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Was gute Führung ausmacht (11): Von Journalisten lernen | Constructive News

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Mehr Nachrichten, die Lösungen aufzeigen. Das ist – kurz gefasst – die Botschaft, mit der Ulrik Haagerup, News-Chef beim Dänischen Rundfunk (DR), seit einiger Zeit für Aufmerksamkeit in der Medienwelt sorgt.

Klar, dass ein solcher Ansatz leicht missverstanden werden kann. Sollen Journalisten schlechte Nachrichten durch Schön-Wetter-Nachrichten ersetzen? Ist es nicht geradezu die Aufgabe von Journalisten, die Probleme der Welt aufzuzeigen? Redet hier jemand gar der Trivialisierung und Boulevardisierung das Wort?

Stefan Niggemeier, Journalist und renommierter Medienbeobachter, hat sich in der FAS, nachzulesen bei bei FAZ.net, ausführlich mit dieser Form des Positiv-Journalismus auseinandersetzt.

Das ist natürlich eine Berufskrankheit von Journalisten: immer nach dem Fehler im Bild zu suchen, nach der schlechten Nachricht, die die euphorische Pressemitteilung verschweigt, nach dem Krach hinter den Kulissen, vor denen Harmonie gespielt wird.

Haagerup setzt genau hier an und möchte die Journalisten von ihrer Berufskrankheit kurieren.

Dazu blickt er nicht nur auf Themenpläne, Ressorts und Schlagzeilen, sondern betrachtet auch die Organisation, die Kultur und den Führungsstil in den Redaktionen. Vor allem dann wird es interessant, wenn der Journalist und Selfmade-Führungsexperte zusammenfasst, welche Erkenntnisse und Schlüsse er aus der Lektüre bekannter Motivationspsychologen wie Daniel Goleman („Emotionale Intelligenz“), Frank J. Barrett („Appreciative Inquiry“) und Barbara Frederickson („Positivity“) gewonnen hat. Mit einfachen Worten beschreibt er, wie eine Führungskraft die „Griesgrämigkeit als Selbstzweck“, die er in vielen Redaktionen ausgemacht hat, bekämpfen kann. Gefragt sind „konstruktive Chefinnen und Chefs“, die authentisch, offen und begeisterungsfähig sind, eine positive Einstellung haben und auch mit Personen gut zusammenarbeiten, die ganz anders sind als sie. Und das gilt beileibe nicht nur für die Medienbranche.

Das hält Lars-Peter Linke, Unternehmensberater und früher selber Journalist, in dem Beitrag Gute Nachrichten: Wie Führungskräfte von Journalisten lernen können für den Blog des Hernstein-Instituts fest. Er erkennt Lernchancen auch für Führungskräfte in ganz anderen Branchen. Besonders hervorzuheben:

Etablieren Sie eine Kommunikationskultur, die in Präsentationen, Statusberichten etc. nichts beschönt und nichts verschweigt – und dennoch immer auch einen bestimmten Anteil an Zeit und Aufmerksamkeit für Ideen und Lösungsansätze reserviert.

Bei Haagerup selbst klingen die Grundsätze guter Führung vermeintlich ganz einfach:

Man solle zum einen die Menschen mögen und brauche zum anderen das Geschick, zwei Dinge zu kommunizieren: Was ist am Neuen besser als am Alten? Die Vision. Wie kommen wir gemeinsam von A nach B? Die Strategie.

Nach einer differenzierten Kritik an Beispielen aus der Praxis des konstruktiven Journalismus – sie reichen von der ZEIT über die taz bis zur Huffington Post, und natürlich kann DR selbst mit gelungenen Beispielen aufwarten –  kommt übrigens auch Niggemeier zu einem positiven Schluss. Haagerups Ansatz des „Constructive Journalism“ sei ein guter Anlass,

die täglichen Nachrichtenroutinen zu hinterfragen, blinde Flecken zu erkennen und neue Perspektiven zu suchen. Es geht darum, destruktive Mechanismen der Inszenierung und Dramatisierung von Ereignissen und Entwicklungen zu bekämpfen. Mechanismen, die nicht nur der öffentlichen Debatte schaden, sondern womöglich auch den Medien selbst.

Written by Östermann

16. Dezember 2015 at 19:00

Algorithmen gefährden die gemeinsame Agenda der Gesellschaft – Interview mit Christoph Neuberger

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In einem Interview der 3sat-Sendung Kulturzeit wies der Medienwissenschaftler Christoph Neuberger kürzlich auf die Gefahren hin, die durch die personalisierte Vorauswahl der Informationen auf Facebook und anderen Social Media entstehen.

