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Was gute Führung ausmacht (4): Bernd Schmid über Führung als Regieleistung

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In der Managementliteratur wird Führung häufig auf die einzelne Person, ihre Kompetenzen, ihre Erfahrung oder gar ihr Charisma bezogen, die Führungsverantwortung trägt. Im Gegensatz dazu betont Bernd Schmid vom Institut für Systemische Beratung, dass Führung kaum zu beschreiben sei, ohne zu sagen, in welchem Kontext sie stattfindet. Er macht dies am Beispiel Fussball deutlich. Fussball lasse sich nicht verstehen, indem man einen Spieler auf dem Platz 90 Minuten beobachte.

Mit der Theatermetapher verdeutlicht er das Wesentliche der Führung. Führung heißt danach,

jemand durch Kommunikation bewegen, sinnvoll bei der Wirklichkeitsgestaltung mitzuwirken.

Führung ist also vergleichbar mit der Regieleistung am Theater. Der Regisseur muss

mit einer mehr oder weniger geteilten Vorstellung von einem Drehbuch durch Kommunikation Menschen – und je besser sie qualifiziert sind, mit umso mehr Eigentümlichkeiten – dazu bewegen, an der gemeinsamen Inszenierung sinnvoll und zielführend mitzuarbeiten.

Die richtige Führung gibt es nicht, so Bernd Schmid, erfolgreiche Führung schon, und zwar immer dann, wenn ein sinnvolles Zusammenspiel zustande gekommen ist.

Er verdeutlich das am Beispiel der ganz gegensätzlichen Führungsstile von Pina Bausch und John Neumeier, beide überaus erfolgreiche Choreografen. Pina Bausch, so Bernd Schmid, ist Kraftfeld und ermutigt die Tänzer und Tänzerinnen, die Inszenierung kooperativ zu erarbeiten. Sie arbeite also mit wenig Drehbuch. John Neumeier hingegen mache die Bewegung vor, die er meint. Sehr viel Kreativität in der konkreten Ausgestaltung der Inszenierung, sehr viel Anleitung und trotzdem hochsensibel, ob es für die Tänzer und Tänzerinnen passt oder nicht passt. Bei beiden komme ein sehr hochwertiges Ergebnis zustande. Es lasse sich nicht sagen: Was ist der richtige Führungsstil?

Bleiben wir noch ein wenig bei Pina Bausch und John Neumeier.

Die 40 Teilnehmer/innen haben völlig verschiedene Hintergründe, sind unterschiedlich alt und kennen sich zu Beginn der Probenzeit nicht – sie müssen sich erst zu einer harmonischen Gruppe zusammenfinden. Zu einer Gruppe mit dem gemeinsamen Ziel, das Stück zu erarbeiten und einzustudieren. Angeleitet werden sie dabei von den ehemaligen Bausch-Tänzerinnen Jo Ann Endicott und Bénédicte Billiet und von Pina Bausch selbst, die die Probenarbeit begleitet und regelmäßig vorbeikommt. Die Probenleiterinnen lernen die Jugendlichen mit der Zeit sehr gut kennen und können einschätzen, was ihnen zuzutrauen ist und was nicht. Der Film dokumentiert eindrucksvoll, wie sie die Teilnehmer fordern und fördern, wie sie Dinge aus ihnen herauszuholen verstehen, die die Schüler/innen von sich selbst nicht erwartet hätten. Der Zuschauer kann wunderbar die Entwicklungen verfolgen, die die Jugendlichen durchlaufen, er kann sehen, wie viel selbstsicherer sie werden, wie sie an ihren Aufgaben wachsen und wie sich das Stück Probe für Probe weiterentwickelt.

So schreibt das Online-Magazin Pflichtlektüre über einen Dokumentarfilm. Ein Kamerateam durfte Pina Bausch dabei beobachten, wie sie mit jungen Tanzlaien das Stück „Kontakthof“ einstudiert.

Und hier John Neumeier bei den Proben mit dem Bundesjugendballett für ein Ballett zu „Old American Songs“ von Aaron Copland.

Zurück zu Bernd Schmid:

Damit Führung gelingt, muss viel zusammengeführt werden. … Führung ist eine komplexe Kulturleistung, eingebettet in eine Organisationskultur. Führung kann als Gestaltungsdimension nicht isoliert werden. … Führung ist kein individuelles Verhalten. Führungskompetenz ist in Teilen eine persönliche Kompetenz (z.B. zuhören können). Die persönlichen Kompetenzen machen zusammen aber nicht die Führungskompetenz aus. Die kleinste Einheit, wenn wir über Führung nachdenken, ist die Führungsbeziehung. 

Mehr dazu im kompletten Mitschnitt eines Seminars mit Bernd Schmid:

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Written by Östermann

5. Dezember 2013 um 19:39

Veröffentlicht in Leadership

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