Östermanns Blog

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Posts Tagged ‘Selbstverantwortung

Serendipity, Zufallsrauschen, Freiheit und Verantwortung

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Wird unser Leben von einem höheren Schicksal gelenkt? Oder vom Zufall? Wie können wir überhaupt verantwortlich sein für das, was uns widerfährt? Detlef Kühn sortiert die Gedanken dazu in einem Radiobeitrag für SWR2 Glauben, auch zum Nachlesen als Sendungsmanuskript verfügbar. 

In dem Film „Serendipity“ ist es die zufällige Begegnung von Jonathan und Sara, die die beiden mit dem Schicksal ringen lässt, sobald sie dem Zufälligen eine Bedeutung geben. Sie sind verliebt.

Der Münchner Psychologe Ernst Pöppel weist auf unsere beschränkte Wahrnehmung hin.

Es gibt keine Sinnessysteme für das Zufällige; ich kann den Zufall nicht erkennen, ich kann nur aufnehmen, was Bedeutung hat. Dies heißt, dass das Unvorhergesehene, das Zufällige, sofort aus der Welt des Beliebigen herausgenommen wird.

Der Philosoph Odo Marquard bringt es auf den Punkt:

Des Menschen Wirklichkeit ist überwiegend das Zufällige. Zufällig ist das, was auch anders sein kann. Aber wenn es anders sein kann, dann ist es häufig auch anders. Die zufällige Wirklichkeit umfasst Verschiedenes: Sie ist vielgestaltig, bunt. Diese Buntheit ist die menschliche Freiheitschance.

Wie wir in diesem „Zufallsrauschen“, wie der Wissenschaftsphilosoph Klaus Mainzer es nennt, aus den Möglichkeiten wählen, wie wir Kairos beim Schopfe packen, darin zeigt sich unsere Verantwortung.

Da fällt mir ein Text von Humberto Maturana und Pille Bunnell ein, in dem sich die beiden mit der Freiheit auseinandersetzen. Sie sehen die Freiheit und die Selbstverantwortung als zwei Seiten einer Medaille.

Wir sprechen von Freiheit, als ob es etwas mit momentanen Möglichkeiten zu tun hätte, aber Möglichkeiten sind nur insoweit Möglichkeiten, als sie von jemandem als solche erkannt werden. Sie sind nicht Möglichkeiten an sich. … Freiheit hat nichts mit Möglichkeiten zu tun, sondern damit, wie wir unsere Möglichkeiten in unserem Bewusstsein ausleben. Deshalb ist Freiheit eine Erfahrung, und es ist eine fundamentale Erfahrung.

Und weiter:

Freiheit ist die Erfahrung, für die eigene Verantwortung verantwortlich zu sein.

Wenn wir uns in unseren Situationen sehen lernen, können wir lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das ist Freiheit!

Zitiert aus: Maturana, Humberto/Bunnell, Pille: Reflexion, Selbstverantwortung und Freiheit. Zeitschrift Lernende Organisation (LO) 63, Sept/Okt. 2011,  S. 23 ff.

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16. Februar 2014 at 17:40

Was gute Führung ausmacht (3): Henry Mintzberg

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„Wo sieht sich ein Manager in Relation zu den Mitarbeitenden?“ Auch Henry Mintzberg geht dieser Frage nach. Anders als Thomas Gutknecht , der ein Modell anbietet, das Führung oben, unten, vorne oder hinten verortet, wertet Mintzberg Beobachtungen von Managern im Alltag aus. In den 90er Jahren hat er 29 Manager und Managerinnen jeweils einen Tag beobachtet. Er wollte wissen, was Manager tun. In seinem lesenswerten Buch „Managen“¹, 2009 erschienen, hat er seine Erfahrungen von damals mit zeitlichem Abstand noch einmal aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Manche Manager sehen sich selbst an der Spitze stehen – sowohl im hierarchischen als auch im metaphorischen Sinne: Sie stehen über denen, die ihnen berichten. … Im Allgemeinen gilt: Je stärker eine Organisation die Hierarchie betont, desto eher tendieren ihre Manager dazu, sich an der Spitze ihrer Einheit zu sehen. … Andere Manager siedeln sich selbst im Zentrum an, um das herum sich das Geschehen sowohl außerhalb als auch innerhalb der Einheit abspielt (S. 162).

Es gibt nach seinen Beobachtungen aber noch eine dritte Position.

Manager, die sich weder an der Spitze einer Hierarchie noch im Zentrum stehen sehen, sondern in einem Netz von Aktivitäten „omnipräsent“ sind.

Um also ein Netzwerk zu managen, muss der Manager überall in ihm agieren und sich auch selbst so begreifen. Er muss zu den Mitarbeitern hingehen, anstatt sie zu sich ins Zentrum zu zitieren (S. 164).

In einem Netzwerk ist also Beweglichkeit gefragt. Wenn er sich oberhalb des Netzwerkes sehen würde, so Mintzberg weiter, so befände  sich der Manager außerhalb des Netzwerks. Wenn er sich in der Mitte des Netzes wähnte, würde er es zentralisieren, die Kommunikationswege also so ordnen, dass sie stets über ihn laufen.