Für den Journalismus bedeutet dies, dass er

eine ganz breite Palette an Informationen bereitstellen muss, damit wirklich zielgenau und passgenau Informationen zusammengestellt werden können.

Redaktionen, die selbständig eine Auswahl nach Nachrichtenwert treffen, seien deshalb unverzichtbar. Eine Auswahl, die uns

auf eine gemeinsame Agenda hin orientiert. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe, damit die Gesellschaft nicht zerfällt, wir nicht viele Informationsblasen haben, sich kleine Zirkel absondern, isolieren. Das ist eine Sorge, die schon länger diskutiert wird, dass es gar nicht zum politischen Streit kommt, weil sich alle Meinungslager abschotten, weil man sich natürlich lieber bestätigen lässt von anderen, als sich mit anderen auseinander zu setzen. Da hat der Journalismus nach wir vor eine ganz wichtige Aufgabe für die Integration der Gesellschaft. Man hat früher vom Lagerfeuer gesprochen, das das Fernsehen dargestellt hat. Als sich die Nation vor dem Fernseher versammelt hat. Da hat man nicht nur politische Informationen bekommen, sondern gemeinsamen Gesprächsstoff gehabt, hat eine gemeinsame Wissensgrundlage gehabt. Und das sollte auch in der digitalen Welt nicht verloren gehen.

Anlass für das Interview am 22. September 2015 war das neue  Nachrichtenportal Upday von Axel Springer und Samsung, das als wegweisend eingeschätzt wird. Upday kombiniert redaktionell aufbereitete und personalisiert gefilterte Inhalte.

Zum Thema Filterblase siehe auch Internet: Personalisierung – die neuen Gate-Keeper erzeugen gefährliche #Filter-Blasen

 

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5. Dezember 2015 at 14:21

Content vs. Channel: Aufhören, vom Kanal her zu denken – Story Circle – #socialmedia

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In der Social-Media-Welt wächst die Einsicht, dass nicht mehr der Kanal Ausgangspunkt einer medialen Inszenierung sein kann. Das passgenaue Zusammenspiel der Elemente einer Botschaft bestimmt letztlich ihre Wirkung. An dessen Anfang steht die Story. Darauf weist der Social-Media-Berater Mirko Lange in einem interessanten Blog-Beitrag hin.

Der Story Circle, den er vorstellt, zeigt anschaulich, aus welcher Vielfalt an Variablen mediale Inszenierungen heute schöpfen können.

Mit diesem Vorgehen können Sie auch die schöne (aber völlig widersinnige) Idee von der “Reduktion der Kanäle” auf den Müll schmeißen. Das höre ich immer wieder. Das ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall! Sie müssen nicht über weniger, sie müssen über mehr Kanäle kommunizieren. Zumindest dann, wenn es die Formate hergeben. Das Problem an der Kanaldenke ist, dass man für jeden einzelnen Kanal eigenen Content entwickeln will. Und muss – natürlich, wenn man vom Kanal her denkt. Wenn Sie aber vom Content her denken, dann entwickeln sie zuerst den Content – und wenn sie ihn schon mal haben, was spricht denn dagegen, wenn sie ihn über jeden möglichen Kanal verteilen. Ihnen muss doch geradezu daran gelegen sein.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Oder vielleicht doch, um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass jeder Content 1:1 zu allen Kanälen passt. Die Social-Media-Plattformen bilden ihre eigenen Kulturen heraus. Facebook tickt nunmal anders als Twitter oder Google+. Die Eigenheiten der Kanäle sollte man schon kennen, auch wenn die Story im Mittelpunkt steht.

via wyrschpartner.wordpress.com

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21. Dezember 2013 at 10:49

Internet: Personalisierung – die neuen Gate-Keeper erzeugen gefährliche #Filter-Blasen

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Wir stecken alle in unserer persönlichen Filterblase fest, meint Eli Pariser. Er weist bei TED eindrucksvoll auf die fatalen Folgen der Personalisierung  hin. Facebook, Google & Co. bestimmen unsere Informationsfilter. In der Sendergesellschaft gab es Gatekeeper. Menschen, die Informationen für uns ausgewählt hatten. Das Versprechen des Internets war, dass wir diese Begrenzung überwinden könnten und unsere Filter selber bestimmen können. Jetzt stellen wir fest, so Eli Pariser, dass die Maschinen mit ihren undurchsichtigen Algorithmen Informationen für uns kuratieren und jeden in seine persönliche Filterblase einlullen. Der Traum vom offenen Informationszugang sei gefährdet.

