Intelligenz. 5. Städtewettbewerbe zur Lösung der Weltprobleme.

Auch dieses Konzept setzt auf neue technologische Möglichkeiten, bindet diese aber ein in ein soziales, ökonomisches und politisches Konzept. Es verknüpft Blockchain und Internet der Dinge (IoT) mit Erkenntnissen der Komplexitätsforschung.

Diese beiden Beispiele stehen für eine Bewegung, die Hoffnung gibt, dass es doch noch gelingt, ein offenes Netz zu realisieren, das geeignet ist, die kollektive Intelligenz zur Lösung der Krisen unserer Zeit zu entfalten. Die Bewegung für das offene Netz hat mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen. Open-Data-Projekte zum Beispiel kommen oft über den Status von Prototypen nicht hinaus, weil die Ressourcen für die Skalierung, Professionalisierung und die Aufrechterhaltung des Dauerbetriebs fehlen. Das Geld ist da, nur woanders, meint Ernesto Ruge von Binary Butterfly.

Dennoch sollte man die Chance auf eine positive Entwicklung nicht unterschätzen. Die aktuelle Corona-Pandemie bietet eine gute Gelegenheit, die sozialen Muster genauer zu beobachten, die unser Zusammenleben prägen. Otto Scharmer meinte kürzlich, Spuren zu erkennen, die auf ein Anwachsen datengetriebener Aufmerksamkeit für das Gemeinwohl hindeuten.

Mehr dazu siehe
Manifeste (1): Das digitale Manifest
Manifeste (2): Die Digitalcharta
Manifeste (3): Petersberger Erklärung
Manifeste (5): The Onlife Manifesto

Zukunftsfähigkeit – ein Wort zum Heulen?

leave a comment »

Auf dem Evangelischen Kirchentag und in einem Gastbeitrag der Oldenburger Nordwestzeitung hat Heribert Prantl über den Gebrauch des Wortes „Zukunftsfähigkeit“ gewettert.

Dass aus dem herrlichen Wort „Zukunft“ so etwas Abscheuliches wie „Zukunftsfähigkeit“ gemacht worden ist, ist zum Heulen. Das Wort „zukunftsfähig“ ist ein verlogenes Wort, weil es so tut, als gäbe es eine feststehende Zukunft, für die man fit gemacht werden müsse. Es gibt aber keine Zukunft, von der man sagen könnte, dass es sie einfach gibt. Es gibt nur eine Zukunft, die sich jeden Augenblick formt – je nachdem, welchen Weg ein Mensch, welchen Weg eine Gesellschaft wählt. Die Bewegung „Fridays for Future“ versucht, Gesellschaft und Politik auf einen neuen Weg zu führen.

Als Organisationsberater habe ich den Begriff bisher gerne und häufig verwendet. Und zwar, gerade weil die Zukunft unbestimmt ist. Weil jede Organisation lernen muss, mit der hohen Komplexität umzugehen. Es geht um organisatorische Fähigkeiten, die die meisten Unternehmen, Behörden, Museen oder Schulen mühsam lernen müssen. Das Akronym VUCA ist in der Management- und Beraterzunft so populär geworden, weil Organisationen unter Bedingungen handlungsfähig bleiben wollen, die als verwirrende Mischung aus Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität erlebt wird. Beliebt ist auch die Vorstellung, auf VUCA mit VUCA – vision, understanding, clarity, agility – zu antworten.

Wie wollen wir leben?

Diese SWR-Reportage zeigt an verschiedenen Beispielen, wie sich die Arbeitswelt verändert. Weniger Hierarchie oder Abschied von der Hierarchie, kürzere und flexiblere Arbeitszeit, Selbstverantwortung im Team, agile Vorgehensweisen, Job-Sharing – was vor zwei Jahrzehnten noch Zukunftsmusik war, ist heute in vielen Unternehmen gelebte Praxis. Ein Unternehmen entwickelt mit der Kreativität der Mitarbeitenden eine Zukunftsvision, um für die „neue Zeit“ „zukunftsfähig“ zu sein. Aber was zeichnet diese „neue Zeit“ aus? Weshalb ist eine „Transformation“ unumgänglich? Der Film verweist auf anspruchsvollere Produktionsabläufe durch Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung, auf Effizienzgewinne, die dadurch erzielt werden können. Die Gewerkschaftsvertreter zeigen sich hoffnungsvoll, dass kürzere Arbeitszeiten bei vollem Gehalt möglich werden. Den Zuschauenden drängt sich der Eindruck auf, das alles habe mit der Klimakrise nichts zu tun. Blenden Unternehmen einen existenziellen Teil der wahrscheinlichen Zukunft einfach aus?

