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Der Junge aus Myanmar – Storytelling im Journalismus

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Wen die Kontextvergessenheit im Journalismus beschäftigt, möge dieses Video anschauen. Natalia Antelava erzählt von ihrer Begegnung mit Zio Zu, einem Jungen aus Myanmar, und was sie daraus für den Journalismus gelernt hat.

 

The thing is, give it a few years and there won’t be any distinction between digital journalism an non-digital journalism. There will be just journalism. And I’m convinced it will be better than anything that we had before. Already, the new measure of success for websites is not the number of clicks that you get on them, but the amount of time people stay on them. We want our audiences to be engaged. … We need to engage with stories that we cover better. We need to stay on stories.*

*Zitat im Video ab 14’40“.

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Written by Östermann

2. April 2017 at 15:25

Veröffentlicht in Medien

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The NewsScape – Wertschöpfung in der digitalen Medienwelt

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Viele Journalisten zerbrechen sich den Kopf, wie die Nachricht, die Botschaft, der Content den Nutzer im Web erreichen kann. Wenn die klassischen Kanäle, wie Radio, Fernsehen und Zeitung ihre orientierungsstiftende Kraft nach und nach einbüßen, ist ein neues Verständnis gefordert, wie sich die Nutzer in der digitalen Welt orientieren.

Eine Übersicht über die Kriterien, die bei der News-Produktion in der neuen Medienwelt relevant sein können, hat der Zukunftsberater Ross Dawson vor einiger Zeit vorgelegt. Die Landkarte erleichtert das Verständnis dafür, warum Nutzer ein bestimmtes Angebot akzeptieren.

Abhängig von der konkreten Situation im Alltag sind es die passenden Kombinationen verschiedener dieser Faktoren, die für die Wertschöpfung bei den Nutzenden entscheidend sind. Immer ist es eine Kombination aus dem Interface und einem oder mehreren dieser Leistungskriterien, die letztlich den Mehrwert erzeugt.

Gerd Leonhard macht dies am Beispiel Zeitung deutlich. Es geht nicht mehr nur darum, dass ich einen Artikel lesen kann, sondern wie ich ihn lese, wann ich ihn lese, wer was dazu gesagt hat, wer ihn auch gelesen hat – der ganze Kontext drumherum schafft erst den entscheidenden Mehrwert. Die Vernetzung macht es möglich, dass sich die Nutzer einen gemeinsamen Kontext schaffen.

Hartmut Rosa hat in seinem Buch „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“ (Frankfurt 2005, S. 231f.) auf das „Fernsehparadoxon“ hingewiesen. Menschen verbringen sehr viel Zeit mit Fernsehen, mehr als sie eigentlich wollen. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Hinterher fühlen sie jedoch oft eine seltsame Leere und können sich schnell nicht mehr an das Geschehen erinnern.

Das Geschehen auf dem Bildschirm steht in keinem Zusammenhang mit unseren übrigen Erfahrungen, mit unseren Stimmungen, Bedürfnissen, Wünschen etc. und reagiert nicht auf sie, es ist im (narrativen) Zusammenhang unseres Lebens nahezu vollständig „kontextlos“ oder unsituiert […] Es sind fremde Geschichten ohne innere Verknüpfung mit dem, was wir davor oder danach tun oder wer oder was wir zu sein glauben, daher „bleibt nichts zurück“. Anders verhält es sich dagegen, wenn solche Verknüpfungen hergestellt werden können: Für Star-Wars-Fans etwa, die in und mit ihren Helden leben, entsprechende Souvenirs sammeln, Konvente besuchen, Zeitschriften lesen etc., ist das Anschauen der neuensten Episode nicht kontextlos, es lässt sich im Horizont ihres Lebens und ihrer Identität ohne Mühe narrativ einholen […].

Auch bei Computerspielen und, wenn wir im Netz unterwegs sind, erleben wir ähnliche Phänomene. Wir sind sind gefesselt – und hinterher bleibt nichts übrig. Je mehr sich die Aktivitäten unseres Alltags von bestimmten räumlichen, zeitlichen oder sozialen Kontexten lösen, so Rosa, umso unwahrscheinlicher wird die Verknüpfung der mit ihnen verbundenen Erfahrung mit anderen Erlebnis- und Erinnerungskontexten. Die alte Weisheit: „Alles hat seine Zeit“ wird vor diesem Hintergrund zunehmend obsolet.

Vieles wird permanent verfügbar und nahezu beliebig mit anderem kombinierbar.

Diese Beliebigkeit zu durchbrechen und den journalistischen Content mit für die Nutzer relevanten Kontexten zu verknüpfen, das ist die Herausforderung für die Medienmacher heute. Anders als bei den klassischen Medien entsteht jetzt in der digitalen Medienwelt die Möglichkeit, als Nutzer aus der passiven in eine aktive Haltung, vom Konsumieren zum Partizipieren, zu wechseln. Medienmacher sind gefordert zu lernen, in welchen Situationen sie Nutzer erreichen können und wie sie ihnen helfen können, daraus wieder mehr Erlebnistiefe und vielleicht sogar bleibende Erfahrungen zu erzeugen.

 

Written by Östermann

14. Mai 2015 at 15:24

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