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Unternehmensmodelle im Wandel (4): Netflix, die Freiheit und die Verantwortung

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„Netflix revolutioniert das TV-Geschäft.“ So oder so ähnlich texten die Medien zum Start von Netflix in Deutschland. Aber nicht nur mit ihrem geschäftlichen Erfolg macht Netflix von sich reden. Der Video-Streaming-Dienst glänzt auch mit einer ambitionierten Führungsphilosophie. Bereits 2009 hat Netflix seine Grundsätze unter dem Titel „Freedom & Responsibility“ veröffentlicht. Es geht um Kreativität und Selbstdisziplin, Freiheit und Verantwortung.

 

Beispiel: Team

Netflix vergleicht sich mit einem professionellen Sportteam – und stellt postwendend fest, dass die Metapher gut, aber nicht perfekt passe. Denn Sportteams haben eine feste Zahl an Positionen. Deshalb entsteht Wettbewerb um die freien Positionen. Netflix ist hingegen ein „Corporate Team“.

The more talent we have, the more we can accomplish, so our people assist each other all the time. (Folie 30)

Also kein Platz für „Krabbenkörbe“. Sie erinnern sich: Peter Kruse verwendet die Metapher für ruinösen internen Wettbewerb. Krabbenkörbe brauchen keinen Deckel. Die Krabben ziehen sich beim Versuch, aus dem Korb zu klettern, gegenseitig von der Korbwand.

Beispiel: Freiheit und Verantwortung

Netflix setzt auf verantwortungsbewusste Mitarbeitende, die Freiheit – vielleicht sollte man besser „Freiraum“ oder „Spielraum“ sagen – schätzen. Der Grund: Netflix wendet sich ab von durchkomponierten Prozessen. Denn Prozesse bringen verlockend starke Kurzfrist-Ergebnisse. Doch wenn der Markt sich plötzlich ändert, ist die Organisation unfähig, sich anzupassen. Verantwortungsvolle Mitarbeitende statt klare Prozesse sind die beste Gewähr gegen drohende Pfadabhängigkeit. Gegen das drohende Chaos setzt Netflix auf eine „Talentdichte“, die schneller wächst als die Komplexität (S. 54f).

Klar, es handelt sich um eine relative Freiheit (S. 60). Wer sich auf Netflix und seine Ziele voll und ganz einlässt, kommt in den Genuss der „Freiheit“ in den Grenzen des Systems Netflix. „Act in Netflix’s best interest“. Dieser Satz macht jede Menge Bürokratie überflüssig.

Beispiel: Zusammenarbeit

Netflix setzt auf Kooperation. Ein „straff gekoppelter Monolith“ (S. 90) eignet sich genauso wenig wie „unabhängige Silos“ (S. 91). „Hochgradig abgestimmt, lose gekoppelt“ (S. 92), das ist das Kommunikationsmodell, auf das Netflix setzt.

Weil’s so schön klingt, hier als Zitat, was hinter diesem Modell steckt:

Highly Aligned
– Strategy and goals are clear, specific, broadly understood
– Team interactions focused on strategy and goals, rather than tactics
– Requires large investment in management time to be transparent and articulate and perspective

Loosely Coupled
– Minimal cross-functional meetings except to get aligned on strategy and goals
– Trust between groups on tactics without previewing/aproving each one – so groups can move fast
– Leaders reaching out proactively for ad-hoc coordination and perspective as appropriate
– Occasional post-mortems on tactics necessary to increase alignment

Die Leitsätze klingen attraktiv, durchdacht und ausgewogen. Vielleicht gelingt es den Mitarbeitenden bei Netflix tatsächlich, die anspruchsvollen Grundsätze im Alltag zu leben.

Written by Östermann

3. Oktober 2014 at 12:33

Ende der Hierarchie und eine „pädagogisch dosierte“ Veränderungskultur – Thomas Sattelberger

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Netzwerkstrukturen werden bis 2023 „steile pyramidenhafte Hierarchien und Machtstrukturen abgelöst“ haben. Nun reiht sich auch Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand bei der Deutschen Telekom, in die Schar derer ein, die das Ende der Hierarchie kommen sehen.

In einem Beitrag für das Personalmagazin (5/2013) provoziert er mit dieser und anderen steilen Thesen die Zunft der Personaler. Besonders das Gesundheitsmanagement, die kulturelle Vielfalt in den Unternehmen und die Gewinnung von Talenten werden die Arbeitswelt von Grund auf verändern.

Beispielsweise werden in einer  „pädagogisch“ dosierten Veränderungskultur Reorganisationen nur dann durchgeführt, so Sattelberger, wenn der Firmenleitung die Belastungen bekannt sind. Oder: „Das Aussieben von Talent durch frühe Selektion und bildungsbürgerliche Auswahlverfahren wird bis 2023 der Begegnung auf Augenhöhe weichen.“

Lesenswert!

via http://www.inqa.de/DE/Informieren-Themen/Personalfuehrung/personalfuehrung-thomas-sattelberger-artikel.html

Written by Östermann

15. Juli 2013 at 21:44

Youtube – Das Fernsehen der Zukunft?

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In einem Beitrag für NDR Info beschreibt Wolfgang Stufflesser, wie Youtube das Fernsehen neu erfindet. Im Youtube Creator Space können sich Video-Blogger und junge Filmemacher aus aller Welt ausprobieren.

Und was macht nun das Fernsehen der Zukunft aus? Da hat jeder hier seine eigenen Ideen. Aber sie richten sich meist an ein sehr spezielles Publikum, weniger an die große Masse wie beim klassischen Fernsehen.

Und: Die Kreativen sehen sich erstaunlicherweise nicht als Konkurrenten an, sondern schieben sich gegenseitig ihr Publikum zu. Deshalb hat sich etwa der Sänger Peter Hollens mit dem Musical-Komponisten Tony zusammengetan. „Er macht Musicals, und mein Publikum hört gerne gute, gesungene Musik. Wenn wir was zusammen machen, bekommt er meine Abonnenten und ich seine – darum sind wir schließlich hier“, sagt Hollens. Konkurrenz, das sei eine Sache der Vergangenheit, sagt Comedian Eric Schwartz: „Früher gab es nur eine begrenzte Anzahl an Fernsehkanälen. Bei YouTube gibt es unendlich viele. Und das Publikum ist groß genug, um alle unsere Kanäle erfolgreicher zu machen.“

Ist Konkurrenz wirklich eine Sache der Vergangenheit? Kaum anzunehmen. Die praktisch unbegrenzte Verfügbarkeit der Kanäle hat jedoch die Spielregeln des Fernsehens radikal verändert. Der Wettbewerb der Video-Blogger ist riesig. Wer Aufmerksamkeit erreichen möchte, muss seine Kräfte bündeln. Das geht – jedenfalls in dieser Pionierphase – nur durch Kooperation. Die Knappheit besteht heute im Zugang zu Kanälen. Da scheint es im Moment nur einen „Kanal“ zu geben, der den Zugang zu den Kanälen kontrolliert – und der heisst Youtube.

Der Generation Y, für die das Experimentieren zum Lebensstil geworden ist, fällt es jedoch wesentlich leichter, zwischen Konkurrenz und Kooperation zu wechseln.

Youtube bindet junge Talente an sich, indem es Gelegenheiten schafft, sich auszuprobieren und sich zu professionalisieren. So professionalisiert sich Youtube selbst als globaler Player auf dem Feld, das früher „Fernsehen“ hieß.

Written by Östermann

12. April 2013 at 19:50

Veröffentlicht in Bildung, Innovation, Medien, Zukunft

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