Für die Zukunftsforschung ist der Klimawandel ein Trend unter vielen

Ähnlich beobachten Zukunftsforscher – wie z.B. die Strategic Intelligence des WEF – technologische und soziale Trends vorrangig mit Blick auf mehr oder weniger wahrscheinliche neue Märkte. Es geht meist darum, den Anschluss an den Fortschritt zu halten, neue Produkte zu entwickeln und rechtzeitig auf neuen Märkten präsent zu sein. Klimawandel, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz werden zwar als Trends mit einbezogen, gehen jedoch in der Fülle dutzender anderer Trends unter. Das Terrestrische oder die Biosphäre werden marginalisiert.

Zukunftsfähig ist eine Organisation erst, wenn sie nachhaltig wirtschaftet

An ihrer Zukunftsfähigkeit arbeitet eine Organisation heute erst, wenn sie sich den existenziellen Fragen des Klima-, Umwelt- und Artenschutzes mit Priorität widmet. Organisationen, die die Klimakrise und die Auswirkungen des Wirtschaftens auf die Artenvielfalt ignorieren, sind allein deshalb auf längere Sicht nicht lebensfähig, schlicht und einfach, weil sie dazu beitragen, ihren eigenen und unser aller Lebensraum zu zerstören. Zukunftsfähigkeit heisst unter den Bedingungen der Klimakrise, was und wie produziert wird, trägt direkt oder indirekt, in jedem Fall aber nachvollziehbar, zur Minderung der Klimakrise bei. Gemessen daran sind heute die wenigsten Unternehmen zukunftsfähig.

Unternehmen kommt eine wesentliche Rolle bei jeder Nachhaltigkeitsstrategie zu. Darauf hat Reinhard Loske in seinem Buch „Politik der Zukunftsfähigkeit“ hingewiesen, auf das ich hier kürzlich in einem Beitrag hingewiesen habe. Es sei nicht damit getan, politisch den Ordnungsrahmen für ein nachhaltiges Wirtschaften, z.B. eine CO2-Steuer oder -Bepreisung, festzulegen. Loske schlägt drei grundlegende Fragen vor.

  • Was sind aus Nachhaltigkeitsperspektive adäquate Unternehmensgrößen und Unternehmensverfassungen?
  • Wo liegt die unternehmenseigene Verantwortung für Nachhaltigkeit?
  • Welches Berichtswesen wird dafür gebraucht?

Loske weist darauf hin, dass es im unregulierten kapitalistischen Wettbewerb unweigerlich zur ökonomischen Machtballung, zu ungesunden Unternehmensgrößen und zu Monopolen kommt, die mit der politischen Macht unheilige Allianzen gegen das Gemeinwohl eingehen. Sie neigen dazu, sich an Wachstums-, Gewinn- und Anlegerinteressen auszurichten und ökologische wie soziale Folgeschäden zu externalisieren und auf die Gesellschaft abzuwälzen. Als Beispiele nennt er die deutschen Automobilkonzerne, die deutsche Chemieindustrie und die großen Öl-, Gas- und Kohlekonzerne. Mit enormem Lobbyaufwand hätten sie es immer wieder geschafft, anspruchsvolle Klimaschutzstandards von ihren Produkten fern zu halten und sogar den internationalen Klimaschutzprozess zum Stillstand zu bringen.

Aber die Bekämpfung von Monopolmacht sei möglich, wie das Beispiel der großen deutschen Stromkonzerne zeige. Durch Atomausstieg und EEG sei die dezentrale Eigenerzeugung so stark stimuliert worden, dass sich die Marktstruktur gerade radikal in Richtung dezentraler und verteilter Prosumentennetzwerke transformiere.

Auch seien Unternehmensformen wie Personengesellschaften, Genossenschaften und kommunale Betriebe eher als Kapitalgesellschaften geeignet, soziale und ökologische Ziele zu verfolgen und sich am langfristigen statt am kurzfristigen Erfolg zu orientieren.

