Östermanns Blog

Medienwandel, Strategie, Unternehmensführung im Wandel, Komplexität, nächste Gesellschaft

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Ende der Hierarchie?

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Der amerikanische Managementvordenker Gary Hamel sieht das Ende des CEO kommen und meint: „Wir müssen Kontrolle verbinden mit der Freiheit des Internets”. Darauf weist Johannes Thoennessen in seinem Blog hin und spürt dem Widerspruch nach, der hinter dem hierarchischen Management heute steckt.

Thönnessen fragt:

„Könnte Führung nicht auch so funktionieren wie im Internet: Dass Menschen Einfluss und damit Macht haben, je mehr andere Menschen ihnen freiwillig folgen wie bei Twitter oder Facebook? Sicher schwierig, sich das praktisch vorzustellen. Aber wenn Unternehmen der Zukunft immer mehr zu lockeren und projektorientierten Interessengemeinschaften werden, könnte genau das tatsächlich passieren. Dann werden Menschen mit genialen Ideen andere anlocken und mit diesen die Ideen umsetzen – und dafür keine Titel und Positionen vorweisen müssen.“

Das regt zum Weiterdenken an. Der Trend zu Projekt- und Netzwerkstrukturen wird in der Praxis dort an Grenzen stoßen, wo die Transaktionskosten im Vergleich zu klassischen hierarchischen Strukturen zu hoch werden. Reinhard Sprenger weist in seinem Buch „Radikal führen“ auf diesen Aspekt hin, der heutzutage vielfach aus dem Blick geraten sei. Unternehmen seien – ökonomisch betrachtet – zum Zweck der „Marktausschaltung“ entstanden. Wenn für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen sämtliche Ressourcen auf Märkten beschafft werden müssten, wäre ihre Herstellung zu teuer.

„Die Interaktionen sind gleichsam ‚günstiger‘, weil die Hierarchie die individuellen Handlungen nicht über Preise koordiniert, sondern über Weisungen“, so Sprenger (Radikal Führen, S. 107)

Bei hohem Veränderungsdruck werden jedoch in Organisationen, um mit Bernd Schmid und Rainer Hehmann zu sprechen, „die Verhältnisse von Verordnung und schriftlicher Information abgelöst von … direkter Kommunikation und Abstimmung.“ In einem Aufsatz über „Vertikale Teamentwicklung“ von 1998 haben sie festgehalten:

Gewohnte Konventionen des Umgangs werden aufgelöst. Die damit verbundene Zunahme an Komplexität bringt Steuerungsprobleme für soziale Ereignisse und die daran beteiligten Personen. Es entsteht ein erhöhter Bedarf an Führung und auf Verwirklichung ausgerichteter Kommunikation, damit Gespräche und Treffen gelingen und für die Beteiligten befriedigend werden. Der Umgang miteinander muß sich für die neuen Ereignisse erst einspielen.

Der Aufwand für die Führungskommunikation in Unternehmen steigt unter solchen Bedingungen. Der Vorteil geringerer Transaktionkosten im Vergleich zum Markt schwindet. Auf der anderen Seite werden die hohen Transaktionskosten des Marktes durch das Internet dramatisch gesenkt.

Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich diese gegenseitig verstärkenden Entwicklungen ausbalancieren. Wie wird sich durch das Internet die Außengrenze von Unternehmen verschieben und löchriger werden? Wie werden Unternehmen zu Akteuren auf „Projektmärkten“? Und wie verändert sich dadurch die Hierarchie? Oder löst sie sich auf?

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Written by Östermann

17. März 2013 at 15:21

Der Berliner Flughafen und die Unwahrscheinlichkeit aller Kommunikation – Dirk Baecker im Interview

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„Sag mir wie ein Projekt beginnt, und ich sage dir, wie es endet.“ Die alte Projektmanager-Weisheit scheint sich beim Berliner Flughafen zu bestätigen. Die Wurzeln der massiven Probleme liegen in den Anfängen des Projekts. Dazu Dirk Baecker in einem Interview mit der FR:

Systemtheoretiker gehen von der Unwahrscheinlichkeit aller Kommunikation aus. Insofern verblüfft, dass man immerhin so weit gekommen ist, dass man darüber streiten kann, wie es weiter geht. Wenn man bedenkt, wie viele Akteure sich an einem solchen Großprojekt beteiligen, und wie viele ungleiche Interessen in einem solchen Großprojekt bedient werden müssen, lautet für einen Systemtheoretiker in der Tat die entscheidende Frage, wie diese Akteure und Interessen überhaupt unter einen Hut gebracht werden können.

Aus der ökonomischen Theorie weiß man, dass solche Projekte nur funktionieren können, wenn jeder Akteur von jedem anderen Akteur weiß oder zumindest ahnt, welches Risiko er eingeht, was das Risiko für ihn bedeutet und wie lange er es tragen kann. Das setzt umfangreiche Sondierungen und Vorgespräche im Vorfeld eines solchen Projekts voraus. Wer hier auf Eile setzt, setzt für alle anderen ein möglicherweise fatales Signal.

Written by Östermann

13. Januar 2013 at 14:05

Veröffentlicht in Gesellschaft, Leadership

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Planvolles Leben – Bernd Schmid über die Balance zwischen Unverbindlichkeit und zementierender Planung

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Kürzlich habe ich hier auf Pierre Zaoui aufmerksam gemacht, der eine überbordende Projektideologie beklagt. Dazu passt der aktuelle Blog-Beitrag von Bernd Schmid:

Life is what happens to you while you’re busy making other plans. (John Lennon)   Das Siw-Prinzip sollte eigentlich jedem bekannt sein. Denn tatsächlich gestaltet sich ein großer Teil der Lebensvollzüge danach. ……

Nicht bekannt? OK! Das Siw-Prinzip: Als wir vor fast 30 Jahren unsere Gartenwege pflastern ließen, war einer davon doch ziemlich krumm geraten. Ich sprach den befreundeten Maurermeister drauf an. Dieser kratzte sich am Kopf. Dann meinte er, da wäre nach dem Siw-Prinzip gearbeitet worden. Daraufhin kratzte ich mich am Kopf und fragte: Und was ist das für ein Prinzip? Er meinte spitzbübisch auf kurpfälzisch: So isch’s worre! (So ist es geworden!)“ …

Weiterlesen unter http://www.systemische-professionalitaet.de/berndschmid/bernd-schmids-blog/bl…

Written by Östermann

4. November 2011 at 22:36

Veröffentlicht in Intuition

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Wir denken nur noch in Projekten – zeitmagazin über die jungen Pariser Intellektuellen

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Über erhaltenswerte Räume spricht auch Pierre Zaoui: Räume, in denen nichts nützlich oder verwertbar sein muss. »Heute wird alles zu Kapital«, kritisiert er. »Humankapital, soziales Kapital, kulturelles Kapital. Wir denken nur noch in Projekten: Ziel, Mittel, Zeit. Das ist eine Ideologie, die das Ereignis zerstört.

via http://www.zeit.de/2011/40/Paris-Intellektuelle/seite-3

Written by Östermann

1. November 2011 at 22:13

Veröffentlicht in Arbeitswelt, Gesellschaft

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