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15. Dezember 2013 at 14:13

Wo Menschen auf Informationen treffen, ist Journalismus – NetzLloyd als Beispiel einer zeitgemäßen Selbstbeschreibung

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Eine junge „Agentur für modernen Journalismus“ mit dem Namen NetzLloyd hat ihr Selbstverständnis in Worte gefasst:

Moderner Journalismus findet immer dort statt, wo Menschen auf Informationen treffen – sowohl in seiner Entstehung als auch in seiner Wahrnehmung.

Er ist frei in seiner Form und in seinen Darstellungsmitteln.
Er trägt der Tatsache Rechnung, dass sich Menschen über Themen (spontan) vernetzten.
Er initiiert und unterstützt diese sich immer neue bildenden Netzwerke durch das Hervorbringen neuer Informationen, durch Darstellen und Kuratieren von Daten und Wissen und durch Interaktion.
Moderner Journalismus nutzt alle vorhandenen technischen Möglichkeiten, alle Mittel zur Automatisierung und Datenverarbeitung und ist zugleich den traditionellen Regeln des Journalismus verpflichtet.
Aufgrund seiner Vielfältigkeit kann moderner Journalismus nur in Netzwerk basierten Organisationen entstehen.

Anspruchsvoll und zukunftsweisend. Spannend!

Written by Östermann

2. Februar 2013 at 12:17

Veröffentlicht in Innovation, Medien, Web 2.0

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„Original Reporting“ – traditioneller Journalismus stolpert auf dem Weg in die digitale Zukunft. Eine Studie über Philadelphia

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Einer der größten Stolpersteine auf dem Weg in die digitale Zukunft ist die traditionelle journalistische Kultur. Das stellt der amerikanische Journalistik-Professor C.W. Anderson in einer Studie über die Entwicklung des Lokaljournalismus in Philadelphia in den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende fest.

„Traditional media failed to see the potential for collaboration with new digitally-focused entrants, and maintained that they were the only ones who could reliably fulfil the goal of informing the public about the news.”

„In particular, local journalism’s occupational self-image, its vision of itself as an autonomous workforce conducting original reporting on behalf of a unitary public, blocked the kind of cross-institutional collaboration that might have helped journalism thrive in an era of fractured communication.”

Die etablierten Medien beharrten auf ihrem klassischen Grundverständnis, dass

„traditional journalism had to consist only of reporting original news.“

“My research demonstrated that the practice of original reporting was far from being either pure or unproblematic. The kind of work that constituted “original reporting” seemed increasingly difficult for journalists to define.“

Die traditionellen Medien hatten es versäumt, ein News-Netzwerk aufzubauen:

„Developments in the local Philadelphia news ecosystem seemed to be creating a situation in which it made rational sense to ‘network the news’ through institutional collaboration, hypertext linking, and formal and informal partnerships [but] such collaboration and innovation not only did not occur; it seemed to be purposefully thwarted.”

via
http://paidcontent.org/

C.W. Anderson selbst ausführlicher über seine Studie bei http://www.niemanlab.org/

Written by Östermann

27. Januar 2013 at 14:06

Kurator – das neue Bild des Journalismus? – derstandard.at über Armin Wolf

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Wolf ist ein Verfechter der Professionalität. Recherche, Selektion von Informationen, die redaktionelle Aufbereitung und Publikation, beispielsweise bei den Wikileaks-Dokumenten, dafür brauche es Journalisten. Das beste Umfeld bieten „nur professionelle Medien, weil man dafür Ressourcen braucht“. „Journalismus ist ein Beruf, den man in professioneller Struktur anwendet“, erklärte Wolf. Dabei ist Bezahlung ein wichtiger Aspekt. Nach Kommunikationsforscher Denis McQuail ist Journalismus „paid writing for public media with reference to actual and ongoing events of public relevance“.

Das schreibt derstandard.at über eine Vorlesung des ZIP2-Anchorman Armin Wolf an der Universität Wien.

„Letztlich ist Kuratieren das, was auch Journalisten bieten müssen. Das Gatekeeper-Modell ist hinfällig geworden. Das heutige Bild des Journalismus ist das des Kurators“, sagte Wolf.

Eine Rolle spiele dabei nicht nur das Senden, sondern auch das Empfangen. Wolf bemüht Bert Brecht: „Rundfunk ist von einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln.“

via derstandard.at

Written by Östermann

10. Juni 2012 at 10:16

Veröffentlicht in Medien

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