Loske betont, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Jedes Unternehmen hat eine gesellschaftliche Verantwortung und muss über sein Wirken Auskunft geben. Es reicht nicht aus, Güte und Nutzen der Produkte sprechen zu lassen. In einer ökologisch sensiblen Öffentlichkeit bestehe, so Loske, großes Interesse, ehrliche Antworten auf die Fragen zu erhalten: Wie produziert ein Unternehmen? Wie geht es mit seinen Mitarbeitenden um? Woher bezieht es seine Ressourcen? Wie setzt es sie ein? Wie trägt es zum Schutz von Natur und Umwelt bei? Wie behandelt es seine Nachbarn und seine Geschäftspartner?

Was letztlich gebraucht wird, ist eine standardisierte Gemeinwohlbilanz für jedes Unternehmen, welche wahrhaftig Auskunft über seine ökologischen und sozialen Relationen gibt: zu Lieferanten, Geldgebern, Mitarbeitern und gesellschaftlichem Umfeld. Läge neben der traditionellen Unternehmensbilanz und seiner Gewinn- und Verlustrechnung auch eine Gemeinwohlbilanz, ließe sich schnell erkennen, wer nachhaltig wirtschaftet und wer nicht. (S. 184)

Visionen an den konkreten Maßnahmen und deren Wirkung messen

Nils Brunsson, der schwedische Organisationsforscher, hat einmal auf das Problem der Scheinheiligkeit in der Unternehmensführung hingewiesen.

Unternehmen sind vielen verschiedenen und widersprüchlichen Anforderungen ausgesetzt. Scheinheiligkeit ist die zwangsläufige Folge. Unternehmen sollen effizient sein und Gewinne erzielen, aber auch Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und das Klima schützen. Unternehmen sollen demokratisch sein und auf Diversität achten, und sie werden für gute Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter – und zunehmend auch für die ihrer Vertragspartner und von deren Zulieferern – zur Verantwortung gezogen.

Klima-, Arten- und Umweltschutz vertragen ein So-Tun-Als-Ob nicht. Ein ehrliches Ringen um nachhaltige Produkte und Produktionsweisen ist ebenso unerlässlich wie ein intensiver Dialog in den Netzwerken, in die eine Organisation eingebunden ist, und die wechselseitige Kontrolle, wie die soziale und ökologische Verantwortung angemessen wahrgenommen wird.

Digitale Transformation ist ein sozialer Prozess

Die Digitalisierung gewinnt in einem solchen Szenario einen anderen Sinn. Dirk Baecker hat kürzlich in einen Essay darauf aufmerksam gemacht, dass die digitale Transformation kein technischer, sondern ein sozialer Prozess ist.

Alle wichtigen Akteure der Gesellschaft müssen lernen, verantwortungsvoll mit ihm umzugehen, während niemand weiß, wohin dieser Prozess uns noch führt.

Die Digitalisierung kann erst aus diesem Verständnis heraus ihr Potenzial für die Lösung der existenziellen Probleme entfalten. Baecker weist auf den entscheidenden Unterschied hin.

So kann man das Verhältnis von Unternehmen und Märkten, Parteien und öffentlicher Meinung, Wissenschaft und empirischen Gegenständen, Intimitätswünschen und Partnerschaften, aber auch Kohlendioxidemissionen und Klimawandel, Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft und resistenten Bakterien sowie Konsumentennachfrage und Drohneneinsatz nicht nur erforschen. Das konnte man früher auch schon. Man kann es vielmehr in Echtzeit auswerten und mit strategischen Maßnahmen unterstützen, fördern oder bekämpfen, je nach Bedarf. 

Hinzu kommt der Einsatz künstlicher Intelligenz, die man auch braucht, weil man in dem Heuhaufen der im Internet der Dinge massenhaft produzierten Daten die Nadel nicht mehr findet, die den Unterschied macht. Datenproduktion und Datenauswertung ist das Gesetz der digitalen Transformation. Das gilt für Unternehmensführung und Kriegsführung, für politische Kampagnen und Werbekampagnen, für Kunst und Unterhaltung, Bildung und Terrorismusbekämpfung, Finanzmärkte und Logistikketten, Agrarwirtschaft und Gesundheit.

Zukunftsfähigkeit neu definieren

Prantl geht es im übrigen bei seiner Klage über den mangelnden Willen, die Zukunft aktiv zu gestalten, nicht darum, den Begriff „Zukunftsfähigkeit“ zu löschen. Er möchte ihn neu definieren.

