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Sensoren (13): Transformationsdynamik und Nachhaltigkeitswende – Reinhard Loske

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I

Der Youtuber Rezo hat vor der Europawahl mit seinem emotionalen Video die etablierten Parteien aufgeschreckt. Diese glauben, der Klimawandel sei eben „gegenwärtig“ das vorherrschende Thema bei den Bürgern. Der Eindruck ist unvermeidlich, dass sie die Zeichen der Zeit entweder bewusst ignorieren, leichtfertig übersehen oder einfach nicht verstehen. Die etablierte Politik ist ebenso wie die Wirtschaft immer noch viel zu sehr einem kurzfristigen Denken verhaftet.

Rezo hat sehr deutlich gemacht, worauf es im Kampf gegen die Klimakrise vor allem ankommt: Aufhören, Kohle, Erdöl und Erdgas aus der Erde zu buddeln und zu verbrennen. Und: Es bleibt nicht mehr viel Zeit, aus der fossilen Energiewirtschaft auszusteigen. Dieser Hinweis ist verdienstvoll, gerade weil die etablierten Politiker mehrheitlich nicht in der Lage sind, diesen Sachverhalt klar zu benennen.

Hier ausführlich das auch von Rezo zitierte Video, in dem Volker Quaschning und Maja Göbel die Dringlichkeit zu einem radikalen Politikwechsel erläutern.

II

Wenn – wie es scheint – gerade ein Bewusstsein für die Dringlichkeit in der breiten Öffentlichkeit entsteht, ist die Frage, wie die „große Transformation“, wie die Nachhaltigkeitswende gelingen kann. Dazu hat Reinhard Loske, bis vor kurzem Professor für Transformationsdynamik an der Universität Witten-Herdecke und jetzt Präsident der Cusanus-Hochschule, schon 2015 ein Buch veröffentlicht, das die vielfältigen Ansätze für den Klimaschutz und die dazu notwendige Nachhaltigkeitswende allgemein verständlich einordnet und erläutert. Besonders das Wechselspiel zwischen ökonomischer, sozialer und ökologischer Perspektive sowie die Handlungsmöglichkeiten einer zukunftsfähigen Politik nimmt er ausführlich in den Blick.

Sozialer Zusammenhalt und Gerechtigkeit sowie ökonomische Vitalität und Robustheit sind für die heute Lebenden und ihre Gesellschaften zwar elementare Bedingungen, dürfen aber nicht auf Kosten der lebensspendenden Natursysteme und -funktionen, der zukünftigen Menschheitsgenerationen und der Menschen in ärmeren Teilen der Welt gehen. All das erfordert langfristiges Denken und das Einbeziehen von Zukunftsbelangen in Gegenwartshandeln. (S. 14)

Daran müssen sich die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft messen lassen.

Loske erläutert den Begriff Nachhaltigkeit, der häufig für irreführende Werbebotschaften missbraucht worden ist, obwohl er – nimmt man die Transformation ernst – wohl unverzichtbar ist. Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz.

Bei der Nachhaltigkeit geht es darum, die Bedürfnisse der hier und heute Lebenden so zu befriedigen, dass sie
– zukünftigen Generationen,
– Menschen in anderen Teilen der Welt und
– der nicht-menschlichen Kreatur
nicht die Lebensgrundlagen entziehen, …

Besonders aufschlussreich ist seine ausführliche Betrachtung der politischen Nachhaltigkeitsstrategien, die sich an diesem Grundsatz messen lassen müssen. Loske ordnet die verwirrende Vielfalt an Ideen und Lösungsansätzen, die einen Beitrag zu einer nachhaltigen Gesellschaft leisten wollen. Er unterscheidet fünf grundlegende Strategien, wie ökologische Ziele zu erreichen versucht wird: Effizienz, Substitution, Suffizienz, Subsistenz und Kooperation.

Der alte Pfad ist nicht mehr attraktiv, in erreichbarer Nähe sind neue, lustmachende und bessere Wege erkennbar, auf die man gerne und aus freien Stücken wechseln möchte. Vielleicht, weil man mit viel weniger Ressourcenaufwand die gleichen Ziele erreichen kann (Effizienz), weil man statt schmutziger oder gefährlicher Technologie saubere einsetzen kann, um seine Ziele zu erreichen (Substitution). Weil man gar nicht (mehr) so viele Güter braucht, um zufrieden zu sein, also andere Ziele anstrebt als materielle (Suffizienz), weil man Freude daran findet, Dinge selbst zu machen, statt sie zu kaufen, und so eher dem Ziel der Autonomie als der Einkommenserzielung folgt (Subsistenz), weil man Ziele gemeinsam mit anderen verfolgen und Dinge gemeinsam nutzen kann, ohne sie besitzen zu müssen (Sharing). (S. 228)

Keine dieser Strategien ist für sich allein geeignet, die Klimaziele zu erreichen. Entscheidend ist, wie es gelingt, Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialziele mit einem integrierten Maßnahmenbündel gleichermaßen zu erreichen.

