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Die Welt auf BBC – Fluter.de über Medienwelten

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fluter.de Archiv Nr. 81 : „Medienwelten“ | Juli & August 2009

Der Kosmos

Die Welt auf BBC.com

Alva Gehrmann | 3.8.2009

Fühle ich mich heute nach einer grüner Website oder sollte der Hintergrund lieber rosa sein? Will ich auf der Startseite nur Sportnachrichten und den Wetterbericht lesen oder möchte ich dort auch politische Nachrichten mit den Wirtschaftsnews sehen? Bei BBC.com können sich die User/innen ihre Internetseite individuell gestalten. Es braucht nur ein paar Klicks und schon sieht die BBC-Seite völlig anders aus.

Das Internetangebot der britischen Rundfunkanstalt ist mit über zwei Millionen Seiten eines der umfangreichsten Angebote im Netz: die Welt auf einer einzelnen Website, so könnte man es zusammenfassen. Die British Broadcasting Corporation hat eine lange Tradition – 1922 wurde der erste Radiosender gegründet, später kamen weitere Radioprogramme, Fernsehsender und das Internet hinzu. Die BBC genießt ein hohes Ansehen. Schon während des Zweiten Weltkrieges hörten viele Deutsche heimlich deren Radioprogramm, hier erfuhren sie, wie es wirklich um ihr Land stand. Die BBC – das stand für die Wahrheit. Bis heute genießen die News und Dokumentationen der britischen Rundfunkanstalt ein hohes Ansehen.

Tipps aus dem Writers Room

Auf dem Internetportal werden alle klassischen Ressorts abgedeckt: Nachrichten (nach Kontinenten sortiert), Sport, Business & Finanzen, Unterhaltung, Musik, Kultur, Wissenschaft und das Wetter. Bei den meisten Ressorts betreiben BBC-Reporter/innen ihre eigenen Blogs. Doch das Angebot von BBC.com geht über die reine Berichterstattung hinaus. So gibt es auch die Rubrik „Religion & Ethik“, „Garten“ und einen eigenen „Writers Room“, wo man Tipps bekommt, wie ein Drehbuch für eine Comedy-Episode oder ein Drama aussehen sollte. „Der BBC Writersroom sucht immer nach frischen, neuen, talentierten Schreibern, die Großbritannien verändern“, heißt es dort. Vermutlich sind damit vor allem Landsleute gemeint, aber einsenden kann jeder sein Skript.

Dazu auf fluter.de
Einzelkämpfer
Als Korrespondent in Israel
Kriegsjournalismus
Chroniken des Konflikts

Wer glaubt, sein Englisch sei dafür noch nicht gut genug, kann es bei „Learning English“ trainieren. In dieser Rubrik gibt es zum Beispiel Sprachkurse für Journalisten/innen, die politische Begriffe in kleinen Lerneinheiten beigebracht bekommen. Hier erfahren User/innen, was eine „lame duck“ ist. Die Antwort: ein Präsident oder Politiker, der keine Macht mehr hat. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush wurde am Ende seiner Amtszeit immer wieder so bezeichnet. Außerdem gibt es Kurse im Business-English, aber auch Schulmaterial für Lehrer/innen mit „funky phrases“ zum Thema Kleidung, Partys oder Dating.

Eine weitere Englisch-Übung, die sicher vielen hilfreich ist, sind die Erklärungen zu aktuellen Berichten. Zum Beispiel in einem kurzen Artikel über Michael Jacksons Tod, in dem Begriffe vorkommen, die für Nicht-Native-Speaker zu kompliziert sein könnten. „TV stations here carried live coverage of the helicopter’s journey“, heißt es darin. Der gefettete Begriff wird dann umschrieben mit „broadcast news and events as they happened“. Die Macher dieser BBC-Sprachseite haben auch eine eigene Seite auf YouTube, wo ein junger Mann mit dicker Hornbrille typisch britische Redewendung erklärt.

Will man wie die BBC weltweit erfolgreich sein, müssen die Inhalte aber auch in anderen Sprachen veröffentlicht werden: von Albanisch, Arabisch und Französisch bis hin zu Hindu, Portugiesisch, Somali, Urdu und Vietnamesisch. News gibt es in 32 Sprachen: nur nicht auf Deutsch!

Spätestens in der Rubrik „Sport“ merkt man, dass es sich um eine britische Website handelt. Denn hier wird viel über traditionelle Sportarten wie Cricket berichtet, die auch heute noch in den ehemaligen Kolonien des Commonwealth beliebt sind – etwa in Indien. Bei wichtigen Sportereignissen wie dem Tennisturnier von Wimbledon oder dem Finale der U21-Fußball-Europameisterschaft, bei der Deutschland die Briten im Finale mit 4:0 besiegte, informiert ein Live-Text die User/innen. Außerdem gibt es TV-Nachrichtenclips mit „News in einer Minute“ und das frei zugängliche Radioprogramm.

3,6 Milliarden Klicks – pro Monat

Besonders stolz wird seit 2007 der BBC iPlayer beworben, mit dem man sich über 250 TV-Serien und Shows ansehen kann. Bis März 2009 sollen rund 360 Millionen Menschen diese Sendungen genutzt haben. Zum Angebot gehört auch die Live-Berichterstattung bei Musikfestivals (mit einer eigens dafür im MTV-Stil gestalteten Seite), wo etwa Clips von The Ting Tings und Blur zu finden sind. Usern außerhalb Großbritanniens bringt der iPlayer jedoch nichts, da das Programm nur im Vereinigten Königreich zu sehen ist. Man sei sich bewusst, dass der Bedarf für eine internationale Version groß ist, heißt es dazu auf der Internetseite.

Eine ungewöhnlich knappe Antwort, denn sonst bleiben auf der BBC-Page kaum Fragen offen, alles wird erklärt oder erzählt. Selbst die eigenen Krisen sind dokumentiert – schließlich ist die Glaubwürdigkeit ihr größtes Kapital. Die Skandale der über 85-jährigen Geschichte sind unter „The BBC under pressure“ aufgelistet: 2003 sorgte ein Radiobericht während des Irak-Krieges für den größten Skandal der BBC-Geschichte. Die Verantwortlichen traten zurück und ihr Informant, der Waffenexperte David Kelly, beging Selbstmord. In der Folge entstand der „BBC Trust“, ein Aufsichtsgremium. Kritisiert wurde BBC.com, weil sie 2007 als weltweit erste gebührenfinanzierte Rundfunkanstalt Werbung schaltete – jedoch nur auf den internationalen Seiten.

Durchschnittlich 3,6 Milliarden Klicks (page impressions) hatte die BBC-Site nach eigenen Angaben bereits 2008 – und zwar pro Monat. Trotzdem hat das Newshaus bei Facebook gerade mal 831 Freunde. Die Macher/innen werden das sicher verschmerzen können, schließlich klicken täglich mehrere Millionen User/innen ihre Seite an.

Alva Gehrmann ist freie Journalistin in Berlin und schreibt für Zeitungen und Magazine.

Foto: ©photocase.com / Markus_S; ©photocase.com / soulcore

www.bbc.com
Zentrale BBC-Website

www.bbcmotiongallery.com
Filmmaterial mit BBC-Dokumentationen aus über 70 Jahren

www.youtube.com/bbclearningenglish
BBC-Kanal „Learning English“ bei YouTube

www.bbc.co.uk/glastonbury
Das Musikfestival mit Website im Stile von MTV

http://wn.com
World News Network – Onlinemagazin mit News der wichtigsten internationalen Medien

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Written by Östermann

10. Januar 2010 um 15:17

Veröffentlicht in Medien

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