Die Frage ist nämlich nicht, welche Zukunft man hat oder erleidet, die Frage ist, welche Zukunft man haben will, und wie man darauf hinlebt und darauf hinarbeitet. Die Frage ist nicht, was auf die Gesellschaft zukommt, sondern wohin sie gehen will. Zukunftsfähigkeit muss daher neu definiert werden, nämlich so: Wie wird die Zukunft fähig für die Gesellschaft? Wie wird sie fähig für ein Leben, das mehr ist als ein Überleben? Diesen Versuch unternimmt „Fridays for Future“. Es ist eine pfingstliche Bewegung.

Sensoren (11): Demokratie als Hindernis für den Klimaschutz?

leave a comment »

Der Weltklimarat hat kürzlich zum wiederholten Male sehr eindringlich an alle appelliert, jetzt zu handeln, um die schlimmsten Folgen der Erdüberhitzung noch abzuwenden. Jedes Zehntel Grad weniger zählt. Es geht also darum, jetzt kraftvoll und zupackend zu handeln, wenn es gelingen soll, die Emissionen um 35% bis 2030 zu reduzieren. Nur wie? Wie sollen in einer Demokratie die nötigen, von Mehrheiten getragenen Beschlüsse zustande kommen?

I

Das SRF hat kürzlich in ihrer Sternstunde mit Graeme Maxton, dem ehemaligen Generalsekretär des Club of Rome, einen Experten befragt, der sein Lebenswerk dieser Frage widmet. Wie könnte die nötige Wende aussehen? Wie könnte sie gelingen?

Maxton macht klar, dass Maßnahmen notwendig sind, die uns viel abverlangen werden. Aber im Angesicht der Bedrohung erscheint es vernünftig und möglich, die gefahrenen Kilometer oder die geflogenen Meilen jährlich um 3 % zu verringern. Das wäre nach seiner Überzeugung und nach der Empfehlung des Weltklimarats nötig, aber auch ausreichend, um das Schlimmste abzuwenden. Wir müssten aufhören, Kohle, Öl und Gas zu verbrennen.

Wir müssen aufhören, Auto zu fahren, zu fliegen oder Schiffsreisen zu machen. Denn das alles generiert dieses Problem. Natürlich finden das alle verrückt. Und es ist auch verrückt. Denn je länger wir zuwarten, umso radikalere Maßnahmen sind nötig. … Leute, die in der Automobilindustrie tätig sind oder in der Luftfahrtindustrie, müssen unterstützt werden, damit sie nicht persönlich unter den Maßnahmen leiden und überhaupt aufhören können. … Wenn wir jetzt … beginnen, können wir unsere Emissionen jedes Jahr um drei Prozent reduzieren. Das scheint machbar. Aber es sind 35% weniger Autos, 35% weniger Flüge, 35% weniger Schiffahrten in 10 Jahren. Das ist eine gewaltige Veränderung.

Gleichzeitig die notwendige Wende des Denkens, eine „zweite Aufklärung“, einzuleiten. Es brauche aber Jahrzehnte, um das ganze soziale System neu zu denken. Wir können nicht warten, bis die Einsicht gereift und die grundlegende Richtungsänderung auf der Basis demokratischer  Mehrheitsentscheidungen möglich ist, meint Maxon. Was die Leute nicht verstehen und die Konzerne ignorieren, ist die verheerende Langfristwirkung des modernen Lebensstils. Die Investitionen in alte Energie, vor allem Kohlekraftwerke, werden weltweit immer noch erhöht.

Es sind dazu Notstandsmaßnahmen erforderlich, meint Maxton. Es brauche eine Gruppe von Menschen, die sich der Sache annähme und für die nötigen Sofortmaßnahmen sorge. Auch für die Medien schlägt Maxton angesichts dieses Notstands eine Aufsicht vor.

Mit einem Problem waren wir in den letzten Jahren ständig konfrontiert. Ich will es nicht wie Donald Trump Fake News nennen. Aber in vielen Berichten heisst es, der Klimawandel sei nicht wirklich ein Problem, sondern es werde aufgebauscht von den Linken, die nicht wirklich verstehen, wie die Welt funktioniert. Damit haben die Medien das Problem verschärft. Denn viele Leute sind ernsthaft verwirrt und wissen nicht wirklich, was sich ändern muss. Die Medien haben also in diesem Prozess eine negative Rolle gespielt. Doch sie müssen dazu beitragen, dass die Menschen verstehen, wie notwendig diese Veränderung ist.