Die gerade in der Politik sehr beliebten Effizienzkonzepte leiden an zwei Problemen. Die niedrigen Energie- und Ressourcenpreise schaffen wenig Anreiz zur Effizienzverbesserung. Der Rationalisierungsdruck liege, so Loske, vielmehr auf dem kostenintensiven Faktor Arbeit. Es werden „eher Menschen als Kilowattstunden ‚arbeitslos‘ gemacht“. Das zweite Problem: Wo technische Effizienzpotenziale tatsächlich ausgeschöpft werden, tritt häufig der Rebound-Effekt ein. Die Effizienzgewinne werden durch Wachstumseffekte aufgefressen oder gar überkompensiert.

Die Substitution von fossilen Energieträgern durch erneuerbare Energiequellen ist zwingend, wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen. Die fossilen Brennstoffe müssen in der Erde bleiben. Eine für die etablierte Ökonomie provozierende Tatsache. Sie muss umdenken. Denn ökonomische Modelle werden sehr wohl gebraucht. Aber andere. So stifte, betont Loske, ein in die Energieeinsparung investierter Euro ungleich mehr für den Klimaschutz als ein Euro, der zur Subventionierung erneuerbarer Energien eingesetzt werde. Die Ökonomie könne helfen, die besten Instrumente und den besten Policy-Mix zu finden, der demokratische Entscheidungen mit ökonomischer Rationalität verbinde. Statt kohlenstoffreie Energieformen wie Windkraft oder Photovoltaik zu subventionieren wäre es sinnvoller, fossile Energieträger durch Privilegienabbau, Steuern und Abgaben zu verteuern.

Damit spricht Loske die CO2-Steuer an, die in der aktuellen Politik sehr kontrovers diskutiert wird und fast schon symbolisch für die Handlungsunfähigkeit der Politik steht. Dabei handelt es sich um ein besonders effektives Instrument. Wie der Staat sein Geld einnimmt und wofür er es ausgibt, ist für die Nachhaltigkeit der Gesellschaft und ihrer Wirtschaft essentiell. Aus dieser Perspektive ist das heutige Gefüge der Steuern und Abgaben schädlich. Notwendig wäre eine andere Gewichtung der Staatseinnahmen.

Höhere Steuern und Abgaben auf Ressourcenverbrauch, Konsum und leistungslose Kapitaleinkünfte und Vermögen (bei angemessenen Freibeträgen, besonders für mittelständische Unternehmen) sowie niedrigere Steuern und Abgaben auf produktive Arbeit und gemeinwohldienliches unternehmerisches Handeln in Genossenschaften, Familien- und Stiftungsunternehmen. (S. 136)

Als weiteres wichtiges ökonomisches Instrument steht der Abbau umweltschädlicher Subventionen zur Verfügung. Obwohl es für Politiker sehr reizvoll ist, „Geschenke“ zu verteilen, stellt Loske einen allmählichen Einstellungswandel gegenüber Subventionen fest. Dieses Umdenken für ökologische Ziele zu nutzen, ist das Gebot der Stunde. Sehr hoch liegen die direkt umweltschädlichen Subventionen für Schwerindustrie, Energiewirtschaft, Automobilindustrie und Autoverkehr, Bauwirtschaft, industrielle Landwirtschaft und Hochseefischerei.

Zurück zu den grundlegenden Strategien für die Nachhaltigkeitswende. Suffizienzstrategien setzen eher bei den Werthaltungen an. Verzicht steht natürlich im Gegensatz zur etablierten Ökonomie. Der homo oeconomicus verzichtet wohl kaum. Trotz eines gewissen Interesses der Mainstream-Ökonomie an neuen Konzepten der Wohlstandsmessung stößt die Erkenntnis, dass ab einem bestimmten Wohlstandsniveau die Lebenszufriedenheit nicht mehr ansteigt, in der dominierenden Ökonomie auf Ablehnung. Loske zeigt sich skeptisch, ob die Modelle der neueren Verhaltensökonomie zu einer Revision des überholten Menschenbildes der klassischen Ökonomie führen werden.

Kürzlich hat Loske in Agora42 (2-2019, S.54) die Bedeutung von Suffizienzstrategien gegenüber den bevorzugten Ansätzen der Ressourcen- und Energieeffizienz oder der Steuerung über Preisanreize betont.

Das sind aber alles keine hinreichenden Bedingungen für einen großen Wandel. Dengegenüber ist die Wohlstandsfrage, also die Frage: „Wieviel ist eigentlich genug?“ absolut zentral.

