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Beständige Beziehungen im Netz – Mangelware? / Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen

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Kurz vor der Jahrhundertwende wurde weltweit die „Generation @“ als Leitbild einer neuen Computerkultur ausgerufen. Die nächste Generation sollte ganz selbstverständlich mit und in virtuellen Welten leben. Doch der von Bill Gates stolz propagierte „Web Lifestyle“ stößt in Deutschland zunehmend auf psychische und soziale Grenzen. Die „kaum mehr überschaubare Medienflut“ produziert Infostress: „Man fühlt sich förmlich überrollt“ meint mittlerweile eine knappe Mehrheit der Bevölkerung (1998: 40% – 2010: 51%). Und Internet, das Netz der Netze, ist inzwischen zur größten persönlichen Enttäuschung der Deutschen geworden. Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger ist zu der Überzeugung gelangt: „Die mitmenschlichen Kontakte werden dadurch seltener. Die Vereinsamung nimmt eher zu“ (1998: 41% – 2010: 59%). Dies geht aus repräsentativen Vergleichsstudien der Jahre 1998 und 2010 hervor, in denen die BAT Stiftung für Zukunftsfragen bundesweit jeweils 2.000 Personen ab 14 Jahren nach ihren Einstellungen und Erfahrungen zur Medienentwicklung befragt hat.

„Im Internetzeitalter klaffen Wunsch und Wirklichkeit immer mehr auseinander“, so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen. „Neue Kontaktnetze sind oft nur einen Mausklick weit entfernt, können aber zwischenmenschliche Beziehungen immer weniger ersetzen, weil sie oberflächlich und beliebig bleiben. Mailen, Chatten und Surfen sind zwar zum digitalen Volkssport für die junge Generation geworden. Aber viele junge Leute zappen durch ihr Leben und warten auf Beständigkeit vergebens.“

Immer mehr junge Leute geben offen zu, dass sie im Internet selbst „eine Rolle spielen“ und „sich anders geben“ können als sie wirklich sind (1998: 29% – 2010: 49%). Auch nutzen viele den Computer als Rückzugsnische mit der Begründung, auf dieser Weise „dem Stress und der Hektik des Lebens zeitweilig zu entfliehen“ (1998: 30% – 2010: 44%). Gut ein Drittel der jungen Generation (1998: 30% – 2010: 37%) glaubt sogar, Defizite des Lebens durch die Beschäftigung mit dem Computer ausgleichen zu können. Professor Opaschowski: „Für die junge Mediengeneration ist die Computerkultur ein zweites Leben (‚Second Life’) geworden. Avatar lebt: Im Internet können sich die jungen Leute immer wieder neu erfinden. Der Wunsch kommt auf: Mehrere Leben leben!“ Dennoch glauben nur wenige (1998: 27% – 2010: 26%), dass diese Einstellung Auswirkungen auf die Werteorientierung ihres Lebens hat. Das Internet ist für sie nur eine Schau-Bühne, auf der sie spielen und gelegentlich auch probeleben können.

Die Öffentlichkeit des Netzes ist anscheinend eine unüberwindliche Hürde, wenn es darum geht, sich authentisch im Netz zu zeigen. Aber woran lässt sich überhaupt festmachen, was „echt“ ist und was „Rollenspiel“?

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Written by Östermann

1. April 2010 um 12:53

Veröffentlicht in Gesellschaft, Web 2.0, Zukunft

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