Was bedeutet das nun für die Führungskunst? „Ist ein Manager ein Chamäleon (S. 172)?“

Mintzberg lehnt die Vorstellung ab, wie sie beispielhaft Daniel Goleman vertritt, Führungsstile könnten, „je nach den Anforderungen der augenblicklichen Situation frei gewählt werden“. Ein Manager könne sein Verhalten nicht ändern, wie „der Golfer seinen Schläger wechselt“. Ein Chamäleon wechsle zwar die Farbe, nicht aber Schwanz und Zunge, schon gar nicht den Lebensraum.

Erfolgreicher sei, so stellt Mintzberg fest,

der Manager, dessen natürlicher Stil ins Umfeld passt, als derjenige, der seinen Stil entsprechend dem Umfeld wechselt oder das Umfeld an seinen Stil anpasst (ganz zu schweigen vom sogenannten professionellen Manager, dessen Stil vermeintlich zu jedem Umfeld passt) (S. 173).

Die Lernfähigkeit will Mintzberg den Managern allerdings dann doch nicht ganz absprechen.

Natürlich muss sich ein Manager mit Veränderung befassen, und zwar sowohl seiner eigenen als auch der seines Umfelds. … Während also jeder Manager einerseits seinen Job gestalten muss, muss er ihn andererseits auch schlicht erledigen. Das ist der Grund, warum der Managementstil nicht unabhängig vom Kontext und vom Ort seiner Ausführung gesehen werden kann (S. 174).

Stile sind das Eine, das praktische Tun ist das Andere. Das Tun ist es, was letztlich wirkt.

______

¹Mintzberg, Henry: Managen, Offenbach 2010 (2. Aufl. 2011)

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21. Juni 2013 at 20:42

Veröffentlicht in Leadership, Wirtschaft

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Warum wir lernen, Unternehmer zu werden

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Warum wir lernen

Die Selbständigen ohne Mitarbeiter werden immer mehr.

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16. Dezember 2012 at 23:02

Veröffentlicht in Arbeitswelt

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Rollenverständnis: Simons Systemische Kehrwoche – Blog Archive » Rollenverständnis

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Häufig setzen Mitarbeiter einseitig auf ihre „Zuständigkeit“ und verlieren den Zweck ihres Tuns aus den Augen. Fritz B. Simon hat in seinem Blog dieses weit verbreitete Problem angesprochen.

Es gibt ja, wenn man in Unternehmen schaut, sehr unterschiedliche Arten, wie Mitarbeiter ihre Rollen verstehen. Die meisten kümmern sich (immerhin!) darum, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen all das tun, was nach ihrer Ansicht zu ihrer Rolle bzw. ihren “Pflichten” gehört. Allerdings ist das aus systemischer Sicht nur suboptimal. Denn sie denken meist ziemlich eng und sehen ihre Aufgabe allein auf ihren eigenen Arbeitsplatz oder ihre Stelle begrenzt.

…Wer sich darauf ausruht, dass er seine “Pflichten” erfüllt hat, obwohl dies nicht zum Ziel führt, hat irgendwie nicht verstanden, dass seine eigentliche Aufgabe darin besteht, bestimmte, das Überleben der Organisation sichernde bzw. ihre Funktion definierende Ziele zu erreichen statt irgendwelche Mittel anzuwenden oder isolierte Aufgaben zu erledigen. Ein Jammer (für alle Beteiligten).

Mir scheint, mit dem über viele Jahrzehnte geübten Abteilungsdenken hat sich diese Haltung vieler Mitarbeiter unwillkürlich entwickelt. Den erlebten Kontext für die eigene Rolle auf den Organisationszweck zu erweitern, ist eine große Aufgabe. Letztlich ist ein neues Rollenbewusstsein auch eine der großen Herausforderungen – aber auch eine Chance – für „Enterprise-2.0“-Konzepte.

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26. Februar 2012 at 14:59

Otl Aicher: Nur das schöpferische Machen ist wirkliche Arbeit

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Ein Gedanke von zeitloser Aktualität. Otl Aicher über Tätigkeit, Arbeit und schöpferisches Machen:

… zwischen tätigkeit, arbeiten und machen sind essentielle unterschiede. die meisten menschen haben nur einen job, aber keine arbeit mehr, und von dem, der arbeitet, ist noch lange nicht gesagt, daß er etwas macht. machen ist ein selbst zu verantwortendes tun, an dem jemand mit konzept, entwurf, ausführung und überprüfung beteiligt ist. das, was er macht, steht unter seiner kontrolle und verantwortung und ist teil seiner selbst. machen ist die verlängerung des ich in die selbstorganisierte welt hinaus. im machen erfüllt sich die person. und dies in dem maße, als ein eigenes konzept, ein eigener entwurf beteiligt ist und in einer ständigen rückkoppelung aus dem machen erkenntnisse gewonnen werden für die korrektur von konzept und entwurf.
nur das schöpferische machen ist wirkliche arbeit, ist entfaltung der person. der entwurf ist das signum der kreativität, durch ihn wird aktivismus und job erst human. eine humane welt setzt eine arbeit und ein machen voraus, die durch den entwurf gekennzeichnet sind, weil im entwurf das motiv der person erscheint.

Gefunden im Systemagazin

Written by Östermann

12. Dezember 2009 at 13:01

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