Die Subsistenz– oder Bedarfswirtschaft wird von der ökonomischen Forschung weitgehend ignoriert, obwohl immer offenkundiger werde, wie wichtig sie für die Armutsbekämpfung, den Schutz vor weltmarktbedingten Turbulenzen und den Erhalt der Naturgüter ist. Zugleich gewännen soziale Aktivitäten, wie Gemeinschaftsgärten, Reparaturcafés, Tauschringe oder Freiwilligendienste an Bedeutung.

Hier haben wir es mit sozialem Lernen und gesellschaftlicher Transformation von unten par excellence zu tun. (S. 111)

Die Frage ist, ob und wie solche sozialen Innovationen mit der Marktwirtschaft friedlich koexistieren können. Ist eine „Mixed Economy“ denkbar? Werden Kulturwandel, digitale Revolution und erhöhte sozial-ökologische Sensibilität eine Ökonomie hervorbringen, die ebenso sehr auf Kooperation wie auf Wettbewerb basiert?

Für Loske steht außer Frage, dass Kooperation und Gemeinwohlwirtschaft einen sehr großen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten können. Die Sharing Economy ist nur ein Beispiel.

Werden Räume, Autos, Geräte, Maschinen, Nahrungsmittel oder Kleidungsstücke gemeinschaftlich genutzt – also geteilt, getauscht, verliehen oder verschenkt -, braucht man in der Regel deutlich weniger Material, Energie und Fläche. (S. 113)

Die Tendenzen, die neue Kultur des Teilens der althergebrachten Vermarktungslogik zu unterwerfen, lassen erkennen, dass es entscheidend auf die Fähigkeit der Politik ankommt, für die Ökonomie des Teilens einen angemessenen Rahmen zu setzen. Gewinnen die kommerziellen Internet-Plattformen die Oberhand, wird es auch hier zu Rebound-Effekten kommen, die die Nachhaltigkeit dieser Modelle gefährden. Ähnliche Gefahren sieht Loske für die anderen Kooperationsformen, wie die Reintegration von Produktion und Konsum im Nahraum (Prosumption), die Wiederbelebung von regionalen Produktionsverflechtungen, die Reparatur von langlebigen Produkten und die Nutzung von Gemeingütern, z. B. durch lokale Nutzergemeinschaften.

Gefordert sei eine plurale Nachhaltigkeitsökonomik, die angesichts der Dimension der ökologischen Herausforderungen nur möglich sei, wenn sich die Akteure der verschiedenen Schulen nachhaltigen Wirtschaftens eine gesunde Portion Ambiguitätstoleranz zulegten.

III

Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.

So schreibt Goethe im West-östlichen Divan. Loske zitiert ihn (S. 18) als einen aus einer langen Ahnengalerie von Denkern, die alle wichtige Beiträge zum Nachdenken über Grenzen menschlichen Wirtschaftens, zum Erforschen der ökologischen Krise oder zur Nachhaltigkeitsdebatte geliefert haben. Die lange Liste reicht von Jared Diamond, Günter Anders, Ivan Illich oder Elinor Ostrom über George Orwell und Ernst Callenbach als Vertreter  negativer oder positiver Visionen bis zu James Lovelock, der mit seiner Gaia-Hypothese dazu einlädt, die Erde und ihre Biosphäre wie ein sich selbst regulierendes Lebewesen zu betrachten.

Loske sind diese Vordenker wichtig. Er hält die Methode, zuvor Gedachtes in die eigenen Reflexionen einzubeziehen und auf aktuelle Fragen anzuwenden, für essentiell. Das Buch wirkt vermutlich gerade deshalb so ausgewogen und fundiert, weil Loske mit seinen Überlegungen auf der breiten Palette von Arbeiten dieser Vordenker und Pioniere aufbaut.

IV

In dem bereits erwähnten Agora42-Interview (S. 52) umreißt Loske die Herausforderung des Klimawandels und der biologischen Vielfalt mit einer einprägsamen Zahl.

Wenn die Böden, Pflanzen und die ozeanische Deckschicht jedes Jahr 16 Milliarden Tonnen CO2 absorbieren können, wir als Menschheit aber 40 Milliarden Tonnen ausstoßen, dann ist das eben um den Faktor 2.5 zu viel.

Eine Transformation ist also unumgänglich. Loske ist mit seinem Ansatz daran gelegen, die Kreativität und die Lust der Menschen zu wecken, die beispiellose Herausforderung anzunehmen und anzugehen. Er plädiert für Teilhabe. Eine funktionierende Demokratie kann die notwendige Dynamik und Integrationskraft am besten entfalten, sofern es gelingt, die Vision einer nachhaltigen, freien und gerechten Gesellschaft zu zeichnen.