Der Moderator konfrontiert Maxon mit einem Ausschnitt aus einem Interview mit einem anderen prominenten Kämpfer für den Umwelt- und Klimaschutz, Al Gore. Dieser vertritt darin die Auffassung, die Welt befinde sich gerade im frühen Stadium einer globalen Nachhaltigkeitsrevolution, ermöglicht durch digitale Werkzeuge, wie die künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge. Sie habe die Dimension der industriellen Revolution, aber mit der Geschwindigkeit der digitalen Revolution. Das nähre die Hoffnung, die Probleme vor dem „point of no return“ in den Griff zu bekommen. Maxon hat dazu eine klare Sicht.

Das ist die Stimme der Englisch sprechenden Welt. Wir ziehen ja auch nicht in den Krieg und fragen: Wie können wir davon profitieren? Aber genau das tut Al Gore und fragt: Wie können wir daraus Gewinn erzielen? Wenn ich oder meine Kollegen in den USA einen Vortrag halten, hört man uns nur zu, wenn wir ein Businessszenario präsentieren: „Das ist die Antwort und Du kannst davon profitieren.“ Sonst hört keiner zu. … Keiner profitiert davon, wenn man eine Stadt umsiedeln oder höhere Flutmauern bauen muss. Niemand profitiert von Insektenplagen oder der Armut, die Afrika erfassen wird.

Die Begriffe der Aufklärung – Freiheit und Fortschritt – haben ihre ursprüngliche Bedeutung eingebüßt und uns, so Maxon, in eine falsche Richtung geführt.

Unser Wirtschaftssystem, unser Sicht der Natur, unsere Werte bezüglich Besitz und Preisdenken – vieles stammt aus jener Zeit. … Wir müssen unsere Werte überdenken. Was bedeutet Fortschritt? Nicht Wirtschaftswachstum, nicht die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts, sicher aber die Verbesserung der Wohlfahrt. Es geht darum, besser zu leben, mehr zu entdecken, eine höhere Lebenserwartung und Lebensqualität zu erreichen, … Es bedeutet langfristig zu denken und im Gleichgewicht mit der Natur zu leben. … Man darf Freiheit nicht gleichsetzen mit extremem Individualismus. Es geht nicht um Egoismus oder Wettbewerb. Wir brauchen eine kooperative Gesellschaft und müssen deshalb viele unserer Grundwerte überprüfen.

Er nimmt die Demokratie, so wie sie heute gelebt wird, von dieser Überprüfung nicht aus.

Es gehört zum heutigen Zeitgeist, dass alle fordern: Wir brauchen Demokratie! … Ich glaube an die Stimme des Volkes. Aber mir ist auch klar, wenn wir für die Lösung des Klimaproblems die Zustimmung aller brauchen, dauert es zulange. Heute ist das demokratische System – und das sage ich ungern – ein Hindernis für diese Veränderung. … Ich schlage keine Diktatur vor. Aber wir brauchen eine Gruppe von Leuten, so etwas wie Technokraten, damit wir die Wende durchsetzen können.

Riskante Gedanken. Diese Notstandsmaßnahmen könnten, so mein Eindruck, schnell von autoritären Bewegungen für die Abschaffung von Freiheitsrechten missbraucht  werden. Er geht jedoch davon aus, dass unsere Demokratie nur noch eine Scheindemokratie ist, eine Plutokratie, in der das Geld regiert.

Wir haben einen Großteil unserer Macht den Konzernen überlassen, und das ist ein Teil des Problems.

Eine Gratwanderung, bei der es, so scheint mir, neben den Sofortmaßnahmen sehr auf die Verständigung in der Gesellschaft, auf eine Rückbesinnung auf demokratische  Tugenden ankommt.

Als Individuen können wir den Leuten helfen zu verstehen, wie dringlich das Problem ist. Und wir können den Politikern helfen zu verstehen, dass sie im Interesse der Menschheit handeln müssen und nicht im Interesse der Großkonzerne, wie das viele heute tun.

