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Liquid modernity oder die Beständigkeit des Wandels – Zygmunt Bauman

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Solid modernity wants to fix and control the future. Liquid modernity is after avoiding mortgaging the future. This means, leaving all possible options open. Not to fix anything forever.

So deutete der erst kürzlich verstorbene polnische Soziologe Zygmunt Bauman in diesem sehens- und hörenswerten Vortrag am Zentrum für angewandte Kulturwissenschaft des KIT in Karlsruhe unsere gegenwärtige Haltung gegenüber der Zukunft. Diese Haltung durchdringe alle Bereiche des Lebens, von der Politik bis in unseren Alltag.

In den letzten Jahren ist es Mode geworden, die Unwägbarkeiten unserer Zeit mit dem Akronym VUKA (oder engl. VUCA) zu bezeichnen. Oft bleibt die Bedeutung dabei vage und unbestimmt. Dieser Vortrag von Bauman aus dem Jahre 2012 im Rahmen der 16. Karlsruher Gespräche bringt mehr Licht ins Dunkel der Flüchtigkeit, Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit der aktuellen Verhältnisse. Vor allem wird deutlich, wie unausweichlich es geworden ist, sich mit den Unannehmlichkeiten des Lebens in der Ungewissheit anzufreunden.

Bauman vergleicht unsere Zeit des Übergangs mit einem Interregnum. Es sei dadurch gekennzeichnet, dass die alten Verfahren, die Dinge zu regeln, nicht mehr funktionieren, während jedoch die neuen Verfahren noch nicht entwickelt seien.

Früher lautete die Kernfrage: Was ist zu tun, um eine gute, sich selbst ausbalancierende Gesellschaft zu schaffen? Die Frage, wer dies umsetzen sollte, stellte sich gar nicht. Es war klar, dass dies der Staat sein würde. Er hatte alle Mittel dazu in der Hand. Heute hat sich die Gewichte genau umgekehrt. Die schwierige Frage, so Bauman, lautet nun: Wer ist in der Lage, das Modell einer guten Gesellschaft umzusetzen?

Wir erleben heute eine tiefe Spaltung zwischen Macht und Herrschaft. Macht (power) heisst nicht zwangsläufig Herrschaft (politics). Macht ist zu verstehen als die Fähigkeit, zu bewirken, dass Dinge getan werden. Herrschaft ist die Fähigkeit, zu entscheiden, welche Dinge getan werden sollen. Macht reicht über die lokale Reichweite der Herrschaft hinaus. Das sei der Kern der Problemanhäufung, die wir Globalisierung nennen. In beiden Sphären finden andauernd Aktivitäten statt, die jedoch in keiner Weise koordiniert sind oder miteinander kommunizieren. In der hochgradig vernetzten Welt sind wir zerrissen zwischen dem „space of flows“ und dem „space of places“, so Bauman im Rückgriff auf Manuel Castells und dessen Netzwerktheorie.

What we have today is a situation, in which the only permanence is change. … And the only certainty is uncertainty.

Über alle Ideologien hinweg – egal ob rechts oder links – galt lang Zeit die Vorstellung:

We did the change in order to finish the change. … Now, flexibility is the slogan of the day. It replaced solidity.

Das Prinzip unseres heutigen Lebens lautet:

The movement is all, the goal is nothing.

Unternehmen und Organisationen improvisieren, schließen die Lücken, bewältigen Krisen – ohne zu wissen, wohin der Weg führen soll.

Damit scheint zugleich das Ende aller Modernitäten besiegelt. Max Weber hat Modernität als instrumentellen Rationalismus beschrieben. Danach bestehe die Rationalität darin, die geeigneten Mittel auszuwählen, um ein gegebenes Ziel zu verwirklichen. Heute gehe es bei allen Spielarten der Modernität um die Rationalität der Möglichkeiten. Ausgangspunkt ist nicht mehr ein bestimmtes Ziel, sondern die Bandbreite an Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Welche Ressourcen haben wir? Was kann man damit machen? Wir tun, was wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln tun können. Weil alle handelnden Menschen und Organisationen sich so verhalten, entsteht die Ungewissheit immer wieder neu.