Politische Systeme, die kein idealistisches Leitmotiv (mehr) haben und keine visionäre Kraft, die nur noch kalte Ideale wie Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftswachstum oder Informationsgesellschaft propagieren, sind letzten Endes schwach und anfällig für Irrationalismus und totalitäre Ideen, … (S. 219)

Eine kraftvolle Vision rückt indes in weite Ferne, solange ökologische und soziale Ziele immer wieder gegeneinander ausgespielt werden.

Bei allen politischen Vorschlägen zur Förderung der Nachhaltigkeit sollten die distributiven Effekte deshalb stets mitgedacht werden, ob bei Ökosteuern oder der Umlegung von Investitionskosten für Maßnahmen der energetischen Gebäudemodernisierung auf die Mieterinnen und Mieter, bei Fahrpreisgestaltungen im öffentlichen Transportsystem oder der Förderung regionaler Wirtschaftsaktivitäten, bei der Besteuerung nicht-kommerzieller Sharing-Projekte oder der Verlängerung von Garantiezeiten für Gebrauchsgegenstände, in der Entwicklungszusammenarbeit oder der Gestaltung von Handelsabkommen – überall hat der Staat die Möglichkeit, die Interessen der „kleinen Leute“ in besonderer Weise zu berücksichtigen. (S. 223)

Wäre das nicht eine gute Idee für die schwächelnden Volksparteien, die anstehende Selbsterneuerung in diesem Sinne anzugehen?

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Mehr dazu s. auch
Sensoren (5): The Automation of Society is next – Dirk Helbing
Manifeste (7): Das terrestrische Manifest von Bruno Latour

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Liquid modernity oder die Beständigkeit des Wandels – Zygmunt Bauman

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Solid modernity wants to fix and control the future. Liquid modernity is after avoiding mortgaging the future. This means, leaving all possible options open. Not to fix anything forever.

So deutete der erst kürzlich verstorbene polnische Soziologe Zygmunt Bauman in diesem sehens- und hörenswerten Vortrag am Zentrum für angewandte Kulturwissenschaft des KIT in Karlsruhe unsere gegenwärtige Haltung gegenüber der Zukunft. Diese Haltung durchdringe alle Bereiche des Lebens, von der Politik bis in unseren Alltag.

In den letzten Jahren ist es Mode geworden, die Unwägbarkeiten unserer Zeit mit dem Akronym VUKA (oder engl. VUCA) zu bezeichnen. Oft bleibt die Bedeutung dabei vage und unbestimmt. Dieser Vortrag von Bauman aus dem Jahre 2012 im Rahmen der 16. Karlsruher Gespräche bringt mehr Licht ins Dunkel der Flüchtigkeit, Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit der aktuellen Verhältnisse. Vor allem wird deutlich, wie unausweichlich es geworden ist, sich mit den Unannehmlichkeiten des Lebens in der Ungewissheit anzufreunden.

Bauman vergleicht unsere Zeit des Übergangs mit einem Interregnum. Es sei dadurch gekennzeichnet, dass die alten Verfahren, die Dinge zu regeln, nicht mehr funktionieren, während jedoch die neuen Verfahren noch nicht entwickelt seien.

Früher lautete die Kernfrage: Was ist zu tun, um eine gute, sich selbst ausbalancierende Gesellschaft zu schaffen? Die Frage, wer dies umsetzen sollte, stellte sich gar nicht. Es war klar, dass dies der Staat sein würde. Er hatte alle Mittel dazu in der Hand. Heute hat sich die Gewichte genau umgekehrt. Die schwierige Frage, so Bauman, lautet nun: Wer ist in der Lage, das Modell einer guten Gesellschaft umzusetzen?

Wir erleben heute eine tiefe Spaltung zwischen Macht und Herrschaft. Macht (power) heisst nicht zwangsläufig Herrschaft (politics). Macht ist zu verstehen als die Fähigkeit, zu bewirken, dass Dinge getan werden. Herrschaft ist die Fähigkeit, zu entscheiden, welche Dinge getan werden sollen. Macht reicht über die lokale Reichweite der Herrschaft hinaus. Das sei der Kern der Problemanhäufung, die wir Globalisierung nennen. In beiden Sphären finden andauernd Aktivitäten statt, die jedoch in keiner Weise koordiniert sind oder miteinander kommunizieren. In der hochgradig vernetzten Welt sind wir zerrissen zwischen dem „space of flows“ und dem „space of places“, so Bauman im Rückgriff auf Manuel Castells und dessen Netzwerktheorie.

What we have today is a situation, in which the only permanence is change. … And the only certainty is uncertainty.

Über alle Ideologien hinweg – egal ob rechts oder links – galt lang Zeit die Vorstellung:

We did the change in order to finish the change. … Now, flexibility is the slogan of the day. It replaced solidity.

Das Prinzip unseres heutigen Lebens lautet:

The movement is all, the goal is nothing.

