Östermanns Blog

Medienwandel, Strategie, Unternehmensführung im Wandel, Komplexität, nächste Gesellschaft

Kultur entsteht durch Kultur – Bernd Schmid über Vertrauen und Kontrolle

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„You can’t come together with suspicious minds“, hat Elvis Presley einst gesungen.

Heinz von Foerster hat das Vertrauen mit seiner ganzen Konsequenz in einem Interview so auf den Punkt gebracht:

„Vertrauen zeigt sich, wenn ich nicht zu prüfen brauche, ob das, was ein anderer gesagt hat, der Fall ist oder nicht. Wenn einer mir sagt: „Schau, hinter dir ist ein Elefant“, sage ich: „Da muss wohl ein Elefant sein.“ Dann drehe ich mich um; ist der Elefant verschwunden; merkwürdigerweise. Warum? Ich weiß nicht, warum, aber jedenfalls war hinter mir ein Elefant. Das nenne ich Vertrauen. Wenn der andere mir etwas sagt, sage ich: „Ich nehme es hin, wie er es sagt.“

In seinem Blog widmet sich Bernd Schmid den filigranen Abstufungen auf dem Kontinuum zwischen blindem Vertrauen und blindwütiger Kontrolle.

Ich fange mit einer einfachen Behauptung an: Wir wollen alle vertrauen!

Welche Reaktionen darauf können wir bei uns selbst beobachten?

Einfach: Ja! Ohne Einwände? Dann gehören wir zu den wenigen Ungebrochenen. Oder spüren wir ein: Ja, aber! oder Ja, wenn! ? Dann ist die Sehnsucht wach, aber gebrochen. Spüren wir ein: Besser nicht! Dann ist sie zerbrochen und Resignation dominiert. Spüren wir ein: Niemals! oder Träum’ weiter! Dann sind wir wohl schon zynisch geworden. Flucht in generelles Misstrauen. Spüren wir ein: Ja, unbedingt! Dann machen wir uns einer Flucht in die andere Richtung verdächtig.

Die guten Nachrichten: Kultur entsteht aus Gebrochenheit. Also keine Rückkehr zu Naivität. Und: Zyniker sind Idealisten, aber eben verprellte. Beide können sich schwer tun, der Spannung zwischen Sehnsucht und Realismus Stand zu halten.

Generell ist das Problem auch nicht zu lösen. Ich habe meinen Klienten immer gesagt: Mir ist nicht wichtig, ob Sie mir anfänglich misstrauen oder vertrauen. Wichtiger ist, ob Vertrauen oder Misstrauen blind oder wach sind! Sind sie wach, dann werden Sie mir vertrauen, wenn ich es verdiene. Blindes Vertrauen ist also nicht besser als blindes Misstrauen und führt am Ende meist zu Misstrauen.

Und weiter …

Gesunde Gemeinwesen brauchen Kontrolle, vorrangig gelernte und kulturell bestärkte Selbstkontrolle. Außenkontrolle soweit notwendig, möglichst nur übergangsweise und dann als Sicherung im Hintergrund. Vertrauenskultur darf nicht zahnlos sein. Sonst wird sie zu verwundbar gegenüber Störern.

Vertrauen hat viel mit Leistung zu tun. Risiko und Kreativität sind nötig, um Gemeinwesen lebendig zu halten. Zur positiven Risikokultur gehört, dass Lernen aus Fehlern akzeptiert wird und dass durch Rahmen verhindert wird, dass sich Fehler unbemerkt in gefährliche Dimensionen auswachsen. Das funktioniert nur, wenn Verantwortungsdialoge als selbstverständlich institutionalisiert sind und dabei alles auf den Tisch kommt. Das wiederum ist nur der Fall, wenn Vertrauen in den guten Umgang damit gewachsen ist.

Daher unser Motto: Kultur entsteht durch Kultur und Beispiele machen Schule.

Lesenswert!

Und wie blickt Wilhelm Busch auf Vertrauen und Misstrauen, auf die beiden „Nachbarskinder„?

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Written by Östermann

14. April 2013 um 16:52

Eine Antwort

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