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Globales Schlamassel, das Rhizom und die Frische des Anfangs

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Kürzlich hat der ungewöhnliche und provokante Denker Slavoj Zizek in DIE ZEIT die globale Situation „nach dem Ende des amerikanischen Jahrhunderts“ betrachtet. Dabei ist er auch auf das gegenwärtige Zeitempfinden eingegangen.

„Wie wollen wir verhindern, dass wir noch tiefer in den Strudel hineingezogen werden. Der erste Schritt wäre, das ganze pseudorationale Gerede über „strategische Risiken“, die wir als gegeben annehmen müssten, über Bord zu werfen – genau so wie die Vorstellung einer historischen Zeit als einem linearen Entwicklungsprozess, bei dem wir uns in jedem Moment zwischen verschiedenen Handlungsoptionen zu entscheiden haben. Wir müssen es als unser Schicksal akzeptieren, bedroht zu sein: Es geht nicht nur darum, Risiken zu vermeiden und vor dem Hintergrund der globalen Lage die richtigen Entscheidungen zu treffen; die wahre Bedrohung besteht in der globalen Lage insgesamt, in unserem „Schicksal“ – wenn wir weiter so handeln, wie wir es derzeit tun, sind wir zum Untergang verurteilt, ganz gleich, wie umsichtig wir vorgehen.

Die Lösung besteht also gerade nicht darin, überaus umsichtig zu sein und riskante Unternehmungen zu vermeiden. Wenn wir so handeln, gehorchen wir voll und ganz der Logik, die in die Katastrophe führt. Die Lösung ist vielmehr, sich des explosiven Gemischs aus Kreuz-und-quer-Verbindungen, das die ganze Lage so gefährlich macht, wirklich bewusst zu werden. Sobald uns das gelungen ist, sollten wir uns die langwierige und komplizierte Aufgabe in Angriff nehmen, die Koordinaten der Gesamtsituation zu verändern. Mit weniger ist uns nicht geholfen, wenn wir den Absturz unseres Planeten verhindern wollen.“

Dieses Bild vom „Gemisch aus Kreuz-und-quer-Verbindungen“ erinnert mich an die Metapher vom Rhizom, die Gilles Deleuze und Felix Guattari einst gewählt hatten.

Im Interview mit Alexander Kluge erläutert der Philosoph Joseph Vogl die Rhizom-Metapher, den Nutzen einer solchen „produktiven Entwendung“ von Begriffen und die „Frische des Anfangs“, die daraus erwächst.

Siehe dazu auch Vom Zeitpfeil zum sich öffnenden „Zeitraum“

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Written by Östermann

6. April 2015 um 18:01

Veröffentlicht in Gesellschaft, Strategie, Zukunft

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