Unternehmen und Organisationen improvisieren, schließen die Lücken, bewältigen Krisen – ohne zu wissen, wohin der Weg führen soll.

Damit scheint zugleich das Ende aller Modernitäten besiegelt. Max Weber hat Modernität als instrumentellen Rationalismus beschrieben. Danach bestehe die Rationalität darin, die geeigneten Mittel auszuwählen, um ein gegebenes Ziel zu verwirklichen. Heute gehe es bei allen Spielarten der Modernität um die Rationalität der Möglichkeiten. Ausgangspunkt ist nicht mehr ein bestimmtes Ziel, sondern die Bandbreite an Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Welche Ressourcen haben wir? Was kann man damit machen? Wir tun, was wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln tun können. Weil alle handelnden Menschen und Organisationen sich so verhalten, entsteht die Ungewissheit immer wieder neu.

Das Schlagwort von Wandel als dem einzig Beständigen ist besonders im Kreis der Change-Berater sehr beliebt. Oft hinterlässt der Satz jedoch einen schalen Beigeschmack, weil er so wirkt, als ob der Wandel zum Selbstzweck erhoben werden soll oder als wollten Berater Nachfrage nach ihren Dienstleistungen wecken. Ganz anders bei Bauman. Die historische Einordnung in die Entwicklung der Gesellschaft und die Strömungen, die im Verlauf der Technisierung, Globalisierung und Digitalisierung   entstanden sind, gibt diesem Satz eine epochale Schlüssigkeit und bedrückende Dringlichkeit.

Written by Östermann

1. September 2017 at 17:32

Was gute Führung ausmacht (15): Collaborative leadership

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Menschen sehnen sich nach einer kreativen und wirksamen Zusammenarbeit. Doch sie fühlen sich allzu oft hin und her gerissen zwischen Konkurrenz und Kooperation. Peter Gloor, Kooperationsforscher am MIT Center for Collaborative Leadership, ist der Frage nach den Bedingungen gelingender Zusammenarbeit nachgegangen. Er kommt in einem Beitrag auf seinem Blog zu einer feinsinnigen Unterscheidung. Konkurrenz und Kooperation schließen sich nicht aus. Wir haben es immer mit Mischungen von kooperierendem und konkurrierendem Verhalten zu tun. Entscheidend ist, was als das höhere Gut angesehen wird. Es kommt darauf an, ob die Energie auf Konkurrenz oder Zusammenarbeit gelenkt wird.

The conclusion is that humans need to channel their competitive energies towards supporting collaboration – a process I call competitive collaboration. This is in contrast to collaborative competition, where humans collaborate to compete more effectively. Musicians in an orchestra are competitive collaborators, they collaborate to play the most beautiful music. Orchestra and audience are all elated and happy after the concert, with individual competition between the musicians channeled towards a superior collaborative experience. A soccer game demonstrates the opposite process of collaborative competition. The two soccer teams play against each other with each team internally collaborating to compete for victory, with one team ending up the winner, leaving the other, unhappy team in the dust, together with its disappointed fans.

Gloor unterscheidet zwischen crowd und swarm (s. Video ab Min. 1:05). Der Unterschied liegt in der Intelligenz und in der Emotionalität. Im Netz finden sich crowds häufig auf Twitter oder in Kommentaren, swarms hingegen auf Wikipedia, Facebook oder in Foren.

Ähnliche Muster sieht er (so führt er in dem oben zitierten Blog-Beitrag weiter aus) auch in der Wirtschaftswelt. Enron sei ein Beispiel für kollaborativen Wettbewerb. Ganz anders Gore als ein Beispiel für kompetitive Zusammenarbeit. Hier ein kurzlebiger Aufstieg und tiefer Fall, dort kontinuierlicher Erfolg seit 1958. Bei Gore gelten immer noch die Kernprinzipien des Gründers, „freedom, fairness, committment, waterline“.

Associates have the freedom to help others grow in knowledge, skill and responsibility. They should be fair against everybody they get in contact with. Associates are in a position to make their own commitments. Before engaging in a situation that might impact the waterline of the company by “sinking the ship” they should engage in consultation with other associates. In combination, these four principles result in a uniquely collaborative culture with highly engaged employees putting the long-term interest of the firm before their own individual interest.

Das kooperative und innovative Klima entsteht durch die Kommunikation unter den Mitarbeitenden auf der Grundlage dieser Werte. Es ist die Führung, die diese Kommunikation einführt, die somit den Weg bahnt von einer Kultur der kooperativen Konkurrenz zu einer Kultur der konkurrierenden Zusammenarbeit.

Gloor hat in langjähriger Forschung ein Modell für den Übergang zu einer Kooperationskultur entwickelt. Ein wichtiger Faktor ist das neue Führungsverständnis. Er nennt es „collaborative leadership“.