II

In der aktuellen Ausgabe von DIE ZEIT äußert sich Michael Sandel, bekannter Philosoph von der Universität in Harvard in einem Interview ganz ähnlich. Auch seine Zeitdiagnose geht von fehlgeleiteten gesellschaftlichen Entwicklungen und verloren gegangener Balance aus.

Der Liberalismus hat sich seit Jahrzehnten moralisch entkernt, weil er alle moralischen Wertungen an den Markt delegiert hat. Es war ihm gleichgültig, dass viele chancenlos und enttäuscht zurückblieben. Mit den Erfahrungen und Erwartungen, Bindungen und Hoffnungen der Bürger wissen entfesselte Marktgesellschaften nichts anzufangen. Die Demokratie verliert so ihre Werte und ihren Bezug auf das Gemeinwohl: bis sie nur noch eine Schwundform ihres Anspruchs ist und bloß ein Aggregat von privaten Interessen.*

*Auszug aus: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH und Co. KG. DIE ZEIT – Nr. 44, 25.10.2018.

Das klingt sehr nach Plutokratie. Haben wir es also mit einer Aushöhlung demokratischer Prinzipien zu tun? Könnte es sein, dass wir auf dem alten Pfad der gescheiterten Moderne verharren, wenn wir die Demokratie, wie sie sich heute zeigt, verteidigen? Brauchen wir eine grundlegende Erneuerung der Demokratie? Eine zweite Aufklärung?

Auch Sanders geht davon aus, dass das Denken, wie auch die Politik, Zeit, Aufmerksamkeit und Anteilnahme brauchen. Demokratie vertrage die Flüchtigkeit der technologisch bestimmten Zerstreuung und permanenten Ablenkung nicht. Das würde bedeuten, dass wir den ersten Schritt, wie ihn Maxon vorschlägt, die schnelle Unterbrechung der unheilvollen Klima- und Umweltzerstörung, eher als Maßnahmenbündel zu verstehen hätten. Wir sollten parallel dazu sofort mit dem zweiten Schritt beginnen, dem langsamen, beharrlichen Nachdenken darüber, wie wir gemeinsam im Einklang mit der Natur auf der Erde leben wollen. Dieser demokratischen Erneuerung die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen, das ist nach Sandel die größte Aufgabe, vor der die Demokratien stehen. Es gehe darum,

… Arenen, Gelegenheiten, Formen für den Streit und die wechselseitige Aufmerksamkeit zu schaffen, die Menschen aus ihren Blasen herauszuholen und einander begegnen zu lassen. Schreierei sollte nicht belohnt werden. Gespräche vertragen auch kein Profitinteresse. Die Kontroverse ist anstrengend. Sie ist Arbeit. Aber vielleicht ist sie die einzige Anstrengung, auf die es wirklich ankommt. Jede Institution einer Demokratie ist aufgerufen, sich ihr zu stellen, Parlamente, Zeitungen, Universitäten, Schulen, Nachbarschaften …**

**Auszug aus: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH und Co. KG. DIE ZEIT – Nr. 44, 25.10.2018.

Hoffnungsvolle Worte, die einen fragen lassen: Was hält uns ab, auf diese Weise mit der Erneuerung der Demokratie zu beginnen. Aber vielleicht sind wir ja schon mittendrin.

 

Der Klimawandel und das Internet der Dinge – Dirk Baecker

with one comment

Kürzlich habe ich mich hier mit dem wichtigen Buch „Das terrestrische Manifest“ von Bruno Latour beschäftigt. Es lädt ein, weiterzudenken. Dirk Baecker hat dies in einem Blog-Beitrag auf bemerkenswerte Weise getan. Während Latour die digitale Technologie in seinem Buch nur am Rande streift, schließt Baecker mit der Frage an, was der Klimawandel und seine Leugnung mit der digitalen Technologie, genauer mit dem Internet der Dinge und mit Big Data, zu tun hat.

Dank des Internets der Dinge, der unter wissenschaftlicher Anleitung korrekt aufgestellten Sensoren und der politisch unterstützten Aufstellung von Monitoren an allen Ecken und Enden von Stadt und Land können wir uns dabei zuschauen, wie wir unsere Lebensgrundlage zerstören! Was für ein Spektakel! Wir könnten in Zeitlupe und im Zeitraffer Effekte beliebiger Art vergrößern und verkleinern, vorspulen, zurückspulen und im Rücklauf betrachten.

