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Was macht uns wollen? Matthias Eckoldt über die Unfreiheit als Bedingung der Freiheit

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Menschliche Freiheit gründet immer auf Unfreiheit. Freiheit verstehen wir gerne als die Möglichkeit, tun und lassen zu können, was wir wollen. Aber was können wir wollen? Wo sind unserem Willen Grenzen gesetzt? Damit beschäftigt sich Matthias Eckoldt in einem interessanten und hörenswerten Beitrag zur SWR2 Aula:

„Wenn ich will, kann ich mein Geld den Armen geben“, sagte der philosophische Experte des Willens, Arthur Schopenhauer. Natürlich kann man so etwas tun, wenn man es will, aber eben nur, wenn man es will. Schopenhauer weiter: „Aber ich vermag nicht es zu wollen. Hingegen wenn ich einen anderen Charakter hätte, dann würde ich es wollen können: Dann würde ich auch nicht umhin können, es zu wollen, würde es also tun müssen.“ Wenn man einen anderen Charakter hätte, wäre man jedoch ein anderer Mensch. Wer wüsste das besser als Schopenhauer, der zeitlebens mit seiner Apanage hart kalkulieren musste. In seinem Gedankenexperiment sieht man schön die zwei Dimensionen des Problem der Freiheit. Einerseits gibt es da die Handlungsfreiheit – man könnte machen, was man will – und andererseits die Willensfreiheit – man kann nur machen, was man will. So ist uns Menschen zwar eine äußere Freiheit als Möglichkeitsraum von Handlungen gegeben, wir verfügen aber nicht über die innere Freiheit, unseren Willen nach Gutdünken zu beherrschen.

Weshalb der  Wille  gar nicht frei sein, sondern  abhängig von Bedingungen ist, die außerhalb seiner liegen, zeigt Eckoldt an einer Vielzahl von Quellen, dem Libet-Experiment der Hirnforschung, den Gedanken der strukturellen Kopplung sozialer Systeme bei Luhmann, dem Konstruktivismus bei Heinz von Foerster, den Grenzen der Wahrnehmung bei Kant, der „Anpassung“ in der Evolutionstheorie von Darwin oder dem Entstehen der bürgerlichen Gesellschaft bei Foucault.

Die lebenspraktische Konsequenz dieser Gedanken findet er bei Epiktet, der empfiehlt, unser Sinnen und Handeln auf das zu richten, was in unserer Gewalt steht.

In der Verwechslung veränderbarer und unabänderlicher Dinge und Sachverhalte liegt für die Stoa denn auch die Ursache allen menschlichen Leids. Um ein Beispiel zu bringen: Nicht veränderbar sind der missgünstige Kollege, der ungerechte Chef, der schon wieder gestiegene Benzinpreis, das Herannahen der dunklen Jahreszeit. Diese Liste nicht veränderbarer Dinge – die Liste der uns umgebenden Unfreiheit also – wäre beliebig fortzusetzen. Was aber ist dann überhaupt veränderbar? Veränderbar ist das Eigentliche, das uns dabei hilft, unsere Freiheit im Meer der Unfreiheit zu behaupten: Nicht die Dinge selbst sind zu verändern, sondern unsere Einstellung zu den Dingen.

Es ist wichtig, so scheint mir, an diese Grenzen des Willens zu erinnern. Vielleicht ist es diese andere Einstellung zu den Dingen, die unserer Willensbildung dient und unser „Willensvermögen“ mehrt. Denn wie sagt Joseph Kessels so treffend: „You can’t be smart against your will.“

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Written by Östermann

6. Oktober 2013 um 15:25

Veröffentlicht in Gesellschaft

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