It is time for a new type of leader. Linus Torvalds, the creator of Linux, Tim Berners-Lee, who created the World Wide Web, and Jimmy Wales, the founder of Wikipedia, are exemplars of this new style of collaborative leadership. They are the undisputed queen bees of swarms of thousands of open source developers and Wikpedia editors. And yet neither Linus, Tim, nor Jimmy have the authority to fire any of their subordinates. Rather they lead by example and conviction, by carrying the responsibility for their respective projects. They constantly worry about the success of their innovations, and are themselves the chief creators, designers, and builders of their products. They are also evangelists and teachers, the flag bearers of their innovation, constantly singing the praises of the merits of their “labor of love”. They are also entrepreneurs, securing funding and engineering the growth of their enterprise. They are a new species of leaders, moving from Donald Trump style “home competitivus” towards “homo collaborensis”, rechanneling innate human competitive energy towards collaboration.

Auch wenn dieses Bild einer vorbildlichen Führungsperson empirisch fundiert ist, scheint mir die Gefahr einer Überhöhung Einzelner an der „Spitze“ sehr groß. Erst die Abgrenzung zum negativen Beispiel Donald Trump lässt  erahnen, wie ähnlich nützliches und schädliches Führungsverhalten erscheinen kann. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass dieses Verständnis von Leadership im Kontext von sechs Faktoren zu sehen ist, die Gloor als Merkmale einer „swarm-based competitive collaboration“ identifiziert. Er stellt diese Merkmale als umgekehrte Pyramide – er nennt sie „swarm leadership inverted triangle“ – dar. Die Figur des Leaders befindet sich also ganz unten und trägt das gesamte Gebilde.

In einem deutschen Zeitungsartikel betont Gloor ganz ähnlich die herausragende Rolle der Persönlichkeit an der „Spitze“ des Schwarms. Die „Bienenkönigin“ macht’s. Das erscheint mir gemessen an seinen ansonsten anregenden Forschungsarbeiten gefährlich verkürzt. Die Botschaft verengt sich dann nämlich sehr schnell auf die Leitfigur, auch wenn eine Bienenkönigin freundlicher erscheinen mag, als ein Leitwolf. Wir brauchen eine einzelne Führungspersönlichkeit, von der Leidenschaft getrieben, die für den Schwarm steht und alles wird gut. Sie sollte nur anders gestrickt sein als Donald Trump. Doch gerade Trump ist es zur Überraschung aller gelungen, Massen zu mobilisieren. Die kooperative Konkurrenz hat sich in diesem Fall durchgesetzt. Vielleicht würde Gloor antworten, dass Trump eben keinen swarm, sondern eine crowd mobilisiert habe. Denn seine Wählerschaft stelle nur eine Menschenansammlung dar, da ihr ein wichtiges Merkmal fehle: die Liebe.

Written by Östermann

11. Dezember 2016 at 18:21

Was gute Führung ausmacht (11): Von Journalisten lernen | Constructive News

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Mehr Nachrichten, die Lösungen aufzeigen. Das ist – kurz gefasst – die Botschaft, mit der Ulrik Haagerup, News-Chef beim Dänischen Rundfunk (DR), seit einiger Zeit für Aufmerksamkeit in der Medienwelt sorgt.

Klar, dass ein solcher Ansatz leicht missverstanden werden kann. Sollen Journalisten schlechte Nachrichten durch Schön-Wetter-Nachrichten ersetzen? Ist es nicht geradezu die Aufgabe von Journalisten, die Probleme der Welt aufzuzeigen? Redet hier jemand gar der Trivialisierung und Boulevardisierung das Wort?

Stefan Niggemeier, Journalist und renommierter Medienbeobachter, hat sich in der FAS, nachzulesen bei bei FAZ.net, ausführlich mit dieser Form des Positiv-Journalismus auseinandersetzt.

Das ist natürlich eine Berufskrankheit von Journalisten: immer nach dem Fehler im Bild zu suchen, nach der schlechten Nachricht, die die euphorische Pressemitteilung verschweigt, nach dem Krach hinter den Kulissen, vor denen Harmonie gespielt wird.

Haagerup setzt genau hier an und möchte die Journalisten von ihrer Berufskrankheit kurieren.

