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Was gute Führung ausmacht (2): Thomas Gutknecht über den Ort des Führenden

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In der Literatur wird häufig diskutiert, wo denn der Ort des Führenden sein solle. Beispielsweise sagt Lao-Tse: „Wer Menschen führen will, muss hinter ihnen gehen.“ Ein Wirtschaftsmagazin titelte kürzlich. „Führung ist vorn!“. Im traditionellen Verständnis ist Führung oben, in Texten, die spirituell orientiert sind, findet sich dagegen häufig der Hinweis vom dienenden Führen, bei dem sich der Führende unten ansiedelt und sich gleichsam als Wurzelboden versteht, der die Kultur trägt, die zur Blüte kommen soll. Wenn Sie es wollen, können Sie idealtypisch den Helden vorn (kämpfend), den König oben (wachend), den Weisen hinten (schützend) und den Heiligen unten (tragend) „ansiedeln“.

Auf diese Unterscheidung von Zugängen zur Führungsrolle hat Thomas Gutknecht, Philosoph und Berater, vor einiger Zeit in seinem Vortrag „Von der wahren Autorität und der Kunst des Führens“ aufmerksam gemacht. Da er sich kritisch mit den weit verbreiteten, oft großartig klingenden Führungsgrundsätzen und Leitbildern auseinander setzt und hinter Rezepten zum exzellenten Führen wohl zurecht nur Phrasen vermutet, ist ihm folgender Hinweis wichtig (s. S. 7):

Hier handelt es sich gleichwohl um Archetypen, denen sich ein Führungsverantwortlicher je besonders verpflichtet fühlen kann.

Das reichhaltige Redemanuskript gibt viele Anregungen zum eigenen Nachdenken, wie wir unserer Führungsverantwortung, die in fast allen Lebensbereichen eine Rolle spielt, gerecht werden können. Ein weiterer Aspekt guter Führung sei hier herausgegriffen (s. S. 12):

Sehr gute Führende verfügen nicht nur über gute Argumente und die Rhetorik, sie erzählen auch Geschichten. Menschen brauchen Geschichten, um zu verstehen. Menschen lieben Geschichten und sie orientieren sich an Geschichten, weil die vom Weg erzählen. Menschen finden zusammen, weil Geschichten von Gemeinsamkeit handeln. Menschen lernen leicht aus dem, was erzählt wird, weil Geschichten Erfahrungen vermitteln. Menschen werden taub durch die Fluten der Informationen und sofort hellhörig, wenn sie eine Geschichte hören. Menschen brauchen Geschichten als Humus für ihre Wirklichkeit, um die Gegenwart und sich selbst zu verstehen.

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Written by Östermann

24. Mai 2013 um 17:24

Veröffentlicht in Leadership

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3 Antworten

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  1. Sehr schön, danke – auch für den Link zum Manuskript!

    Vielleicht kann man die Frage, wo Führung sein muss (vorne, oben, hinten, unten), auch ganz anders stellen:

    In welchen Situationen müssen Führende als Könige, Ritter, Weise oder Heilige auftreten?

    Welche Haltung wählen sie dann?

    Welche Werkzeuge braucht es, um in Führungsverantwortung immer da die richtigen Antworten zu geben, wo es gerade nötig ist?

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    Karin Zintz Volbracht

    24. Mai 2013 at 17:58

    • Passend zur Situation eine „Haltung wählen“, das klingt irritierend. Ist es denn möglich, aus einem Repertoire an Haltungen bewusst auszuwählen?

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      Östermann

      26. Mai 2013 at 21:15

      • Oh ja, das geschieht eigentlich permanent, nur (leider) nicht immer bewusst. Das einfachste Beispiel ist, ob man das Glas nun „halb voll“ oder „halb leer“ sieht, bzw bewusst so sehen möchte.

        Beim Thema Führung und mit den Metaphern König, Ritter etc kann es ebenso sein: Wenn Sie sagen, mein Team braucht einen „König“, also jemanden, der sagt, wo es lang geht, der evtl. „durchregiert“, weil es sonst nicht läuft, dann nehmen Sie eine andere Haltung ein, als wenn Sie sehen, das das Team eigentlich schön und kreativ funktioniert und ein „König“ nur auf Widerstand treffen würde – dann braucht evtl. den „Weisen“, der im Hintergrund als Mentor/Coach zur Verfügung steht und das Team selbst glänzen lässt.

        Das ist natürlich auch eine Typ-Sache.

        Doch bewusst zu schauen, was da gebraucht wird und auch individuell passt – und dann die entsprechenden Führungswerkzeuge zur Verfügung zu haben – ist für mich ein wichtiger Schritt zu guter, flüssiger Führung.

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        Karin Zintz Volbracht

        27. Mai 2013 at 09:56


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