Das Schlagwort von Wandel als dem einzig Beständigen ist besonders im Kreis der Change-Berater sehr beliebt. Oft hinterlässt der Satz jedoch einen schalen Beigeschmack, weil er so wirkt, als ob der Wandel zum Selbstzweck erhoben werden soll oder als wollten Berater Nachfrage nach ihren Dienstleistungen wecken. Ganz anders bei Bauman. Die historische Einordnung in die Entwicklung der Gesellschaft und die Strömungen, die im Verlauf der Technisierung, Globalisierung und Digitalisierung   entstanden sind, gibt diesem Satz eine epochale Schlüssigkeit und bedrückende Dringlichkeit.

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Written by Östermann

1. September 2017 at 17:32

Vorher Zaudern, nachher Hadern – Von der Tücke des Entscheidens

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Heute in der S-Bahn habe ich in „Kunst der Entscheidung“, einem Buch von Günther Ortmann voll erfrischender Betrachtungen und einem „Quantum Trost für Zweifler und Zauderer“ (Göttingen 2011) gelesen. Bei der Betrachtung der Entscheidungsschwäche erinnert er an

das  Unbehagen, das uns beschleicht, wenn wir uns entschieden haben. Sogleich beginnt der Zweifel an uns zu nagen, die nachträgliche Frage, ob wir nicht anders hätten entscheiden sollen. (S.23)

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Beim Aussteigen am Bahnhof fiel mir diese Werbung auf. Entscheidungsstärke ist gefragt. Wer wird sich die Gelegenheit schon entgehen lassen! Nicht lange überlegen! Zugreifen, bevor es zu spät ist!

Entscheidungsstärke, von keinem Zweifel angekränkelt, ist eine Gesundheit, die extrem ansteckend und in fortgeschrittenem Stadium unheilbar ist. Der Zweifel ist die Stimme der verschwiegenen Unmöglichkeit des Entscheidens. (S.22)

meint Ortmann mit feiner Ironie. Und wenn wir uns erst mal entschieden haben?

Bloß nicht zulassen, was im Theoriejargon auch „post-desicion regret“ genannt wird: das Leiden daran, womöglich eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. (S. 25)

Mit dem Thema beschäftigt sich übrigens aktuell auch der Württembergische Kunstverein in Stuttgart. „Vom Zaudern. Motive des Aufschubs, Übergangs und Abschweifens“, so der Ausstellungstitel. Im Einführungstext wird der Philosoph und Literaturwissenschaftler Joseph Vogl zitiert, der das Zaudern nicht als Aufhebung, sondern als „Schatten des Handelns“ begreife. Zugleich verweise Vogel auf die Widerständigkeit, die dem Zaudern innewohnte. Wende es sich doch

gegen die Unwiderruflichkeit von Urteilen, gegen die Endgültigkeit von Lösungen, gegen die Bestimmtheit von Konsequenzen … und das Gewicht von Resultaten … Das Zaudern hegt einen Komplexitätsverdacht; es folgt einer Arithmetik, die vom Hundertsten ins Tausendste geht“ (Joseph Vogl, Über das Zaudern, 2008, S. 108).

Written by Östermann

19. Juli 2013 at 16:29

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Alles wandelt sich – Bertold Brecht

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Petros Markaris, der griechische Schriftsteller und Wanderer zwischen den Kulturen, hat sich kürzlich beim Karlsruher Vortrag zu Bertold Brechts Gedicht „Alles wandelt sich“ bekannt.

Hier das Gedicht in einer TV-Fassung.

Written by Östermann

29. März 2013 at 00:17

Veröffentlicht in Zukunft

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Social Architecture

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Written by Östermann

14. April 2012 at 17:30

Veröffentlicht in Arbeitswelt, Leadership

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