Dazu blickt er nicht nur auf Themenpläne, Ressorts und Schlagzeilen, sondern betrachtet auch die Organisation, die Kultur und den Führungsstil in den Redaktionen. Vor allem dann wird es interessant, wenn der Journalist und Selfmade-Führungsexperte zusammenfasst, welche Erkenntnisse und Schlüsse er aus der Lektüre bekannter Motivationspsychologen wie Daniel Goleman („Emotionale Intelligenz“), Frank J. Barrett („Appreciative Inquiry“) und Barbara Frederickson („Positivity“) gewonnen hat. Mit einfachen Worten beschreibt er, wie eine Führungskraft die „Griesgrämigkeit als Selbstzweck“, die er in vielen Redaktionen ausgemacht hat, bekämpfen kann. Gefragt sind „konstruktive Chefinnen und Chefs“, die authentisch, offen und begeisterungsfähig sind, eine positive Einstellung haben und auch mit Personen gut zusammenarbeiten, die ganz anders sind als sie. Und das gilt beileibe nicht nur für die Medienbranche.

Das hält Lars-Peter Linke, Unternehmensberater und früher selber Journalist, in dem Beitrag Gute Nachrichten: Wie Führungskräfte von Journalisten lernen können für den Blog des Hernstein-Instituts fest. Er erkennt Lernchancen auch für Führungskräfte in ganz anderen Branchen. Besonders hervorzuheben:

Etablieren Sie eine Kommunikationskultur, die in Präsentationen, Statusberichten etc. nichts beschönt und nichts verschweigt – und dennoch immer auch einen bestimmten Anteil an Zeit und Aufmerksamkeit für Ideen und Lösungsansätze reserviert.

Bei Haagerup selbst klingen die Grundsätze guter Führung vermeintlich ganz einfach:

Man solle zum einen die Menschen mögen und brauche zum anderen das Geschick, zwei Dinge zu kommunizieren: Was ist am Neuen besser als am Alten? Die Vision. Wie kommen wir gemeinsam von A nach B? Die Strategie.

Nach einer differenzierten Kritik an Beispielen aus der Praxis des konstruktiven Journalismus – sie reichen von der ZEIT über die taz bis zur Huffington Post, und natürlich kann DR selbst mit gelungenen Beispielen aufwarten –  kommt übrigens auch Niggemeier zu einem positiven Schluss. Haagerups Ansatz des „Constructive Journalism“ sei ein guter Anlass,

die täglichen Nachrichtenroutinen zu hinterfragen, blinde Flecken zu erkennen und neue Perspektiven zu suchen. Es geht darum, destruktive Mechanismen der Inszenierung und Dramatisierung von Ereignissen und Entwicklungen zu bekämpfen. Mechanismen, die nicht nur der öffentlichen Debatte schaden, sondern womöglich auch den Medien selbst.

Written by Östermann

16. Dezember 2015 at 19:00

Unternehmen als soziales Gehirn der Gesellschaft – Peter Kruse über die Studie zur deutschen Führungskultur

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Die Führungskräfte in Deutschland haben längst unbewusst erkannt, dass es jetzt um ein grundlegend neues Verständnis unserer Art zu Wirtschaften geht, meint Peter Kruse. Nach einer ersten Studie der Wertemuster von Führungskräften hat er nun die Ergebnisse einer zweiten vertiefenden Befragung für das Forum gute Führung vorgelegt.

Im Interview erläutert Peter Kruse wie und weshalb Führung zu einem gesellschaftlichen Thema avanciert ist.

Das Thema Führung ist deshalb in’s Spiel gekommen, weil eben auch Führung nicht mehr mit fertigen Konzepten arbeiten kann. Dann wird hierarchisches Tun immer schwieriger. Also, wenn alle mich angucken und fragen: Wo geht die Reise hin? und ich muss sagen: ‚Hallo, lasst uns mal gemeinschaftlich ausprobieren, wo die Reise hingeht.‘, dann fragt man sich natürlich: Was ist denn dann in diesem Kontext noch Führung?

Kruse sieht einen gesamtgesellschaftlichen Suchprozess, den wir alle erleben.

Wir sind am Anfang eines kulturell-subversiven Prozesses, der uns die nächsten Jahrzehnte beschäftigen wird.

So zitiert er Wolfgang Coy, der schon 1993 auf diesen langfristigen Prozess hingewiesen habe.

Unsere Kultur muss lernen, aus der klaren individuellen Orientierung herauszutreten und sich selber bewusst zu machen, dass wir in einem gemeinschaftlichen Suchprozess sind.

Dieser Suchprozess sei nur gemeinschaftlich, nicht über das Individuum zu lösen.

Wir müssen lernen. Wir waren jahrelang gewohnt, Theoriebildungsprozesse zu machen. […] die Theorie hat uns in die Lage versetzt, mit der Wirklichkeit geordnet umzugehen. Jetzt sind wir in einer Situation, in der die Theoriebildungsprozesse langsamer sind als die Realität. Das heißt, wir sind gezwungen, uns ganz der Situation zu öffnen. […] Wir müssen wieder lernen, mehr wahrzunehmen. Wir müssen uns klarmachen, es geht nicht mehr deduktiv. Es geht nicht mehr von einem Theoriezusammenhang zur Wirklichkeit, sondern induktiv, von der Wirklichkeit zu einem schnellen Verstehen von Zusammenhängen. Und das bedeutet, die Begriffe Induktion und Heurismus werden ganz zentral. Was mich fasziniert ist, dass Menschen in ihrem Alltagsleben dies auch ganz gezielt suchen.