[…] Wenn wir Glück haben und die richtigen Entscheidungen treffen, ermöglicht uns die „digitale Revolution“ Rückkopplungseffekte, die nicht zu Unfällen, sondern zu Einsichten führen. Indem wir lückenlos dokumentieren, wie wir uns das Leben auf dem Globus unmöglich machen, wird auch die Lüge unmöglich. […] Was wir sehen, wird uns nicht gefallen. Aber wir hätten eine Aufgabe, gegen die die Faszination der 1960er Jahre, einen Menschen zum Mond zu bringen, verblasst.

Faszinierende Überlegungen. Das Internet der Dinge und Big Data würden ihre überwältigende Dimension zwar nicht verlieren, aber ihren bedrohlichen Schatten, wenn die Technologie nicht mehr in den Dienst der Klimalüge gestellt werden könnte.

Wir müssen es versuchen.

Siehe dazu auch das Interview mit Dirk Helbing über das Internet der Dinge

 

Written by Östermann

27. Juli 2018 at 18:00

Das Internet der Dinge – Was ist das? – Interview mit Dirk Helbing

with 2 comments

 

Dirk Helbing, Professor für Computational Social Science in Zürich, habe ich in diesem Blog schon häufiger erwähnt, z.B. hier, hier und hier. Aus meiner Sicht eine wichtige Stimme, weil er im Diskurs über die Digitalisierung und deren Folgen für Orientierung sorgt. In diesem Interview mit Gian Trapp erläutert er die Entwicklung des Internets der Dinge und ordnet es in die humanen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit verständlich ein. 

Das Interview spannt einen Bogen von der Vernetzung von Sensoren als der nächsten Stufe der Entwicklung des Internets, über die DSGVO und die informationelle Selbstbestimmung, über Facebook und die anderen selbsternannten Datensammler, über den chinesischen Weg der Totalüberwachung und die neofeudalen Tendenzen der gegenwärtigen Digitalpolitik, über den Wechsel des Wirtschaftssystems hin zu einer Aufmerksamkeitsökonomie, über Ängste vor all diesen Entwicklungen und die Chancen, mit den unvorstellbar großen Datenmengen eine digitale Demokratie zu verwirklichen.

Anschauen. Eine halbe Stunde, die sich lohnt.

Ambient News – die NOZ und das IoT

leave a comment »

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) will expandieren – nicht nur, was die Reichweite an Lesern betrifft. Sie greift weit aus in die nahe Zukunft. Darüber hat kürzlich Meedia berichtet.

Jetzt soll die Expansion durch neue digitale Produkte und Anwendungen fortgeschrieben werden. F&E-Chef Dreykluft will hierzu die tradierten Pfade im Digitaljournalismus verlassen. Ein erstes Zukunftsprojekt hat er bereits Anfang Oktober angeschoben. Der Name: Ambient News. Die Idee hinter dem Vorhaben ist einfach: „Wir wollen mit Ambient News Menschen helfen, ihren Einstieg in den Tag besser zu organisieren“, betont Dreykluft. Dabei will der NOZ-Manager neue technische Oberflächen nutzen und in das „Internet der Dinge“ vorstoßen. Bislang erreichen den Menschen digitale journalistische Inhalte klassisch über Computer, Smartphones oder Tablets. Neue Anwendungen aus den Laboren der Tech-Giganten Amazon und Google bieten jedoch neue Abspielflächen für digitale journalistische Inhalte. Dazu zählen LED-Glühbirnen, Lautsprecher wie Alexa, Google Home oder Magische Spiegel, die eine Art Bildschirm sind, der beispielsweise im Badezimmer eingebaut werden könnte.

Dieses Projekt traut sich, Journalismus mit dem Internet of Things (IoT) – früher hieß das Web 3.0 – zu verknüpfen. Bisher ist das ja noch eine Leerstelle in der Diskussion über den Journalismus in der digitalen Welt.

Die NOZ kooperiert dazu mit Google. Das zeigt, dass ein gravierendes Grundproblem bleibt. Den Zugang zum Nutzer, Rezipienten oder Kunden, die „letzte Meile“, kontrollieren die großen Internet-Konzerne. Die Abhängigkeit von fremden Algorithmen und Infrastrukturen bleibt, egal über welche „Devices“ die News bei den Nutzern landen.

Written by Östermann

11. November 2017 at 15:42

%d Bloggern gefällt das: