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Kybernetischer Humanismus – Bernd Schmid Spezial

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„Die höhere Vermittlung kann nur noch von der maschinistischen Moderne her geleistet werden. Sie muss sich als die größere menschliche Kraft erklären. Man muss Kybernetiker werden, um Humanist bleiben zu können. Von einer technohumanen Kultur, die mehr als eine erfolgreiche Barbarei sein will, werden vor allem zwei Dinge verlangt: psychologische Bildung und kulturelle Übersetzungsfähigkeit. Die Mathematiker müssen Poeten werden, die Kybernetiker Religionsphilosophen, die Ärzte Komponisten, die Informatiker Schamanen. Aber war Humanität je etwas anderes als die Kunst, Übergänge zu schaffen?“

Mit diesen Worten schließt Peter Sloterdijk eine Vorlesung im Rahmen des Studium Generale 2007 an der Universität Tübingen. Bernd Schmid lässt sich davon in seinem Blog zu Gedanken über die Steuerbarkeit „des Schiffes“ in der heutigen Zeit anregen: 

„Das Schiff muss gesteuert werden, soweit im Spiel dieser Kräfte Steuerung möglich ist. Und vielleicht ist es gar nicht so schlimm, wenn Machbarkeits- und Sicherheitsphantasien platzen. Dann können wir dem Diktat der Beherrschbarkeit ein neues aufgeklärtes Weltbild entgegenstellen, das kreative Gestaltung, aufeinander angewiesen sein und sich anheim stellen neu integriert. Da Expertokratien unsere Probleme offensichtlich nicht lösen, müssen und dürfen wir unser Schicksal wieder beherzt in die eigenen Hände nehmen. Regressionen in illusionäre Spielarten animistischer, maschinistischer und personalistischer Traditionen würden uns die Kraft dafür rauben und an der heute möglichen Menschenwürde zehren. Fundamentalismus jeder Couleur gießt nur Öl in ohnehin kaum zu begrenzende Brände. Wir brauchen eine neue Aufklärung und neue Koalitionen und Kooperationen auf allen Ebenen der Gesellschaft, wenn wir eine Chance haben wollen. Ein Zurück gibt es nicht. Vielleicht werden wir auf längere Zeit nicht bestimmen können, wo wir uns wirklich befinden und wie der neue Kurs sein soll. Was wir aber tun können, ist an Bord eine neue Kultur einüben, die das Aushalten von Unsicherheit, den Abschied von überkommenen Traditionen und die gemeinsame Entwicklung neuer Selbstverständnisse und Beziehungen integriert.“

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Written by Östermann

29. Januar 2011 um 18:13

Veröffentlicht in Gesellschaft

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