In der Wirtschaft ist, so schätzt es Peter Kruse ein, die Bereitschaft, mit den Menschen zu denken, statt für die Menschen zu denken, schon deutlich größer als in der Politik. Hier müsse Politik lernen …

[…] dass man merkt, es geht nicht um Akzeptanzerhöhung. Das ist immer noch in den Köpfen von Politikern. Ich mache eine Entscheidung und dann beteilige ich die Menschen, um ihre Akzeptanz zu bekommen. Es geht nicht darum, die Akzeptanz zu erhöhen, sondern es geht darum, die Lösungen gemeinschaftlich zu entdecken. Und da haben die Leute in der Wirtschaft schon ganz gute Erfahrungen gemacht, dass das funktioniert, und dass das zu ganz neuen Formen der Motivation und […] Identifikation führt.

Damit stellt sich auch die Frage nach Vorhersagen für die Zukunft in einem anderen Licht. Die relevante Analyseeinheit sei nicht mehr das Individuum, sondern die Kultur.

Als das, was wir zwischen den Individuen aushandeln. Die Analyseeinheit wären dann kulturelle Kraftfelder. […] Die Menschen lassen sich immer mehr auf Kontexte ein. Das heißt, wir können sicher vorhersagen, dass für die Marktforschung ein Zielgruppenkonzept einfach nicht mehr funktioniert. Die Konstante im Individuum ist nicht mehr da. […]

Wohin driftet unsere Kultur? Wenn wir uns diese Erkenntnisebene erschließen, dann können wir noch Vorhersagen machen.

Aus der Befragung zieht er die Schlüsselerkenntnis,

dass der Erlaubnisraum für gesellschaftliche Themen bei den Führungskräften riesengroß ist. […] Wir sind in einer Situation, in der sich die Führungskräfte ausgebremst fühlen durch die alte Renditeorientierung. […] Das kulturelle Kraftfeld sagt, wir haben uns 20, 30 Jahre lang … in eine völlig falsche Richtung entwickelt. […] Dass Begriffe wie Coaching eine solche Bedeutung erlangen, hat damit zu tun, dass das Spannungsverhältnis, das die [Führungskräfte] spüren, sehr, sehr groß ist. Die machen etwas, weil sie es machen müssen, weil das Managementsystem es ihnen abverlangt. Die sitzen in Kennzahlenorientierungen, in Zielvereinbarungen, die sitzen in all dem drin. […]

Es geht um die grundlegende Neuorientierung von Wirtschaften.

Kruse hinterfragt auch die gängige Meinung, dass Angst oder Begeisterung unabdingbare Voraussetzungen für das Neue wären.

Ich habe früher geglaubt, es muss Katastrophe sein, es muss Angst da sein oder es muss Faszination da sein, das Neue muss schon ganz klar sein, damit sich Leute auf den Weg begeben.

Das ist […] ein sehr glücklicher Fall, etwas Neues damit beginnen zu können, dass man schon eine elaborierte Vision hat. Das ist schön, aber unserer Wirklichkeit nicht mehr adäquat.

Enterprise 2.0 sieht er als verschärfenden Faktor. Denn die klassischen hierarchischen Strukturen mit ihren üblichen Vorgehensweisen ließen sich nur noch bedingt beibehalten.

Das hat mal begonnen mit Team. Das war so er erste Schritt, dass man gemerkt hat: Na ja, der Einzelne, der alles im Griff hat, der wird es nicht mehr sein. […] Auf diesen Team-Begriff kommt nun der Netzwerk-Begriff inzwischen oben drauf. […] Man hat dann das Team, das ein Impulsgeber ist, und erhofft sich vom Netzwerk noch mehr Impulse. […] Wenn man das aber in die Netzwerk-Richtung schiebt, dann bekommt man ein Problem mit der zentrierenden Mitte. Man hat nichts mehr, was einen zusammenhält. Netzwerke haben eine höhere Zentrifugalkraft. Sie streben stark auseinander. Dann brauche ich zumindest so etwas wie eine gemeinschaftliche Vorstellung, wo soll die Reise hingehen? Da muss ich Rahmenbedingungen setzen, die in der Selbstorganisation aus dem, was möglich ist, das macht, was ich haben will.

Das Ideal: Auf der Basis einer gut ausgehandelten Wertestruktur in eine maximale Dynamik hineingehen. Dann, so Kruse, hat man ein soziales Gehirn.

Written by Östermann

12. Oktober 2014 at 13:16

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